Nach Coronafällen: Vredener Krankenhaus geht wieder in den Normalbetrieb

Krankenhaus Vreden

Bei 23 Patienten und Mitarbeitern des Vredener Krankenhaus wurde im Oktober Corona nachgewiesen. Wie genau das Virus eingetragen wurde, ist ungeklärt. Die Chefärztin rät zur Wachsamkeit

Vreden

, 10.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Im St.-Marien-Hospital war bei 13 Patienten und Mitarbeitern im Oktober das Coronavirus nachgewiesen worden. Nun geht das Krankenhaus langsam wieder in den Normalbetrieb.

Im St.-Marien-Hospital war bei 13 Patienten und Mitarbeitern im Oktober das Coronavirus nachgewiesen worden. Nun geht das Krankenhaus langsam wieder in den Normalbetrieb. © Markus Gehring

Nach den im Oktober bei neun Patienten und vier Mitarbeitern festgestellten Infektionen mit dem Coronavirus kehrt das St. Marien-Hospital wieder schrittweise in den „Normalbetrieb“ zurück. Chefärztin Dr. Christiane Bäcker berichtet in einer Mitteilung des Klinikums über die aktuelle Situation im Vredener Krankenhaus und ihre Erfahrungen, mit welchen Maßnahmen die weitere Ausbreitung des Virus im Vredener Krankenhaus gestoppt werden konnte.

Jetzt lesen

Aktuell gibt es keine weiteren Corona-Fälle mehr im Vredener Krankenhaus, weder bei Patienten noch bei Mitarbeitern. „Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich vorsorglich in Quarantäne begeben mussten, sind größtenteils wieder im Dienst, so dass wir schrittweise wieder in den normalen Krankenhausbetrieb übergehen können“, beschreibt Christiane Bäcker die Situation. Alle Stationen sind offen.

Sprunghafte Weiterverbreitung des Virus‘ konnte verhindert werden

Lediglich in der Geriatrie nehme das Krankenhaus aus reinen Gründen der Vorsicht aktuell etwas langsamer auf, sagte Klinikum-Sprecher Tobias Rodig auf Anfrage der Redaktion.

Im Rückblick konnte eine sprunghafte Weiterverbreitung des Coronavirus unter Patienten und Personal des Krankenhauses verhindert werden. Das habe mehrere Gründe, so die Chefärztin: Entdeckt worden sei die Infektion durch einen Routinetest, den es zu Beginn der Pandemie nicht gegeben hätte: „Das war schon mal ein wichtiger Aspekt, um die Situation in den Griff zu bekommen.“

Jetzt lesen

Die Infektionen hätten sich insgesamt dann doch sehr auf eine Patienten- und Mitarbeitergruppe konzentriert. Die Isolierung von Patienten, das „Leerlaufen-Lassen“ einer Station, die großflächigen Testungen sowie Quarantänemaßnahmen hätten als Maßnahmen gewirkt.

Auch wenn es sich wahrscheinlich nicht genau klären lasse, sei davon auszugehen, dass die Infektion durch einen Patienten oder einen Besucher in das Krankenhaus eingetragen worden ist. „Das sind genau die Situationen, die wir durch unsere hohen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen vermeiden möchten.

„Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nicht.“ Chefärztin Dr. Christiane Bäcker

Klar ist aber auch, dass überall dort, wo Menschen eng zusammentreffen, eine Übertragung trotz Einhalten aller uns möglichen Hygienemaßnahmen niemals ganz ausgeschlossen werden kann“, betont Christiane Bäcker. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nicht“, macht die Chefärztin deutlich.

Konsequentes Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes und das momentane Besuchsverbot würden helfen, das Risiko eines unentdeckten Eintrags oder die Weiterverbreitung zu minimieren. Regelmäßiges Screening der Patienten – diese werden vom Personal genau auf etwaige Symptome hin beobachtet – und großflächige Tests zum Beispiel bei der Aufnahme oder dem Wechsel in andere Einrichtungen ebenso.

Selbst ein negativ ausgefallener Test ist keine Garantie

Eines hätten die Reihentestungen der Kontaktpersonen (alle drei Tage) nach dem Coronafall im Marienhospital gezeigt, sagt Christiane Bäcker: Das Virus sei tückisch. „Selbst ein negativer Test ist keine Garantie dafür, dass die getestete Person nicht vielleicht doch Träger des Virus ist und zu einem späteren Zeitpunkt positiv wird.

Christiane Bäcker, Chefärztin im Vredener Krankenhaus, warnt, den Coronavirus nicht zu unterschätzen: "Wir müssen weiter wachsam sein und sind auch auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen".

Christiane Bäcker, Chefärztin im Vredener Krankenhaus, warnt, den Coronavirus nicht zu unterschätzen: "Wir müssen weiter wachsam sein und sind auch auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen". © Klinikum Westmünsterland

Der Vorfall zeige den Verantwortlichen im Klinikum vor allem eins: „Wir müssen weiter wachsam sein und sind auch auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen“, betont die Chefärztin. Jetzt sei nicht die Zeit, arglos im Umgang mit den leider notwendigen Maßnahmen zu sein. Aber es habe sich auch gezeigt, dass die Maßnahmen gegriffen haben. „Uns ist es wichtig, dass die Patienten die Gewissheit haben, dass ihre Behandlung mit der größtmöglichen Sicherheit stattfindet.“

Was das Personal angeht, gebe es aktuell keine Versorgungsengpässe im St.-Marien-Hospital. Die Situation sei schon sehr dynamisch und es habe ja nun festgestellt werden müssen, dass sich trotz aller Sicherheitsmaßnahmen und persönlicher Achtsamkeit auch Krankenhaus-Mitarbeiter mit dem Virus infizieren können.

Jetzt lesen

„Auch im Vorfeld haben wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der örtlichen Behörden getestet“, hebt die Chefärztin noch einmal hervor. Größere Ausfälle im Personal kann sich kein Krankenhaus leisten, deswegen bleibe es weiter wichtig, dass der Eintrag von möglicherweise unentdeckten Infektionen in die Mitarbeiterschaft unbedingt vermieden werden.

Mit etwas Sorge beobachtet Christiane Bäcker die Entwicklung, dass Patienten mit Blick auf die eine Ansteckungsgefahr aktuell nicht ins Krankenhaus kommen möchten. Sie macht deutlich: „Gerade bei den älteren, oft mehrfach erkrankten Menschen ist das Risiko, schwer krank zu werden, größer, wenn man den Weg ins Krankenhaus oder zum Arzt scheut, als sich mit dem Coronavirus zu infizieren.“

„Krankenhäuser und auch Arztpraxen sind sichere Orte“

Die Chefärztin hofft aber, dass das Vredener Krankenhaus in der Außenwahrnehmung zugute gekommen ist, dass es transparent und ehrlich mit der Infektionssituation umgegangen ist: „Dadurch haben wir vielleicht auch das notwendige Vertrauen wiedergewonnen, dass sich die Patienten bei uns sicher fühlen können – denn aus meiner Sicht gilt auch weiterhin, dass die Krankenhäuser und auch die Arztpraxen sichere Orte sind.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt