Viele Anwohner der Overbergstraße und Beatrixstraße ärgern sich über das hohe Verkehrsaufkommen. Auf die Verkehrsschilder, wie hier an der Berkelbrücke, nehme kaum jemand Rücksicht. © Johannes Schmittmann
Verkehr in Vreden

Nachbarschaft Overbergstraße ärgert sich über hohe Verkehrsbelastung

Lkw und Firmen-Bullis nutzen den inneren Ring als Abkürzung und um Ampeln zu umfahren. Das behauptet die Vredener Nachbarschaft Overbergstraße. Sie beklagen eine verminderte Wohnqualität.

Für Heinz Wilmes ist es mittlerweile schon ein Dauerthema. Dem Anwohner der Overbergstraße ist die Verkehrsbelastung auf dem Vredener „Innenstadtring“ seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Doch noch nie sei es so extrem gewesen wie aktuell. „Mein subjektiver Eindruck – der mir von vielen bestätigt wird – ist, dass die Overbergstraße und die Beatrixstraße mittlerweile die am meisten befahrenen Straßen in Vreden sind“, sagt Wilmes.

Mit seinem Anliegen, an diesen Stellen den Verkehr zu beruhigen, ist er nicht allein. In der gesamten Nachbarschaft formiert sich Widerstand. Christoph Brüning wohnt zwei Häuser neben Heinz Wilmes. Der Vredener Unternehmer zieht die Stirn in Falten, wenn er über das Thema spricht. „Seit 20 Jahre beobachte ich die Situation und habe die Problematik den Mitarbeitern der Stadt immer wieder geschildert. Bis heute hat sich nichts getan – im Gegenteil“, sagt er.

Autofahrer nutzen lieber Ausweichstrecke

Doch worum geht es den Anwohnern konkret? „Die B70, also der äußere Ring, wird von Autofahrern aufgrund der vielen Ampeln in Richtung Industriegebiet gemieden. Um Zeit zu sparen, nutzen sie lieber die Ausweichstrecke durch die Stadt“, berichtet Heinz Wilmes. Mit der Inbetriebnahme der Ampelanlage an der Baumwoll- und Ringstraße Mitte 2019 habe sich die Situation noch einmal weiter verschärft.

Christoph Brüning (l.) und Heinz Wilmes führen den Protest an.
Christoph Brüning (l.) und Heinz Wilmes führen den Protest an. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Doch es ist nicht nur die Masse der Fahrzeuge, die die Nachbarschaft stört. Es ist vor allem die Art. „Traktoren, Lkw, große Transporter samt Anhänger: Täglich zähle ich Dutzende davon“, sagt Christoph Brüning. Dabei dürfte ein Großteil die Overbergstraße gar nicht befahren. Sowohl an der Berkelbrücke als auch am Kreisverkehr Ostendarperstraße / Beatrixstraße stehen Schilder, die die Durchfahrt für alle Fahrzeuge verbieten, deren zulässige Gesamtmasse 3,5 Tonnen überschreitet.

Laut Wilmes und Brüning schert sich um dieses Verbot aber kaum jemand. „Vor allem in den frühen Morgenstunden und zur Mittagszeit nimmt es extreme Formen an. Man muss es leider so sagen: Es sind vor allem die großen Fahrzeuge von Vredener Unternehmen“, sagt Christoph Brüning. Kontrollen gebe es so gut wie keine.

Vorwürfe gegen den städtischen Bauhof

Als „Spitze des Eisbergs“ bezeichnet er den von ihm beschriebenen Umstand, dass auch der städtische Bauhof es mit der Straßenverkehrsordnung offenbar nicht so genau nimmt. „Es ist erst wenige Tage her, dass mehrere Kolonnen mit Traktoren und schweren Arbeitsmaschinen die Overbergstraße befuhren.“

Mittlerweile ist Brüning dazu übergangenen, regelmäßig Anzeigen zu schreiben. Auch wenn er weiß, dass das die Fronten weiter verhärtet. „Ich habe den Dialog gesucht, aber geerntet habe ich nur Hohn und Spott“, sagt er. Heinz Wilmes erklärt, was für die Anwohner das Problem ist: „Die Straßen wurden damals für eine Belastung mit 2000 bis 2500 Fahrzeugen pro Tag gebaut. Heute sind es laut Verwaltung 4000 bis 4500. Zum einen verschleißen die Straßen deutlich schneller, zum anderen nimmt die Lärmbelästigung immer weiter zu“, so Wilmes.

Christoph Brüning sorgt sich auch um die Kinder der Nachbarschaft. „Es wird hier geheizt ohne Ende. Mit Blick auf Jugendcampus, Kindergarten und St.-Felicitas-Schule muss hier schleunigst etwas passieren.“ Daher regt die Nachbarschaft an, auf der Overbergstraße und Beatrixstraße Tempo-30 einzuführen. Diese Maßnahme könnte auf zwei Weisen helfen, die Situation zu entspannen. „Zum einen wäre der Lärm geringer, zum anderen würden die Straßen ihre Attraktivität als Ausweichstrecke verlieren“, sagt Heinz Wilmes.

Verwaltung ist über Problem informiert

In den vergangenen Wochen haben er und Christoph Brüning Unterschriften gesammelt. Insgesamt 50 sind zusammengekommen. Nun haben sie sich mit einem Schreiben an Bürgermeister Tom Tenostendarp gewandt. Darin schildern sie ausführlich die Problematik. Für die Vredener Politik ist das Thema allerdings nicht neu. Schon im Oktober 2019 stand es im Rat auf der Tagesordnung. Als „weitgehend ergebnislos“ bezeichnet Wilmes die damalige Diskussion. Das Meiste sei im Sande verlaufen. Nun hoffen er und seine Mitstreiter auf einen weiteren Anlauf. „Es muss sich etwas ändern, und zwar schnell“, sagt Christoph Brüning.

Auch die Situation am Kreisverkehr Beatrixstraße / Overbergstraße / Ostendarperstraße ist der Nachbarschaft ein Dorn im Auge. Viel zu hoch sei die Geschwindigkeit, mit der die Autofahrer die Engstelle passieren.
Auch die Situation am Kreisverkehr Beatrixstraße / Overbergstraße / Ostendarperstraße ist der Nachbarschaft ein Dorn im Auge. Viel zu hoch sei die Geschwindigkeit, mit der die Autofahrer die Engstelle passieren. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Im Rathaus ist der Prozess auf jeden Fall schon in Gang gesetzt worden. Tom Tenostendarp erklärt im Gespräch mit der Redaktion: „Die entsprechenden Fachabteilungen beschäftigen sich derzeit mit dem Thema. Wir stehen auch mit dem Kreis Borken im Kontakt.“ Auch ein Telefonat mit Heinz Wilmes und Christoph Brüning hat er bereits geführt. „Wir nehmen solche Hinweise natürlich sehr ernst und prüfen genau, was wir machen können“, so Tenostendarp.

Als erster Schritt wurden Schilder entfernt, die Ausnahmen von der 3,5-Tonnen-Regelung gewährten. Auch das Thema „Tempo 30“ beschäftigt die Verwaltung. „Laut Straßenverkehrsordnung braucht es dafür aber bestimmte Voraussetzungen, zum Beispiel eine Schule. Da der Eingang der St.-Felicitas-Schule aber nicht an der Overbergstraße liegt, fällt diese Option weg“, erklärt der Bürgermeister. Ganz begraben möchte er die Hoffnung der Anwohner aber noch nicht. „Vielleicht gibt es andere kreative Möglichkeiten. Wir klopfen alles ab.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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