Schulleitung der Hamaland-Schule will über die Schließung von zwei Standorten diskutieren

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Die Hamaland-Schule hat ein Konzept für eine OGS erarbeitet. Dabei ist die Idee entstanden, die Grundschule statt in Ammeloe, Ellewick und Lünten nur noch an einem Standort zu führen.

Vreden

, 06.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Hamaland-Schule sollte nach Meinung der Schulleitung so umgebaut oder neugebaut werden, dass sie nur noch einen Standort hat.“ Mit dieser Aussage hat Schulleiterin Christel Hörst im Fachausschuss alle überrascht. Denn eigentlich ging es in dem Tagesordnungspunkt nur um die Einführung einer Offenen Ganztagsschule (OGS) an der Grundschule in Ammeloe, Ellewick und Lünten.

Doch für Christel Hörst hängen die beiden Überlegungen zusammen. Wie die Schulleitung zu dem Wunsch gekommen ist, zwei Standorte aufgeben zu wollen, hat sie im Rathaus in einem ausführlichen Vortrag dargelegt.

Drei gleichberechtige Standorte in Ammeloe, Ellewick und Lünten

Die Hamaland-Schule ist eine Grundschule mit gleichberechtigten Standorten in drei Kirchdörfern. In Lünten und Ellewick gehen die Erst- und Zweitklässler zur Schule, danach wechseln sie für das dritte und vierte Schuljahr nach Ammeloe. „Wir können nicht an allen drei Standorten die Klassen eins bis vier bilden. Dafür sind es zu wenige Schüler aus den einzelnen Dörfern“, erklärte Christel Hörst.

Das heißt, dass in einer Klasse Kinder aus verschiedenen Dörfern und Bauerschaften sind. Jedes Kind muss also in seiner Zeit an der Grundschule mindestens zwei Jahre lang mit dem Bus fahren. Das zu organisieren ist gar nicht so einfach, erklärte Christel Hörst. Zumal nach Unterrichtsschluss 75 der 184 Schüler noch einmal den Standort wechseln. Sie nehmen an der Hausaufgaben- und Übermittagbetreuung teil. Und die gibt es nur in Ellewick und Lünten, weil nur dort genug Räume zur Verfügung stehen.

Bislang ist in diesem System nur eine Betreuung bis maximal 14.45 Uhr möglich, ohne Mittagessen. „In Elterngesprächen merken wir inzwischen immer häufiger, dass die Eltern sich eine Betreuung bis 16 Uhr wünschen. Deswegen wollen wir eine OGS einrichten“, sagte Christel Hörst. In den letzten Monaten hat die Grundschule dafür ein Konzept erarbeitet und gemerkt: Einfach wird das nicht.

OGS ist nur an einem Standort zu realisieren

Schnell war klar, dass die OGS nur an einem Standort zu realisieren ist. „Sie ersetzt am Nachmittag das Elternhaus, deswegen sollte die Betreuung nicht in einem Klassenraum stattfinden“, meinte Christel Hörst. Das heißt, dass zusätzliche Räume für Bewegungsangebote, Ruhephasen oder Kreativitätangebote gebraucht werden. Außerdem wünscht sich die Schule eine Mensa und eine eigene Küche, um das Mittagessen selber kochen zu können.

Die Schulleitung hat in ersten Überlegungen Ammeloe als Standort für die OGS ausgesucht. „Das liegt in der Mitte und da gibt es das Feuerwehrgerätehaus, das nach dem Umzug der Feuerwehr in den Neubau mitgenutzt werden könnte“, erklärt Christel Hörst. Trotzdem: „Es sind auf jeden Fall größere Umbau- oder Anbaumaßnahmen notwendig“, so Hörst.

Schulleiterin: „Wir kommen an unsere Grenzen“

Und genau deswegen hat die Schulleitung jetzt die Idee einer Hamaland-Schule an nur einem Standort ins Spiel gebracht. „Unter den heutigen Bedingungen wie Lehrermangel und Inklusion kommen wir als Schule mit drei Standorte an unsere Grenzen“, machte Christel Hörst deutlich.

Ein Beispiel: Die Lehrer wechseln zum Teil im Laufe des Tages zwischen den Standorten. In den Pausen fährt also eine Lehrerin etwa von Ellewick nach Lünten. Dabei muss aber natürlich darauf geachtet werden, dass in Ellewick in der Pause trotzdem noch eine Betreuungsperson vor Ort ist. „Wenn alle da sind, klappt das. Es ist eng getaktet, aber es klappt. Sobald aber jemand krank wird oder Kollegen auf Klassenfahrt sind, haben wir ein Problem“, erläuterte Konrektorin Barbara Kohlruss.

Ammeloe als einziger Standort ins Auge gefasst

Da für die OGS nun sowieso größere Umstrukturierungen und Baumaßnahmen anstehen, möchte die Schulleitung in diesem Zusammenhang auch über die Aufgabe von zwei Standorten diskutieren. „Wir würden dann Ammeloe als einzigen Standort ins Auge fassen. Nicht, weil wir Ammeloe bevorzugen möchten, sondern einfach, weil es in der Mitte liegt. Aber ganz deutlich: Das ist nur ein Vorschlag, wir können auch weiterhin mit drei Standort gut leben“, sagte Christel Hörst.

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Die ersten Reaktionen der Mitglieder des Bildungs-, Sport- und Kulturausschusses waren verhalten. Mit dieser Wendung der Diskussion hatte niemand gerechnet. Bernd Kemper, Erster Beigeordneter, schränkte zunächst ein: „Das ist nur ein erster Schritt des Gedankens. Darüber müssen wir in aller Ruhe und Sachlichkeit nachdenken. Das wird nicht im nächsten oder übernächsten Jahr entschieden. Und ganz sicher wird nichts gegen den Elternwillen passieren.“ Christel Hörst hatte zuvor auch deutlich gesagt, dass dieser Gedanke nur von der Schulleitung kommt. Mit Lehrern und Eltern wurde darüber noch nicht gesprochen.

Beschluss zunächst nur zur OGS

Elmar Kampshoff (UWG) nannte den Vortrag der Schulleitung „sehr mutig, schließlich herrschen hier keine Denkverbote“. Christoph Terrahe (CDU), der selber Lehrer ist, kann sich die Nöte der Hamaland-Schule gut vorstellen. „Aber die Identifikation mit einem Ort hat ja auch mit der Schulzeit zu tun“, sagte er zu der Idee, zwei Standorte zu schließen.

Doch über diesen Vorschlag sollte in der Sitzung am Dienstagabend nicht weiter diskutiert werden. Am Ende waren sich alle einig, dass die Einrichtung einer OGS dringend notwendig ist. Auf einen Standort wollten sich die Kommunalpolitiker jedoch noch nicht festlegen. Zunächst muss jetzt der Rat und dann das Schulministerium zustimmen. Erst danach soll über den Standort und die Baumaßnahmen beraten werden. 2020 soll die OGS wenn möglich starten.

Bei den Beschlüssen geht es jedoch nur um die OGS. Über den Vorschlag der Schulleitung, zwei Standorte der Hamaland-Schule aufzugeben, wird vermutlich noch einige Jahre diskutiert werden müssen.

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