Opel-Oldtimer-Sammlung verlässt Vreden: Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

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Gerne hätte Sammler Martin Degener auch in seiner Heimatstadt die Opel-Oldtimer seiner Familie in einem Museum gezeigt. Er war lange auf der Suche. Jetzt ziehen die Oldtimer weg. Die Gründe.

Vreden

, 27.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Die Opel-Oldtimer stehen dicht an dicht gereiht in den Hallen im Vredener Industriegebiet. Seit 40 Jahren haben Martin Degener und sein Bruder Josef gesammelt. Ungezählte Fahrzeuge von den 40er- bis zu den 80er-Baujahren. Bald nehmen die Oldtimer Abschied von Degeners Heimatstadt Vreden: Die Familie hat sich dazu entschieden, in der Eifel, auf Burg Vogelsang, ein Opel-Museum zu gründen. Warum?

Opel-Oldtimer-Sammlung verlässt Vreden: Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

Kreatives Chaos würden Nicht-Eingeweihte vielleicht zu dem Büroraum vor der Oldtimer-Werkstatt sagen. © Markus Gehring

Martin Degener sitzt an diesem Dienstag am Schreibtisch des kreativ-chaotischen Büros an der Oldtimer-Werkstatt an der Otto-Hahn-Straße und holt tief Luft. „Ich habe viele Möglichkeiten sondiert, um in Vreden ein Museum zu bekommen“, erzählt er der Redaktion. „Relativ wenig Hilfe“ habe er dabei von offizieller Stelle gehabt, so Degener, „aber da habe ich ja auch kein Recht drauf“, schränkt er ein und will das Kapitel damit beendet wissen. Letztlich, sagt er, hätten ihn seine privaten, fast zehn Jahre lang dauernden Bemühungen nicht zum Ziel geführt. Gern, so ist ihm anzumerken, lässt er die von ihm aufgebaute Sammlung nicht ziehen. Aber: „Vogelsang hat 300.000 Besucher im Jahr“ nennt er ein Argument für den Standort für das Museum in der drei Autostunden entfernten Nordeifel.

Opel-Sammlung verlässt Vreden

Die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang, mittlerweile ein „Internationaler Platz“ und historische Fortbildungsstätte, steht unter Denkmalschutz, mit ihr der ehemalige Fahrzeughof. Dort entstand schon vor Jahren die Idee, diesen für ein Oldtimer-Museum zu nutzen. Einer der Verantwortlichen des Trägervereins wurde auf die Degener-Sammlung aufmerksam, nahm an einer Führung in Vreden teil und sprach Martin Degener danach an. Das war vor ungefähr einem Jahr, erinnert sich der Sammler.

Obwohl die Autos jetzt in Vreden als Sammlung und eindeutig nicht als Museum präsentiert werden, ist das Interesse gerade in den vergangenen fünf, sechs Jahren groß geworden. „Die Samstage und Sonntage sind ausgebucht. Ich habe kein freies Wochenende mehr“, erzählt Martin Degener. Die Interessierten kommen dann busseweise, aus der Schweiz, aus Österreich, aus ganz Europa nach Vreden.

Opel-Oldtimer-Sammlung verlässt Vreden: Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

Auch der alte Kundendienstwagen des Unternehmens Degener hat seinen Platz in der Sammlung. © Markus Gehring

Der 70-Jährige ist der Praktiker mit höchstem Fachwissen – „ich habe alle Ersatzteile im Kopf“ – sein Bruder ist der Archivar. 2,5 Stunden dauert die Führung, in einem Vortrag in der Werkstatt wird die Familienunternehmensgeschichte erzählt, wie restauriert wird, wie die Teile besorgt werden. „Das wird es nur noch bis Herbst geben, dann ziehen die ersten Autos um“, sagt Martin Degener.

