Streit an Flüchtlingsunterkunft in Vreden: Wer hat wen mit einem Messer angegriffen?

dzAmtsgericht Ahaus

Bei einem Streit an einer Flüchtlingsunterkunft in Vreden hatten zwei Männer jeweils ein Messer in der Hand. Das Gericht muss nun klären, wer wen angegriffen hat. Keine leichte Aufgabe.

Vreden

, 11.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beide hatten ein Messer, das geben die Männer vor dem Amtsgericht Ahaus zu. Aber wer wen angegriffen hat, darüber herrscht Unklarheit. Der Richter hatte einige Probleme, den Verlauf des Streits vor einer Flüchtlingsunterkunft in Vreden im Mai 2018 zu klären. Deswegen werden für einen nächsten Termin zwei Zeugen vorgeladen. Einer davon sitzt vermutlich in Abschiebehaft.

Der Angeklagte zittert auf seinem Stuhl im Gerichtssaal. Er kann die Arme nicht ruhig halten, der Kopf wackelt hin und her, beide Füße wippen die ganze Zeit auf und ab, die Schuhe quietschen auf dem Boden. Der 41-Jährige hat Stress und in solchen Situationen kommen seine gesundheitlichen Probleme zum Vorschein. „Ich bin krank. Sie sehen ja, dass es mir gesundheitlich nicht gut geht“, erklärt er dem Richter. Was genau er hat, sagt er nicht.

Dolmetscherin übersetzt die Aussage des Angeklagten

Die Aussage des Algeriers wird von einer Dolmetscherin übersetzt, er selbst spricht kaum ein Wort Deutsch. Laut Anklage soll der 41-Jährige vor einer Flüchtlingsunterkunft einen anderen Mann mit einem Messer angegriffen und an der Hand verletzt haben. „Er hat mich und meine Mutter die ganze Zeit beleidigt. Ich habe ihn lange ignoriert, aber damit hat er meine Ehre verletzt“, schildert der Angeklagte die Situation.

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Er war in seinem Zimmer im Obergeschoss, der andere Mann stand vor dem Gebäude. Irgendwann sei er so wütend gewesen, dass er eine Bierflasche aus dem Fenster geworfen habe. „Die hat mich mitten auf den Kopf getroffen“, erzählt der 34-Jährige, der als Opfer vor Gericht aussagt. „Das haben Sie aber an dem Abend der Polizei anders erzählt“, erwidert der Richter.

Beide Männer treffen mit Messern aufeinander

Der Angeklagte gibt zu, dass er danach nach unten gegangen ist. „Ich habe ein kleines Messer mitgenommen, um ihm Angst zu machen und weil er auch ein Messer hatte“, sagt er. Vor dem Haus stritten sich die Männer weiter, rangelten miteinander. Irgendwann lag der 34-Jährige auf dem Boden, der 41-jährige Angeklagte stand über ihm. „Ich hätte genug Zeit gehabt, auf ihn einzustechen. Aber ich habe es nicht gemacht“, erzählt er. „Wollten sie ihn verletzen?“, fragt der Richter nach. „Schlagen oder treten ja. Aber nicht mit dem Messer. Ich weiß, dass man dafür lange ins Gefängnis muss.“

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Der 34-jährige Tunesier schildert die Situation ganz anders: „Ich lag auf dem Boden und er hat mehrfach versucht, mich mit dem Messer zu treffen. Immer wieder.“ Auch er habe ein Messer gehabt, aber nur um sich zu verteidigen. Er habe am Ende eine Schnittwunde an der Hand gehabt.

Angeklagter kommt mit Messer auf Polizisten zu

Kurze Zeit später ist der Angeklagte wieder im Haus verschwunden, mit dem Messer des anderen Mannes. Er rief die Polizei. Als die Beamten da waren, ging er nach unten – mit den Waffen des 34-Jährigen in der Hand. „Die Polizisten haben mich direkt angeschrien. Ich habe das Messer auf den Boden gelegt und die Arme gehoben, weil ich keinen Ärger wollte. Das ist ein großes Missverständnis. Ich weiß nicht, was der der Polizei erzählt hat, ich kann ja kein Deutsch“, übersetzt die Dolmetscherin für den Angeklagten.

Auch der Richter kann nach den widersprüchlichen Aussage des Angeklagten und des vermeintlichen Opfers kein Urteil fällen. Er möchte zwei Männer, die den Streit miterlebt haben, als Zeugen hören. Einer war eigentlich bereits geladen, ist aber nicht erschienen. Nach Angaben des Angeklagten sitzt er in Abschiebehaft in Frankfurt. Für die Zeugenaussagen wird ein neuer Termin angesetzt.

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