Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

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Die Hälfte der gut 2050 Kilometer hat Rainer Pag, Küster von St. Georg in Vreden, auf dem Weg in die Partnergemeinde Oradea in Rumänien bereits zurückgelegt. Mit bleibenden Erinnerungen.

Vreden

, 18.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Bergfest – ab sofort wird heruntergezählt.“ Rainer Pag schmunzelt, als er auf Nachfrage am Freitagmorgen berichten kann, dass er nach weiteren 33 Kilometern am Abend etwa 1030 der berechneten 2051 Kilometer absolviert hat. Seit gut einem Monat ist der Küster von St. Georg in Vreden unterwegs, um zu Fuß die Partnergemeinde Oradea in Rumänien zu erreichen.

Und auf der ersten Hälfte hat der 47-Jährige bereits viele Erfahrungen und Begegnungen gemacht, die seinen Vorstellungen vorab in etwa entsprachen. Er liegt im Plan, hat aber auch schon einige Klippen umwandern müssen. „Ich wollte auch etwas Verrücktes machen – und das ist es“, freut sich Pag.

Auf den Spuren des Heiligen Norbert

Nach dem Start am Norbertstein mit dem Pilgersegen lief Rainer Pag die ersten Kilometer auf den Spuren des Heiligen Norbert. Markanteste Stationen waren Magdeburg, wo Norbert von Xanten Bischof war, und Prag, wo sich seine Gebeine befinden. „Während dieser Tour habe ich viel über und vom Heiligen Norbert gehört, gelernt und gesehen. Efeuzweige des Norbertsteines habe ich jeweils dort bei den Prämonstratensern übergeben. In Prag war ich auch direkt ins Kloster Strahov eingeladen“, berichtet Pag. Nun, nach rund 30 Wandertagen und einigen Pausentagen in eben Magdeburg und Prag, überquert Rainer Pag am Samstag (17.8.) die Grenze zu Österreich – „kommenden Freitag möchte ich Wien erreichen“, blickt der Küster voraus.

Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

Während seiner Reise übergibt Rainer Pag (l.) Efeuzweige des Norbertsteines. Einen davon überreichte er Pater Damian im Kloster Strahov in Prag am Sarg des Heiligen Norbert. © privat

Wenn alles nach Plan läuft – denn „alles kann man nicht planen“, weiß Pag bereits jetzt. So gibt der Routenplaner Komoot auch Wege vor, „die eigentlich keine sind“: „Ich hab schon in Maisfeldern gestanden und war komplett gelb. Oder ich habe mir die Beine in Wäldern zerkratzt.“ Alles, weil er sich angesichts der nicht immer validen Angaben auch mal mit Hilfe des Kompasses „durchschlagen“ muss.

Doch auch dafür hatte er trainiert und sich darauf vorbereitet. Unterkünfte hat er bisher immer gefunden – fast immer. „Am Mittwoch war ich sehr spät und da war in dem tschechischen Dorf nichts mehr zu finden. Da habe ich mich in einem Rohbau zur Ruhe gelegt.“ Und wenig geschlafen, was ihm auch am Freitag noch in den Knochen steckte.

Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

Pause bei Müslischnitte und alkoholfreiem Bier: In Sachen Verpflegung und Unterkunft lief bisher vieles nach Plan. Aber jeder Tag bringt neue Überraschungen. © privat

Er spürt aber auch die enorme Hilfsbereitschaft der Menschen. „Am Donnerstag war im nächsten Dorf alles belegt, da hab ich von einem Apotheker erfahren, der für eine Pension zuständig ist. Als dort auch nichts zu machen war, hat er mich in einem Pfadfinderheim untergebracht. Seine Tochter übersetzte – und wohnte zufällig in der Nähe. Dort konnte ich mich verpflegen und vor allem auch duschen. Eigentlich bin ich eher zurückhaltend, doch diese Angebote muss man dann auch dankend annehmen. Und ich hab Geld gespart“, lacht Rainer Pag.

Indischer Pater auf dem Weg nach Zwillbock

Eine von vielen spannenden Begegnungen. Diese sollten seinen Pilgerweg auch prägen – auch wenn er „überraschend wenig“ Wanderer und Pilger bisher getroffen hat. Der Bischof in Oradea hatte ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass der Vredener auch unterwegs sei „im Rahmen des Zusammenlebens und -wachsens in Europa“. „Da bin ich gleich einen halben Meter größer geworden“, sagt Pag. In der ersten Phase war der Küster übrigens überwiegend in protestantisch geprägten Gebieten unterwegs gewesen.

Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

Die Pilgerreise führte Rainer Pag bisher auch zum Dom von Magdeburg. © privat

„Ich hab ja vorab gesagt, dass ich eine ökumenische Pilgertour unternehme“, weiß Rainer Pag in diesem Atemzug von einer kuriosen Begegnung zu berichten. Er war zu Gast bei einem indischen Pater, Ruban Pinheiro, der am nächsten Tag ausgerechnet nach Zwillbrock musste. „So klein ist die Welt“, lacht Rainer Pag.

Schon viele Geschichten mitgenommen

Er lernte aber auch viele Gegensätze kennen – so im Osten Deutschlands zerfallene Kasernen neben hochmodernen Landmaschinen, in Tschechien teils sehr trübe Verhältnisse, viel Müll. Negative Erfahrungen hat er bisher kaum welche gemacht – mit Ausnahme von Autofahrern in Tschechien. „Dort stehen sehr viele Kreuze am Wegesrand.“ Auch hat er von einer Mutter erfahren, deren Tochter nach einem Streit auf der Straße überfahren wurde. „Sie konnte sich nicht mehr mit ihr versöhnen.“ Geschichten, die Rainer Pag bewegen und die er mitnimmt. Alles ohne Vorurteile.

Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

Unterwegs schließen sich Rainer Pag (l.) immer wieder Gleichgesinnte und Freunde an, die eine Wegstrecke mitwandern. © privat

Das Feedback ist enorm – auch wenn „ich nicht immer online bin und sein kann“, so Pag. Aus der Heimat und von Freunden gibt es viel Zuspruch. Unterwegs findet er hin und wieder Wegbegleiter. Auch Lokalreporter sind auf ihn aufmerksam geworden. „Wackerer Küster läuft nach Rumänien“ stand dann in der Lokalzeitung in Barby. Verfolgen können Interessierte seinen Blog auf Facebook.

Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

Besondere Momente lieferte die Goldene Stadt Prag. © privat

Enorm ist auch die Resonanz auf seine Spendenaktion: Rainer Pag sammelt mit seinem Freundschaftsweg Geld für das Caritasbüro der Gemeinde St. Ladislaus Oradea und ein Kinderhilfsprojekt in einem Vorort. „Ich denke, wir gehen nun schon Richtung 11.000 Euro, 8000 hatte ich schon vorab gesammelt. Einfach klasse.“ Da gibt es den Hotelier, der statt 35 nur 20 Euro nimmt, oder einen potenziellen Mitwanderer, dem etwas dazwischen kam und der nun für jeden nicht gewanderten Kilometer einen Obolus spendet. Auch Vereine und Verbände wie die Kolpingsfamilie spendeten für das Projekt.

Starkes Feedback und enorme Spendenbereitschaft

Nun geht es in den kommenden Tagen auf österreichischer Seite weiter. Jetzt ist die Vorfreude auch groß, dass ihn immer wieder Wanderkollegen auf Teilstücken begleiten werden. Die letzten 150 Kilometer läuft Rainer Pag gemeinsam mit einigen Studenten aus Oradea auf dem eigentlichen Pilgerweg. Und dass dieser entsprechend ausgebaut sein wird, darauf verlässt er sich. „Da werde ich dann auch auf Zelt und Luftmatratze verzichten, das spart noch einmal 1,7 Kilo.“

Rainer Pag feiert Bergfest auf dem Freundschaftsweg nach Rumänien: "Die Füße tragen noch"

Die Etappenziele werden natürlich dokumentiert. © privat

Denn die Anstrengungen hatten Pag schon ein wenig überrascht: „Die Füße tragen und ertragen mich noch. Gerade in den ersten Tagen hatte ich doch nie geahnte Probleme. Das Gewicht des Rucksackes ist einfach zu viel gewesen.“ Er habe ein klein wenig „abgespeckt“, viel ging nicht. Die Aussichten würden ihn allerdings weiter beflügeln. Denn „ab sofort wird heruntergezählt“. Und zurück geht es dann mit den Gästen aus Vreden, die in Oradea Anfang Oktober erwartet werden. Mit dem Flieger.

  • Rainer Pag sammelt mit seinem „Freundschaftsweg“ weiter Spenden.
  • Der Erlös geht an das Caritasbüro der Gemeinde St. Ladislaus Oradea und ein Kinderhilfsprojekt in einem Vorort.
  • Wer noch spenden möchte, kann sich im Pfarrbüro melden oder eine Karte ausfüllen, die in den Kirchen, bei Sport Niehues, in der Bäckerei Geelink oder bei Gescher ausliegen.
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