Wieder zurück zur Entscheidungsphase. Als der Vorschlag auf dem Tisch lag, überlegte die Familie. Die Oldtimer-Sammlung ist schon vor Jahren an Martin Degeners Kinder Moritz Degener und Francis Kirschner übergeben worden. Nach wie vor aber gilt: Es ist eine private Sammlung. „Wir verkaufen nichts, keine Schraube, kein Auto.“ Da sind sich alle einig.

Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

„Da steckt soviel Herzblut in der Sammlung“, betont auch Moritz Degener. Er habe ein Faible für alte Autos und erst recht natürlich für die Familiensammlung. Nun habe sich die gute Chance ergeben, die Sammlung generationenübergreifend zu erhalten. „Und das mit einer Eigentragfähigkeit in einem historischen Gebäude mit funktionierendem Besucherstrom“, zählt er die Argumente für Burg Vogelsang auf. Die Familie setzt dort auf den kostendeckenden Betrieb des Opel-Museums.

Familie Degener hat sich das gut überlegt. Das Gebäude stand zum Kauf, die Bundesanstalt für Immobilien (Bima) hat es „für einen eher symbolischen Preis verkauft“, sagt Moritz Degener, ohne eine Zahl zu nennen. Der 40-Jährige, der als Jurist in Köln lebt, kannte aus seiner Studentzenzeit schon die Burg Vogelsang. Nun gehört ein kleiner Teil davon der Familie. Hunderttausende Euro müssten schon in die Gebäude investiert werden, schätzt er. In kleinen Schritten und ohne öffentliche Mittel habe die Familie das vor.

Die Konzeption sei der Bima sehr wichtig gewesen. Moritz Degener verrät, was die Familie plant: In dem Innenhof des Gebäuderiegels darf trotz Denkmalschutzauflagen ein Eingang in die Kellergeschosse gebaut werden. An Ausstellungsfläche für die Oldtimer gewinne man so rund 4500 Quadratmeter. Aber: „Das wird keine blankpolierte Schau“, macht Moritz Degener neugierig.

Opel-Oldtimer-Sammlung verlässt Vreden: Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

Auf diesem Fotoausdruck ist der Autohof der Burg Vogelsang aus der Vogelperspektive zu sehen, in dem das Opel-Museum mit der Sammlung Degener ziehen soll. © Markus Gehring

Martin Degener erklärt, wie der Gedanke der Nachhaltigkeit im Opel-Museum an diesem besonderen Ort Niederschlag finden soll: Zwar werden auch alle fertigen und guten Autos von Vreden nach Vogelsang zum Anschauen gebracht. Aber: Autos einer Serie sollen „in ihren verschiedenen Aggregatzuständen“ gezeigt werden, nennt Martin Degener es. Vielleicht ein Opel Kapitän: So hat er erst ausgesehen ganz neu, dann nach 15 Jahren, dann nach einer 20-jährigen Einlagerung, dann, wie es gesandstrahlt und geschweißt und zusammengesetzt wird... Es soll eine Schauwerkstatt sein, aber gearbeitet wird natürlich nicht vor Ort.

Opel-Blitz war ein wichtiges Kriegsfahrzeug

Bei dem historischen Ort, an dem die Oldtimer ausgestellt werden, stellt sich natürlich auch die Frage nach der Opel-Vergangenheit. Martin Degener erzählt: 1929 kaufte General Motors aus den USA das deutsche Unternehmen zu 80 Prozent, 1931 dann vollständig. Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 erwog laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia General Motors keinen Rückzug aus Deutschland. Stattdessen wurden Schlüsselpositionen mit Nationalsozialisten besetzt. Kurz gefasst musste Opel 1940 auf Anordnung der Reichsregierung die Produktion ziviler Pkw völlig einstellen. Während des Zweiten Weltkrieges stellte das Unternehmen mit dem Drei-Tonnen-Lkw Typ Blitz „S“ (Standard) den wichtigsten Lastwagen der Wehrmacht her.

