Im Land steigt die Angst vor dem Corona-Virus täglich. Mundschutzmasken sind für Apotheken im Großhandel kaum noch zu bekommen. Und wie gehen die Vredener mit einer möglichen Gefahr um?

Vreden

, 01.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Apothekerin Sigrid Warmers (Marien-Apotheke) weiß, dass die Nachrichten über ständig steigende Zahlen von Erkrankten und sogar Todesopfern in China und mittlerweile in Europa auch im Ort ein Thema sind.

Allerdings behält sie dabei einen professionell kühlen Kopf. So hat sie einem Freund ihres Sohnes (Klasse 6), der große Angst hat, sich anzustecken, das geraten: „Er sollte sich besser gegen Grippe impfen lassen, damit steckt er sich viel eher an.“

Ansteckungsgefahr durch Grippeerreger ist viel größer

Ein Tipp, den sie mit Blick auf die aktuelle Lage so begründet: „Angesichts von rund 10.000 Grippekranken ist die Übertragungswahrscheinlichkeit einfach deutlich höher als beim Corona-Virus.“ Ob relativ harmlos oder richtig gefährlich - wie das Virus sich einmal entwickeln werde, wie die Krankheit im Einzelnen verlaufe, müsse sich erst noch herausstellen.

Gleichwohl sind ihre Hinweise, sich vor dem neuartigen Corona-Virus zu schützen, die gleichen wie bei einer Grippe. Und da steht gründliches Händewaschen ganz oben auf der Agenda. Sollten aber offensichtlich Erkrankte mit Fieber und anderen grippeähnlichen Symptomen in der Apotheke Rat suchen, würde sie diese umgehend an einen Arzt verweisen. Allerdings nachdem man diesen informiert habe. Sigrid Warmers: „Damit er eine mögliche Isolierung von anderen Patienten vorbereiten kann.“

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Im echten Ernstfall werde man außerdem an den „Grippe-Pandemieplänen“ an die sich auch die Apotheken zu halten haben, orientieren: „Die ließen sich auch auf das Corona-Virus übertragen.“ Dazu bestehe aber im Moment keinerlei Veranlassung: „Zum Corona-Virus wird schon mal nachgefragt, mehr aber auch nicht.“ Die Menschen seien auch bewusster geworden, hat die Apothekerin festgestellt. So hätten sich deutlich mehr gegen Grippe impfen lassen, es seien mehr Impfstoffe geliefert worden.

Gewaschene Hände als Schutzschilder

Annette Schlüter, Filialleiterin der Widukind-Apotheke, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch in ihrer Apotheke habe das Virus aus China „noch nicht so viele Kunden“ berührt. Anders sei das wohl in Bocholt, wo zahlreiche asiatische Bewohner lebten.

Sehr viel hält sie auch hier von einer Aufklärung über Hygiene, die sei grundsätzlich der wichtigste Schutz bei allen möglichen Infekten. Obenan: Händewaschen. Bei gesunder Haut könnten auch flüssige Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen, bei trockener Haut sei davon abzuraten.

Brigitta Rems von der Mühlen-Apotheke kann bislang nur von der Nachfrage eines Kunden berichten, der einen Mundschutz kaufen wollte. „Der wollte aber auch nach London fliegen.“

Noch kein Corona-Fall im Klinikum Westmünsterland

„Im Klinikum Westmünsterland wird aktuell kein Patient mit einer Infektion durch das neuartige Corona-Virus behandelt“, sagte Kliniksprecher Tobias Rodig am Freitag. Auch wenn das Robert-Koch-Institut die Gefahr für Deutschland momentan als gering einschätze, stehe das Klinikum in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt des Kreises Borken.

Rodig: „Bei einem Patienten mit bestehendem Verdacht auf eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus stellt, wird dies dem Gesundheitsamt gemäß Infektionsschutzgesetz gemeldet. Die Meldung erfolgt unverzüglich und muss dem Gesundheitsamt spätestens innerhalb von 24 Stunden vorliegen.

Keine Angst oder Panik

Unterm Strich hat sich bei der kleinen Umfrage unserer Redaktion herausgestellt, dass in Vreden von einer Angst und erst recht von einer Panik vor dem Corona-Virus nicht die Rede sein kann. Dr. Franz Rotering hat in seiner Praxis „nicht eine einzige Frage“ zu dem Thema gehört. „Vielleicht sind die Westmünsterländer einfach gelassener“, vermutet er.

Ein Fall von echter Grippe hat er bislang in seiner Praxis auch noch nicht festgestellt: „Die Grippe fängt erst nach Karneval an, dann heißt es überall Bussi Bussi.“

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