Wie Charly dank Crowdfunding zum Therapiepferd ausgebildet wird

dzReitverein Vreden

Seit mehreren Jahren bietet der Reitverein Vreden therapeutisches Reiten an. Zur Ausbildung eines neuen Therapiepferdes fehlten dem Verein jedoch die finanziellen Mittel.

Vreden

, 28.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Reit- und Fahrverein Vreden hat zurzeit einen ganz besonderen Azubi. Der sechs Jahre alte Wallach Charly wird seit September 2019 zum Therapiepferd ausgebildet. Ermöglicht hat das eine Crowdfunding-Aktion, die der Verein gemeinsam mit der Volksbank Gronau-Ahaus ins Leben gerufen hat.

Bereits seit mehreren Jahren arbeitet der Reitverein Vreden mit Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Grund- und Förderschulen oder Kindergärten zusammen und bietet therapeutisches Reiten an. „Es fördert die Sprache und verbessert die Bewegungsmöglichkeiten“, erklärt Reittherapeutin und Trainerin Geesche Bals-Breuckmann.

Reittherapeutin Geesche Bals-Breuckmann hat die Charlys Ausbildung ehrenamtlich übernommen.

Reittherapeutin Geesche Bals-Breuckmann hat die Charlys Ausbildung ehrenamtlich übernommen. © Hendrik Bücker

Eine Reittherapie eignet sich insbesondere für Menschen mit psychischer, geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung. „Angespannte oder unruhige Kinder können anhand von Charlys Reaktionen ihr eigenes Verhalten unmittelbar reflektieren und dementsprechend ändern.“ Und weiter: „Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, der bekommt auf dem Rücken des Pferdes ein Gefühl vom Gehen.“ Generell steigere die Erfahrung mit Charly das Wohlbefinden der Kinder.

Zusammenspiel von Mensch und Pferd im Vordergrund

Worauf bei der Ausbildung eines Therapiepferdes zu achten, erklärt die Trainerin: „Zwar erfolgt auch die reguläre reiterliche Ausbildung, in der das Pferd Schritt, Trab und Galopp lernt, aber das Zusammenspiel von Mensch und Pferd steht im Vordergrund.“

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Pferde sind von Natur aus Fluchttiere, Charly müsse als Therapiepferd jedoch in ungewohnten Situationen oder bei plötzlichen Berührungen und lauten Geräuschen die Ruhe bewahren, so die Trainerin.

Zusammen mit Celina Müller bildet sie Charly in ehrenamtlicher Arbeit aus. „Die beiden haben viel Arbeit investiert und das Training mit Charly in Spätschichten absolviert, auch wenn sonst niemand hier war“, sagt Marika Cluse, zweite Vorsitzende des Vereins.

„Er hat die Ruhe weg“

Charly gehört zu der aus Irland stammenden Rasse der Tinker, ruhige Tiere, und als Therapiepferde besonders geeignet, sagt Bals-Breuckmann. Beim Besuch der Redaktion wurde Charly „ins Aus geschickt“, das heißt, er bleibt beinahe regungslos stehen und wartet auf neue Anweisungen. „Er hat die Ruhe weg“, lautet das typisch-westfälische Urteil von Hans-Gerd Ostendarp, Leiter der Vredener Niederlassung der Volksbank Gronau-Ahaus.

Über eine Internetplattform der Volksbank wurde zu Spenden aufgerufen. „Unser Wunschbetrag lag bei 7500 Euro, mit dem wir Charlys Haltungskosten für die dreijährige Ausbildung decken können. Außerdem finanzieren wir hiervon beispielsweise die speziellen Sattel und Gurte, die für das therapeutische Reiten benötigt werden“, sagt Jörg Lenhard, Geschäftsführer des Vereins. Charly selbst war schon zuvor im Besitz des Vereins.

Ganz unterschiedliche Klein- und Großspender

Die erhoffte Summe konnte zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 dank 49 Unterstützern gesammelt werden. Jörg Lenhard hierzu: „Es kamen ganz unterschiedliche Klein- und Großspender zusammen, auch solche, die laut eigenen Angaben bisher nichts mit dem Reiten zu tun hatten.“ Als Verein, der sich hauptsächlich aus den Mitgliederbeiträgen finanziere, sei man für solche Projekte auf Sponsoren angewiesen.

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Auf jeden gespendeten Betrag legte die Volksbank 20 Prozent oben drauf. Gerade bei karitativ und sozial engagierten Vereinen bemerke Hans-Gerd Ostendarp, dass das Crowdfunding immer beliebter werde.

Umbau zur therapiegerechten Reitanlage

Des Weiteren investierte der Verein im in die Barrierefreiheit seiner Reitanlage. „Wir sind noch nicht vollständig barrierefrei, aber die Anlage ist jetzt therapiegerecht“, erklärt Jörg Lenhard.

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