Taschendiebe kommen oft ungeschoren davon – auch in Vreden. Die Aufklärungsquote lag hier 2020 bei 0 Prozent. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Kriminalitätsstatistik

Raub, Vergewaltigung und Co: Mehr als zwei Straftaten pro Tag in Vreden

Auf 53 Seiten informiert die Polizei im Jahrbuch Kriminalität über die Straftaten im Kreis Borken. Während sich die Situation in vielen Orten positiv entwickelt hat, ist das in Vreden anders.

Mehr Straftaten insgesamt, mehr Sexualdelikte und auch mehr Drogendelikte: Die Kriminalitätsstatistik für Vreden sieht nicht gerade rosig aus. Hier kommen sieben Fakten aus dem Jahrbuch Kriminalität 2020 der Polizei.

Mehr als zwei Straftaten pro Tag

Genau 929 Straftaten sind in Vreden im vergangenen Jahr bekannt geworden. Das bedeutet rein rechnerisch rund 2,5 Straftaten pro Tag. Ein Drittel davon fällt in die Kategorie Diebstähle, ein weiteres Drittel ist die sogenannte Straßenkriminalität. Der Anteil an Gewaltkriminalität ist mit 43 Taten relativ gering.

Für Vreden ist damit ein Anstieg der Gesamtstraftaten im Vergleich zum Vorjahr (852 Straftaten) zu verzeichnen. Das ist eine Entwicklung gegen den kreisweiten Trend. Denn in 11 von 17 Kommunen ist die Zahl der Straftaten gesunken. In Vreden lag die Zahl der Straftaten aber schon 2019 deutlich niedriger als in anderen Kommunen.

Starker Anstieg bei sexuellen Straftaten

33 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stehen in der Statistik. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr. In diese Kategorie fallen Vergewaltigung und sexuelle Belästigung, aber auch die Verbreitung von (kinder)pornografischem Material und exhibitionistische Handlungen.

94 Prozent dieser Taten in Vreden konnten im vergangenen Jahr laut Statistik aufgeklärt werden. 30 Tatverdächtige konnte die Polizei ausmachen. Das ist eine deutlich höhere Aufklärungsquote als im Vorjahr (88 Prozent, 17 Tatverdächtige).

Deutlich mehr Drogendelikte

Bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gab es ebenfalls einen großen Anstieg. 63 solcher Taten stehen in der Polizeistatistik, das sind 22 mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist hier mit 95 Prozent sehr hoch. Das ist in dieser Kategorie häufig so, denn Drogendelikte fallen meist bei Kontrollen auf, sodass es direkt auch Tatverdächtige gibt.

Hohe Aufklärungsrate bei Raubdelikten

Ebenfalls viele Tatverdächtige konnte die Polizei im Bereich der Raubdelikte ermitteln. Hier ist die Aufklärungsquote deutlich von 33 auf 71 Prozent gestiegen, während die Gesamtzahl der Raube auf Vorjahrsniveau liegt.

Sieben Tatverdächtige zu sieben Taten stehen in der Statistik. Dass die Aufklärungsquote trotzdem nicht bei 100 Prozent liegt, heißt, dass es bei einigen Taten wohl mehrere Täter gab.

Taschendiebe kommen ungeschoren davon

Auf der anderen Seite der Skala in Sachen Aufklärung liegen die Taschendiebstähle. 0,0 Prozent Aufklärungsquote, 0 Tatverdächtige. Das ist allerdings nicht nur in Vreden so, sondern im gesamten Kreisgebiet.

Die Zahl der Taschendiebstähle ist in Vreden gesunken, von 8 im Vorjahr auf 4. Das ist ebenfalls ein kreisweites Phänomen. Landrat Dr. Kai Zwicker geht hier von einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aus. Schließlich waren die Innenstädte im Jahr 2020 deutlich leerer als sonst.

Keine Tötungsdelikte im Jahr 2020

Im vergangenen Jahr ist in Vreden niemand gewaltsam ums Leben gekommen. In der Statistik steht wie im Vorjahr auch schon keine Straftat gegen das Leben. Die Zahl der Körperverletzungen ist leicht gestiegen von 104 auf 123. 94 Prozent dieser Taten konnten aufgeklärt werden, 90 Tatverdächtige konnte die Polizei ermitteln.

Vreden liegt im kreisweiten Vergleich im Mittelfeld

Um einen adäquaten Vergleich zwischen den Kommunen ziehen zu können, gibt die Polizei in der Statistik die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl an. Diese setzt die Zahl der Straftaten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl. Wenn Vreden 100.000 Einwohner hätte, wären es also rechnerisch 4098 Straftaten im Jahr 2020.

Damit steht die Widukindstadt auf Platz 8 von 17, also ziemlich mittig. Die Rangliste wird angeführt von Gronau mit 9828 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Ganz unten steht Raesfeld mit einer Kriminalitätshäufigkeitszahl von 2423.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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