Teine tuckert zum Oldtimer-Häckseln und sieht sich die Maisernte aus der Nähe an

dzOldtimer-Häckseln

Den ersten Regen, die ersten Begegnungen und ein Riesenevent mit alten Landmaschinen erlebt Redakteur Stephan Teine am ersten Tag seiner Tour durch das Münsterland.

Vreden

, 08.09.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein großer Spielplatz für ganz große Kinder“, Friedhelm Wentink strahlt über das ganze Gesicht, als er das am Sonntagmorgen sagt und über den halb abgeernteten Maisacker in Ellewick blickt.

Der Vorsitzende der Grenzland-Oldies freut sich über den Erfolg, den sein Verein mit dem Oldtimer-Häckseln erzielt. Über 100 Traktoren stehen auf der Fläche verteilt, fahren um die Wette oder häckseln sich durch die Maisreihen.

Das Oldtimer-Häckseln der Grenzland-Oldies läuft da schon seit Samstagmorgen.

Nicht nur Gast am Rand, sondern mit dem Trecker mittendrin

An diesem Sonntag bin ich nicht nur Gast auf dem großen Treffen, sondern kann mich selbst zu den Oldtimer-Freunden zählen. Schließlich bin ich mit dem 15er-Deutz ganz langsam nach Ellewick getuckert. Am Vormittag war ich zuhause gestartet.

Etwas über eineinhalb Stunden hatte ich für die knapp 16 Kilometer bis Ellewick auf der Landstraße gebraucht. Wenn ich dem Traktormeter glauben soll, waren es im Schnitt 15 Stundenkilometer. Etwas mehr wäre noch möglich gewesen, aber der kleine Dieselmotor knatterte dann in so hohen Touren, dass es schon fast weh tat.

Regen kommt pünktlich nach den ersten Kilometern

Schon am Morgen hatte es etwas geregnet, pünktlich zur Abfahrt kam dann aber doch noch die Sonne heraus. Doch in Richtung Vreden zogen sich dicke graue Wolken zusammen. Kurz vor Doemern dann der erste Wolkenbruch. Kein Problem bis dahin, das Regenzeug hält. Ich zuckele weiter vor mich hin, gucke aber doch ein paar Mal etwas neidisch auf die Scheibenwischer der Autos im Gegenverkehr.

Erste Station auf der Tour durch das Münsterland

In Ellewick angekommen, steht Friedhelm Wentink schon winkend an der Straße. Ich hatte ihm gesagt, dass ich auf meiner Tour durch das Münsterland zuerst bei dem Treffen in Ellewick Station machen will. Ein Jahr hatten die 45 Mitglieder des Clubs in die Vorbereitung des großen Treffens gesteckt.

Teine tuckert zum Oldtimer-Häckseln und sieht sich die Maisernte aus der Nähe an

Friedhelm Wentink (r.), Vorsitzender der Grenzland-Oldies, im Einsatz - trotz strömenden Regens. © Stephan Teine

„Unsere Frauen sagen natürlich, dass wir einfach nur große Kinder sind und spielen wollen“, sagt er feixend. Und wirklich entkräften kann und will er diesen „Vorwurf“ auch gar nicht. Eine Gruppe Jugendlicher fährt da gerade mit einem Traktor und einer dahinter gespannten Kutsche vorbei.

Alles dreht sich ums Maishäckseln

Kern der Veranstaltung ist aber der Mais: Johannes Röring hatte auf einer knapp vier Hektar großen Fläche extra für die Oldtimer eine alte Maiskultur angepflanzt. „Mit den modernen Pflanzen kommen die alten Maschinen nicht klar“, erklärt Friedhelm Wentink. Die alten Maispflanzen werden nicht so groß und sind auch nicht so dicht gepflanzt wie auf einem modernen Acker. Damit kommen die Oldtimer besser zurecht.

Teine tuckert zum Oldtimer-Häckseln und sieht sich die Maisernte aus der Nähe an

Regelrecht Stau auf dem Acker: Die Besitzer der alten Landmaschinen wechselten sich ständig ab, um die vier Hektar Mais abzuernten. © Stephan Teine

Friedhelm Wentink gerät ins Schwärmen: „Wir wollen den Menschen zeigen, wie früher gearbeitet wurde und wie die alte Technik funktioniert“, erklärt er.

Aber natürlich wollen die Besitzer der alten Traktoren auch zeigen, was in ihren Maschinen steckt. Mit einer angekuppelten Metallplatte beweisen sie die PS-Stärke ihrer Boliden: Ein Traktor zieht, ein anderer stellt sich als Gewicht auf die Platte.

Norbert Rose ist mit seiner ganzen Familie nach Ellewick gekommen. Der Wessumer hat einen Normag Zwei-Takter-Diesel dabei. „Den fährt aber meistens mein Sohn“, sagt er. Den Traktor hat er vor ein paar Jahren bei Ebay gefunden. „Und richtig günstig geschossen“, freut er sich.

Teine tuckert zum Oldtimer-Häckseln und sieht sich die Maisernte aus der Nähe an

In Kolonne an den Maisreihen entlang. Von Arbeit mag an diesem Sonntag in Ellewick niemand sprechen: Das Oldtimer-Häckseln ist ein großer Spaß für alle Teilnehmer. © Stephan Teine

Das Dumme: Er hatte nicht darauf geachtet, wo der Traktor herkommt. „Ich erst nach dem Kauf gesehen, dass ich die Maschine aus dem Schwarzwald abholen musste“, lacht er. War am Ende aber auch kein Problem. Der Normag ist gerade so groß, dass Norbert Rose ihn noch in einer normalen Garage unterbringen kann. „Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden, wohne aber jetzt in Wessum“, sagt er. Da passt eine größere Maschine einfach nicht mehr.