Archivar Josef Degener arbeitet an Infotafeln für die Ausstellungsstücke – und daran, das profanierte Kirchlein auf dem Gelände als Bibliothek zu füllen mit seinen grob geschätzt rund 10.000 Fachbüchern. Der weitere Plan: einen Partner für die Gastronomie finden. Den Zeitrahmen bis zur Eröffnung des Opel-Museums mag Moritz Degener gar nicht so eng ziehen: anderthalb bis zwei Jahre.

Opel-Oldtimer-Sammlung verlässt Vreden: Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

Das "Außenlager" der Opelsammlung wird zum Teil weiter in Vreden bleiben. © Markus Gehring

Wenn alle Formalitäten erledigt sind, sollen im September, Oktober schon Autos rübergehen und die Arbeiten beginnen. Martin Degener schätzt, dass er dann erst mal acht Wochen vor Ort sein muss. „Zehn Jahre früher wäre mir lieber gewesen“, macht er keinen Hehl daraus, dass das für ihn anstrengend werden kann. Seine Kinder sind ihm natürlich dankbar für den Einsatz.

Das Interesse an Opel-Oldtimern erklärt sich Martin Degener an die vielen Kindheitserinnerungen, die die Leute heutzutage haben. Der Opel war in Deutschland einfach weit verbreitet. „Die Opel-Szene ist groß“ sagt Martin Degener, allein ein Deutschland gebe es einen harten Kern von rund 6000 Fans, weiß er. Wie groß ist seine Sammlung? Eine Zahl gibt es nicht als Antwort. „Entscheidend ist die Freude, die alle an Oldtimern haben. Das kann man nicht in Stückzahlen fassen.“

Autohaus Degener bleibt – für die Sammlung nur die Werkstatt

Aber ganz geht Opel Degener natürlich nicht aus Vreden weg: „Das Autohaus Degener an der Alstätter Straße mit Werkstatt und Service bleibt natürlich“, betont Martin Degener. Als Nachfolger der Schmiede, die Anton Degener 1930 von Heinrich Degener übernahm, in einen Reparaturbetrieb für Kraftfahrzeuge und Elektrotechnik umbaute und damit den Grundstein für Opel Degener legte. Ab 1947 wurden dann bei Degener Opel-Lkw und Pkw verkauft.

Auch die Oldtimer-Werkstatt an der Otto-Hahn-Straße mitsamt dem „Außenlager“ wird bleiben.

Opel-Oldtimer-Sammlung verlässt Vreden: Familie Degener macht in der Eifel ein Museum auf

Das "Außenlager" der Opelsammlung wird zum Teil weiter in Vreden bleiben. © Markus Gehring

Vogelsang Internationaler Platz

  • Die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang ist nicht nur eines der größten Bauwerke des Nationalsozialismus, sondern auch Ausdruck seiner Überheblichkeit und Menschenverachtung.
  • Durch die militärische Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg als „Camp Vogelsang“ spiegelt der Ort zudem den Weg vom „Kalten Krieg“ zum Europa von heute wider.
  • Seit 2006 entwickelt sich hier ein neuer Ort: Vogelsang IP als „Internationaler Platz“ für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Die Erfahrungen aus der Geschichte werden als Verpflichtung und Chance gleichermaßen gesehen. Wertschätzung, Dialog und Offenheit sind Haltungen, denen alle Einrichtungen am Standort verbunden sind.
  • Es gibt offene Führungen und Fortbildungsangebote. Die Bildungsangebote der Akademie Vogelsang IP eröffnen Diskurse über Geschichte, Gegenwart und Zukunft.
  • Partner vor Ort ist unter anderem das Rote Kreuz, es hat dort ein Museum Humanitarium, sowie Friedenspad und Fluchthaus. Auch ist eine Astronomiewerkstatt auf dem Gelände.
  • Quelle: Internetseite Vogelsang Internationaler Platz
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