Geschäftsführer Alexander Jägers (l.) und Thomas Venhorst von der Kreishandwerkerschaft freuen sich über den erfolgreichen Start von cw+, den Coworking Space Stadtlohn. © Stefan Grothues
Coworking Space

Start-ups und Homeoffice-Flüchter haben in Stadtlohn eine Adresse

Flucht aus dem Homeoffice oder eine Adresse für Existenzgründer: Das Coworking Space an der Dufkampstraße in Stadtlohn findet mittlerweile eine gute Resonanz. Wegen Corona und trotz Corona.

Milan Abou hat Internationales Business Management in Enschede studiert. Der 27-Jährige aus Vreden hat auch schon Konzernerfahrungen bei VW als Sales Manager gesammelt. Jetzt möchte er sein „eigenes Ding“ machen, wie er sagt.

Milan Abou hat große Pläne. Für den Start seiner Online-Marketing-Firma schätzt er die professionelle Umgebung des Coworking Space in Stadtlohn.
Milan Abou hat große Pläne. Für den Start seiner Online-Marketing-Firma schätzt er die professionelle Umgebung des Coworking Space in Stadtlohn. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Seine Geschäftsidee für ein Online-Marketing speziell für die Mitarbeiter- und Neukundengewinnung von Steuerberatern läuft nach Milan Abous eigenen Angaben gut an. So gut, dass er seine Firma nicht aus seinem alten Kinderzimmer in Vreden betreiben möchte. Seine Geschäftsadresse ist seit dem 1. Januar das cw+, das Coworking Space Stadtlohn an der Dufkampstraße 40.

Flexibler Arbeitsplatz auf Zeit

Ein Coworking Space ist ein zeitlich flexibler Arbeitsplatz, dessen Infrastruktur Freiberufler und Arbeitnehmer aus verschiedenen Branchen nutzen und sich im Idealfall sogar vernetzen. Im Erdgeschoss und unter dem Dach der Villa an der Dufkampstraße bietet das Projektbüro „Projaegt“ von Alexander Jaegers fünf moderne Einzelbüros und ein Vierer-Großraumbüro an. Ein Konferenzraum und eine Küche gehören ebenso zur Ausstattung.

„Ich wohne vorübergehend wieder bei meinen Eltern. Es ist supercool, dass ich im Coworking Space einen Ort habe, an dem ich in professioneller Umgebung Kunden empfangen kann“, sagt Milan Abou. 10 Euro Miete kostet die Büronutzung am Tag. Wer einen Monat bucht, zahlt 200 Euro – schnelles Internet, Kaffee, Tee und Wasser inklusive. Abou: „Das ist für mich als Startup attraktiver, als gleich in ein eigenes Büro mit langfristigen Mietverträgen investieren zu müssen.“

In der repräsentativen Villa an der Dufkampstraße cw+ im Coworking Space flexible Büroarbeitsplätze auf Zeit an.
In der repräsentativen Villa an der Dufkampstraße bietet cw+ im Coworking Space flexible Büroarbeitsplätze auf Zeit an. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Im März 2020 hatte Alexander Jaegers seine Idee für das Coworking Space in Stadtlohn erstmals öffentlich vorgestellt. Im gleichen Monat erreichte die Coronapandemie den Kreis Borken. Heute gesteht Jaegers, dass er damals angesichts der Corona-Entwicklung an seinem Projekt zweifelte und dachte: „Auweia, das funktioniert ja nie.“

70-prozentige Auslastung sorgt für schwarze Zahlen

Das erste halbe Jahr nach dem Coworking-Projektstart im Juni 2020 war tatsächlich zäh. Alexander Jaegers „verschenkte“ Büroräume auf Zeit an leidgeprüfte Studierende im Distanzstudium. Jetzt aber nimmt das Coworking Space in Stadtlohn Fahrt auf. „Wir haben jetzt eine 70-prozentige Auslastung“, sagt Alexander Jaegers. Dabei hat er mit einkalkuliert, dass er wegen der Coronadistanzregeln nur acht bis neun der insgesamt zwölf Arbeitsplätze anbietet.

Jaegers: „Wir sind hochzufrieden und wir schreiben seit Jahresbeginn bei den Sachkosten schwarze Zahlen.“ Und das trotz Corona. Oder auch wegen Corona wie das Beispiel des Stadtlohners Ludger Brockherde zeigt.

Alternative zum Homeoffice: Ludger Brockherde freut sich, zur Arbeit wieder aus dem Haus gehen zu können.
Alternative zum Homeoffice: Ludger Brockherde freut sich, zur Arbeit wieder aus dem Haus gehen zu können. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der gelernte Nachrichtentechniker hat seinen Arbeitsplatz eigentlich im Prozessmanagement der Firma Eon in Essen. Eigentlich. Seit März schon arbeitet Ludger Brockherde zuhause im Homeoffice. Seit sechs Wochen hat er seinen Arbeitsplatz ins Coworking Space verlegt.

Raus aus der Jogginghose

„Ich war es einfach leid, immer nur zuhause zu bleiben. Ich wollte wieder raus aus der Jogginghose, zur Arbeit aus dem Haus gehen und andere Menschen sehen – natürlich auf Distanz.“ Er ist fest davon überzeugt: „Auch wenn Corona mal vorüber ist, werde ich nicht mehr fünf Tage die Woche nach Essen fahren, sondern im Homeoffice in Stadtlohn arbeiten.“

Bei Ludger Brockherde kam noch ein zweites Motiv hinzu. Gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich wagt er nebenberuflich ein Start-up: Mit ihrer Firma Cut-Energy wollen die beiden Brüder der E-Mobilität im ländlichen Raum auf die Sprünge helfen. „Hier können wir in einer 100 Jahre alten Villa mit professionellem Flair Geschäftskontakte besser pflegen als von zuhause aus.“ Wichtig seien auch die Kontakte und die Gespräche am Rande, die sich im Coworking Space ergäben, zum Beispiel mit der Kreishandwerkerschaft.

Kreishandwerkerschaft stellt Mitgliedsbetrieben Büros kostenlos zur Verfügung

Die Kreishandwerkerschaft hat drei Arbeitsplätze im cw+ fest gebucht. „Wir wollen unseren Mitarbeitern hier die Möglichkeit geben, ohne lange Fahrtzeiten in der Region zu bleiben“, sagt Projektleiter Thomas Venhorst von der Kreishandwerkerschaft. Ihren Mitgliedsunternehmen bietet die Kreishandwerkerschaft in der Coronazeit zudem an, Büros oder Konferenzraum im cw+ kostenfrei zu nutzen. „Hier gibt es modernste Präsentationstechnik und Austausch auf kurzem Weg“, so Thomas Venhorst.

Arbeitsplätze werden auch von Studenten und Schülern genutzt

Zur wechselnden Bürokundschaft zählten aber zum Beispiel auch eine Studentin, die hin und wieder das schnelle Glasfasernetz und die konzentrationsfördernde Ruhe schätze, erzählt Alexander Jaegers. Oder der Vater, der für sich und seinen Sohn zwei Schreibtische mietete. Jaegers: „In der Familie sind Vater und Mutter im Homeoffice und drei von vier Kindern im Homeschooling. Die mussten einfach mal raus.“

Raus will auch Milan Abou. „Mein Unternehmen soll schnell wachsen. Ich möchte Leute einstellen. Ich möchte etwas Großes aufmachen. Dafür brauche ich später auf Dauer eigene Büros. Jetzt aber bin ich froh, hier zu sein“, sagt der Jungunternehmer.

Und auch die Brüder Brockherde träumen von Wachstum und einem eigenen Büro für ihr Startup. Alexander Jaegers ist hoch zufrieden: „Genau dafür ist ja unser Coworking Space gedacht: als flexibles Angebot für Startups, Freiberufler, kreative und Pendler.“

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Stefan Grothues

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