Moderne Riesen nur ein paar Meter von den Oldtimern entfernt

Ein paar Meter weiter, auf dem Parkplatz, stehen die modernen Ausgaben der Landmaschinen. „Die Entwicklung ist einfach der Wahnsinn“, sagt Friedhelm Wentink und deutet auf einen modernen Claas-Häcksler. Das Modell, das dort in Ellewick auf dem Acker steht, ist noch fabrikneu. „Der hat noch kein Maiskorn gesehen“, sagt er und deutet auf die riesigen Zinken im Schneidwerk. 270.000 bis 300.000 Euro werden für so eine Maschine fällig. Von allen großen Marken haben die Grenzland-Oldies moderne Maschinen nach Ellewick gebracht. Doch an diesem Wochenende spielen die neuen Modelle nur eine Nebenrolle.

Sturzregen am Mittag kann Oldtimerfreunde nicht schrecken

Es wird Mittag. Die Schleusen am Himmel öffnen sich und stellen auf Dauerregen um. Gäste und Treckerfreunde flüchten sich in die aufgestellten Zelte und unter den großen Fallschirm. „Das wird nachher wohl wieder besser“, da sind sich die Besucher im Zelt einig.

Teine tuckert zum Oldtimer-Häckseln und sieht sich die Maisernte aus der Nähe an

Ackertaxi: Mit einer angespannten Bank werden die Besucher über den Acker gezogen. © Stephan Teine

Die Landmaschinen haben da für einen Moment Pause gemacht. Nach dem Mittag - es regnet immer noch in Strömen - machen sich die ersten wieder an die Erntearbeit. Ich habe zwar weder einen Häcksler noch einen Anhänger an meinem Deutz, stürze mich aber todesmutig mit in den Ernteverkehr.

Häcksler und Traktoren wechseln sich ab. Jeder will mal ein Stück Mais ernten. Die Schlepper mit großen Anhängern stehen regelrecht Schlange hinter den Erntemaschinen. Die meisten Besucher halten sich da aber lieber noch unter dem Fallschirm auf.

Kreuz und Quer über den Acker

Mit dem Deutz rumpele ich kreuz und quer durch die anderen Traktorspuren. Schlamm spritzt, aber ich verstehe, dass die Oldtimersammler Spaß an ihren Maschinen und der Arbeit haben. Ich bin trotzdem froh, dass ich mich nach ein paar Runden wieder in das trockene Cafeteria-Zelt setzen kann.

Unter den ausgestellten Traktoren sind auch einige Besonderheiten: So wie der Schlüter Supertrac 1900. Diesen Schlepper, ein Prototyp aus den 1980er-Jahren, gibt es weltweit nur noch einmal.

Sonnenschein am Nachmittag hellt auch die Stimmun wieder auf

Am Nachmittag kommt tatsächlich die Sonne wieder heraus. Die Stimmung bei den Grenzland-Oldies wird auch noch einmal besser. Das Oldtimer-Treffen wird zu einem echten Volksfest mitten auf dem Acker. „So muss es laufen“, sagt Friedhelm Wentink, als er kurz eine Kaffeepause einlegt. Das nächste große Event hat er noch nicht auf dem Plan. „So ein Häckseln machen wir nicht jedes Jahr, sonst nutzt sich das zu schnell ab“, sagt er. Für den Verein stehen jetzt erst einmal die nächsten Ausfahrten an.

„Vielleicht machen wir nächstes Jahr ein Event zum Pflügen“, sagt er noch. Das ist aber alles noch nicht besprochen. Und am Ende steht ja hinter jeder Großveranstaltung auch immer ein enormer Aufwand. „Für das Oldtimer-Häckseln haben wir ein Jahr Vorbereitung gebraucht“, sagt er.

Johannes Röring mit seinem Hobbyschlepper dabei

Auch CDU-Bundestagsabgeordneter Johannes Röring lässt sich die Großveranstaltung in Ellewick natürlich nicht entgehen. So oft es geht, versuche er noch, selbst auf dem Trecker zu sitzen, sagt er. „Leider klappt das nur viel zu selten“, fügt er dann noch hinzu. Den Mercedes Benz Trac 1000 Baujahr 1984 nutzt er als reinen Hobbyschlepper. „Den fahre ich zusammen mit meinem Enkel“, erklärt er.

Teine tuckert zum Oldtimer-Häckseln und sieht sich die Maisernte aus der Nähe an

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Röring war natürlich beim Oldtimer-Häckseln in Ellewick dabei. „Ich schaffe es leider nur noch viel zu selten selbst auf den Trecker“, erklärt er. © Stephan Teine

Technisch und optisch wurde das Fahrzeug natürlich restauriert. Der Mais, der beim Oldtimer-Häckseln geerntet wird, kommt erst ins Silo und dann in die Biogasanlage. „In zwei Wochen ist das alles weg“, sagt Röring.

Am frühen Abend verabschiede ich mich von den Treckerfreunden. Die Ernte ist eingebracht, die Zelte und der große Fallschirm werden abgebaut. Und die Vorfreude auf das nächste Oldtimerevent in Ellewick steigt schon wieder.

Ich mache mich auf die Suche nach einem Nachtquartier.

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