Bis zum Schluss hofften und bangten die Fußballfans beim Public Viewing auf dem Vredener Domhof im Jahr 2018 beim Spiel gegen Südkorea. Dieses Jahr soll eine Corona-konforme Public-Viewing-Lösung her. © Victoria Thünte

Temporärer Biergarten soll Finanz-Spritze bekommen – wenn nötig

Die Idee eines temporären Biergartens kam unterschiedlich gut im Haupt- und Finanzausschuss an. Der Zuschuss, den die Stadt Vreden leisten soll, ebenfalls. Es wurde ein Kompromiss geschlossen.

Der Plan eines Biergartens klingt gut und bringt Vorfreude auf die bevorstehende Europameisterschaft im Fußball, die am 11. Juni 2021 startet. Dazu soll es in der Vredener Innenstadt ein Public Viewing geben. Aber in Zeiten der Pandemie ist so ein Biergarten auch ein äußerst strittiger Punkt. Vor allem, wenn dieser auch noch von der Stadt bezuschusst werden soll.

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung bezieht sich auf den Antrag der Berkelbeach GmbH. Darin fragen die Veranstalter Michael Meyerink und Rolf Elsing die Stadt nach einem einmaligen Zuschuss von 5000 Euro. Damit würde sich die Stadt Vreden an den Kosten für die umfangreichen Vorbereitungen eines temporären Biergartens am Alten Rathaus beteiligen.

Ausfallbürgschaft statt bedingungslosem Zuschuss

Zusammen mit anderen Kooperationspartnern aus Vreden soll die Veranstaltung stattfinden und so der Event- und Gastrobranche etwas auf die Füße helfen. Von donnerstags bis sonntags soll der temporäre Biergarten für Gäste öffnen, wenn die dann aktuelle Coronaschutzverordnung es zulasse.

Und genau hier lag im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) am Mittwochabend der Knackpunkt der Diskussion. Gertrud Welper von den Grünen begrüßte zwar das Vorhaben der Gastronomen, auch wenn sie sich nur schwer vorstellen könne, dass es möglich sei, dass dort im Juni rund 300 Gäste gleichzeitig anwesend sein sollen. „Aber das liegt dann in den Händen der Veranstalter“, so Welper. Daher sei sie generell mit dem Antrag einverstanden, aber nicht mit dem bedingungslosen Zuschuss.

Lichtblick für Vreden

Sie hält den Zuschuss im Rahmen einer Ausfallversicherung für sinnvoll. „Aber wenn der Biergarten wirtschaftlich erfolgreich sein sollte, dann ist der Zuschuss nicht notwendig“, so Gertrud Welper.

Die SPD hingegen stimmte dem Antrag voll und ganz zu. Es sei nicht das erste Mal, dass man so eine Aktion finanziell unterstütze und der Biergarten sei ein kleiner Lichtblick für Vreden. Vor allem, wenn man bedenke, dass die Gastronomie seit einem Jahr keinen Gewinn mehr mache, sei das schon in Ordnung.

Kontraproduktives Zeichen

Die Ausschussmitglieder waren insgesamt geteilter Meinung, was den Zuschuss anging. Reinhard Laurich von der SPD fragte dann in Richtung des Ersten Beigeordneten Bernd Kemper, in welchem Umfang die Veranstaltung stattfinden würde.

Herrmann-Josef Sönnekes von der CDU sehe schweren Herzens zu, wie alle Schützenfeste abgesagt würden, man wisse nicht, ob im Juni überhaupt die Schulen geöffnet haben werden und dann sollen Veranstaltungen wieder stattfinden können? Er halte es für ein kontraproduktives Zeichen, denn so werde die Bedeutung der Pandemie heruntergespielt.

Neue Coronaschutzverordnung ab 1. Juni

Bernd Kemper machte darauf aufmerksam, dass die derzeit geltende Coronaschutzverordnung bis zum 31. Mai gelte. Danach werde es eine neue geben und an die gesetzlichen Gegebenheiten müsse man sich dann halten. Daher könne man jetzt noch nicht sagen, in welchem Umfang diese Großveranstaltung dann möglich sein wird. Fest stehe aber, dass es einen Tisch-Service geben wird. Es könne per QR-Code bestellt werden und es werde per Luca-App festgehalten, wie viele Menschen gleichzeitig anwesend sind.

Würdigung ist nur richtig

Zum Thema Zuschuss, abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg, sagte Bernd Kemper: „Ob Corona oder nicht, ich glaube, dass wir als Kommune das Projekt so oder so gefördert hätten.“ Trotzdem sei eine Ausfallbürgschaft natürlich möglich.

Elmar Kampshoff von der UWG betonte, dass der bürokratische Aufwand für die 5000 Euro viel zu hoch sei und man sich über diesen Betrag nicht streiten müsse. Er halte eine Ausfallbürgschaft nicht für notwendig. „Die Branche ist eh schon stark gebeutelt und eine Würdigung in diese Richtung ist nur richtig“, so Kampshoff.

Biergarten als Corona-konforme Steuerung

Er führte zudem an, dass die Leute sich sonst Alternativen suchen würden. Das bedeute auch, dass sich während der EM die Menschen in ihren Häusern und Wohnungen zusammenrotten würden. So könne man das ganze Corona-konform noch etwas steuern.

So ging die Diskussion noch hin und her. Mehrere Politiker fürchteten, dass sie mit einer Bewilligung das Tor für Zuschüsse an gewerbliche Gastronomen aufmachten. Andere hielten es für selbstverständlich, einer gebeutelten Branche mit dem relativ kleinen Zuschuss unter die Arme zu greifen.

Der Antrag wurde vom Ausschuss letztendlich beschlossen. Der Zusatz, der von Gertrud Welper von den Grünen kam, wurde mit 13 Stimmen unterstützt, es gab eine Gegenstimme.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen