Körperverletzung: Mysteriöses Messer löst sich vor Gericht in Luft auf

dzGerichtsprozess

War alles ein riesengroßes Missverständnis? Oder steckt mehr hinter der Geschichte, die im September 2019 zu einer blutigen Auseinandersetzung führte?

Vreden

, 12.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende soll alles ein Missverständnis gewesen sein. Nicht nur der Richter am Amtsgericht hatte am Freitagmorgen Schwierigkeiten, den Ausführungen von Opfer und Angeklagtem zu folgen. So viel scheint klar: Im September 2019 geraten ein 23-jähriger Vredener und ein 23-jähriger Mann aus Rheine vor einer Wohnung in Vreden aneinander. Der Rheinenser stürzt nach einem Gerangel und zieht sich eine oberflächliche Schnittwunde am Arm zu. Danach wird es kompliziert.

Cutter-Messer war wohl doch nicht im Spiel

Bei der Polizei hatte das Opfer, der Mann aus Rheine, noch angegeben, dass ein Cutter-Messer im Spiel gewesen sei. Deswegen auch der schwere Tatvorwurf gegen den Vredener.

Vor Gericht zog das Opfer seine Aussage aber zurück: An ein Messer könne er sich nicht erinnern. Immer wieder betonte er, dass sich alles nur um ein Missverständnis handele. Der Anwalt des Angeklagten hakte nach: „Also war es ihr Rückschluss, dass es sich bei der Verletzung um eine Schnittwunde handele, weil sie so aussah?“ Das Opfer bestätigte das.

Verworrene Vorgeschichte führte zur Auseinandersetzung

Auch die Vorgeschichte der Tat erscheint verworren. Der Angeklagte habe am frühen Abend eine Auseinandersetzung zwischen einer Frau und dem späteren Opfer gesehen. Wie sich herausstellte, waren sie verheiratet. Da sei er dazwischen gegangen. Er habe die Frau gekannt und sie beschützen wollen. Nach einer kurzen Unterhaltung sei er schließlich nach Hause gegangen.

Etwas später habe der Vater der Frau – und Schwiegervater des 23-jährigen Rheinensers – ihn zu sich gerufen. Sorgen vor einer Auseinandersetzung habe er sich da nicht gemacht. „Das ist ja ein älterer Mann“, erklärte er. Auf dem Weg habe der Angeklagte zwei Bekannte getroffen, die schon bei dem Streit am frühen Abend Zeugen waren. Zu Dritt trafen sie beim Opfer ein, der da sofort aus der Tür gestürzt und auf den Angeklagten losgegangen sei.

Woher die Verletzung stammte, schien weiter unklar: „Das weiß ich auch nicht ganz genau. Er fiel ja auf lange Metallstangen“, erklärte der Angeklagte. Da habe er sofort von ihm abgelassen.

Auch etliche Nachfragen des Richters brachten nicht mehr Licht in die Sache, so dass der schließlich seinem Bauchgefühl folgte und vorschlug, die Anklage gegen Zahlung einer Geldauflage fallen zu lassen. „Denn es ist ja so: Niemand hegt mehr einen Groll, niemand wurde schwer verletzt und das Messer ist auch aus dem Spiel“, erklärte er.

Polizisten wurden als Zeugen nicht mehr angehört

Vier Polizisten, die am Tattag vor Ort waren, mussten nicht mehr aussagen und konnten wieder gehen. Es sei, so viel verstehe er jetzt, lediglich eine Rangelei gewesen. Auch habe der Angeklagte keine Vorstrafen, nur kleinere Jugendstrafen wegen Verkehrsdelikten und Betrugs. „Keine Körperverletzungen oder etwas in diese Richtung, so der Richter. 1000 Euro muss der Angeklagte in fünf Raten an den Deutschen Kinderschutzbund Münster zahlen.

Angeklagter reagiert erleichtert auf Richterspruch

Der Angeklagte wirkte erleichtert und fragte noch einmal nach: „Dann ist das alles erledigt?“ Der Richter nickte und sagte: „Ich habe Sie ja nun heute kennen gelernt und ich glaube, dass sie zahlen werden und die Sache nach Abschluss der Zahlungen erledigt ist.“

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