Norman Sladeczek, Thomas Spieß und Markus Hörbelt im Schieberraum des neuen Trinkwasserspeichers in Hundewick. © Stefan Grothues
Trinkwasser

Neuer Wasserspeicher wappnet Stadtlohn besser gegen Dürresommer

Die Trinkwasserknappheit in Stadtlohn entspannt sich. Nicht nur weil es regnet. Auch für Dürresommer ist das Wasserwerk mit dem neuen Trinkwasserspeicher besser gewappnet. Das hat seinen Preis.

Den Schatz hütet Wassermeister Markus Hörbelt wie seinen Augapfel: Nur kurz darf der Reporter einen Blick durch die kleine Luke auf den Stadtlohner Trinkwasservorrat werfen. Seinen Kugelschreiber muss er vorher einstecken. Und das hat einen guten Grund.

Würde der Kugelschreiber oder ein anderer Gegenstand ins Wasser plumpsen, so wären 1,5 Millionen Liter Trinkwasser verdorben. „Wir müssten das Wasser ablassen und den Behälter reinigen. So sind die Vorschriften“, erklärt Markus Hörbelt.

Neuer Speicher fasst drei Millionen Liter Trinkwasser

1,5 Millionen Liter Trinkwasser, so viel fasst jede der beiden Kammern im neuen Trinkwasserbehälter der SVS-Versorgungsbetriebe am Wasserwerk in Hundewick. Vor drei Jahren haben die Planungen begonnen, vor anderthalb Jahren begann die Bauzeit.

Am Dienstag haben SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß, Norman Sladeczek, der Technische Leiter für Gas und Wasser, sowie Wassermeister Markus Hörbelt ein rundum positives Fazit gezogen. Der Bauzeitplan wurde eingehalten, ebenso der Kostenrahmen.

Ein Blick auf 1,5 Millionen Liter Trinkwasser – so viel fasst die eine Hälfte des neuen Trinkwasserspeichers.
Ein Blick auf 1,5 Millionen Liter Trinkwasser – so viel fasst die eine Hälfte des neuen Trinkwasserspeichers. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der Blick ins Trinkwasserreservoir gibt nicht viel preis. Im Schein von Markus Hörbelts Taschenlampe ist der grünschimmernde Wasserspiegel zu erahnen, die Betonwände, ein Überlauf. Die beeindruckenden Ausmaße des Speichers aber bleiben im Dunklen: Der Rundbehälter ist 28 Meter tief, der Durchmesser 28,5 Meter. Das Fassungsvermögen von 3500 Kubikmeter entspricht dem des benachbarten Trinkwasserbehälters aus dem Jahr 1971.

Neue Behälter kostet rund zwei Millionen Euro

Beeindruckend ist auch der Preis des neuen Trinkwasserbehälters. Mehr als zwei Millionen Euro kostet er die SVS-Versorgungsbetriebe – und am Ende wohl auch die Wasserkunden der SVS. Die Inbetriebnahme erfolgte vor zwei Wochen nach aufwendigen bakteriologischen Prüfungen und einer Freigabe durch Bezirksregierung und Gesundheitsamt.

Der neue Trinkwasserspeicher in Hundewick. Links ist der alte Speicher zu sehen, der genauso wie der neue Speicher 3000 Kubikmeter Wasser fasst.
Der neue Trinkwasserspeicher in Hundewick. Links ist der alte Speicher zu sehen, der genauso wie der neue Speicher 3000 Kubikmeter Wasser fasst. © SVS © SVS

„Noch spannender als die Inbetriebnahme war für uns die technische Anbindung des neuen Speichers an das bestehende Netz im Januar. Das war eine Operation am offenen Herzen der Wasserversorgung ohne zweite Chance“, sagt Norman Sladeczek. Probleme bei dem nächtlichen Eingriff hätten dazu führen können, dass morgens in den Stadtlohner Haushalten die Duschen versiegt wären. Sladeczek: „Das Stadtlohner Unternehmen Heitkamp & Hülscher hat aber alles bestens im Griff gehabt.“

„Operation am offenen Herzen“ der Stadtlohner Wasserversorgung. Im Januar wurde der neue Trinkwasserspeicher technisch an das bestehende Wassernetz angebunden. „Das war ein kritischer Moment“, sagt Norman Sladeczek. © SVS © SVS

Dass die Millionen-Investition notwendig war, ist indes unbestritten. In den heißen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre geriet die Trinkwasserversorgung in Stadtlohn, Südlohn und Vreden mehrfach an ihre Grenzen. „Der normale Tagesverbrauch liegt im Sommer bei rund 7500 Kubikmetern. Wenn aber die Rasenspreng-Saison beginnt, haben wir Spitzenwerte von bis zu 13.000 Kubikmeter zu verkraften“, sagt SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß.

Speicher ist nur eine von mehreren Maßnahmen

Mehrfach reduzierten die SVS an Sommerabenden den Druck im Wasserleitungsnetz, um den Verbrauch zu drosseln. Spieß: „Unsere wichtigste Aufgabe ist ja, Trinkwasser und Löschwasser bereitzustellen. Das Rasensprengen und die Poolbefüllung sind da zweitrangig.“ Markus Hörbelt ergänzt: „Der Grundwasserspiegel ist immer noch niedriger, als er sein sollte.“

Bitte nicht öffnen: Wassermeister Markus Hörbelt an der Drucktür, hinter der 1,5 Millionen Liter Trinkwasser für Stadtlohn gespeichert werden.
Bitte nicht öffnen: Wassermeister Markus Hörbelt an der Drucktür, hinter der 1,5 Millionen Liter Trinkwasser für Stadtlohn gespeichert werden. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Der neue Speicher allein reicht nicht aus, das Versorgungsproblem an Spitzenverbrauchstagen zu lösen. Der derzeitige Bau der neuen Wasserleitung von Borken nach Stadtlohn gehört auch zur Lösungsstrategie. Außerdem beginnen jetzt Erkundungen für die Bohrung eines neuen, siebten Brunnens in Hundewick, der noch in diesem Jahr gebohrt werden soll. Weitere Schritte sind in Planung. Markus Hörbelt sagt aber jetzt schon: „Dürresommer werden uns als Wasserversorger nicht mehr die großen Sorgen bereiten, die wir vor zwei Jahren hatten.“

„Wir haben einiges auf die Beine gestellt“, sagt Thomas Spieß. Sechs bis sieben Millionen Euro seien in die Versorgungssicherheit investiert worden. „Diese Kosten werden sich irgendwann auch im Wasserpreis niederschlagen müssen“, so der SVS-Geschäftsführer. Mit dem seit dem 1. Januar geltenden Preis von brutto 1,39 Euro pro Kubikmeter (vorher 1,11 Euro) böten die SVS im Vergleich zu den Versorgern in der Nachbarschaft einen sehr günstigen Preis. Ob und wann es zu neuen Preiserhöhungen kommen werde, stehe aber noch nicht fest, so Thomas Spieß.

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Stefan Grothues

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