Im Industriegebiet Gaxel hat es neben Lise Meitner nur Marie Curie auf ein Straßenschild geschafft. Ansonsten dominieren dort die männlichen Wissenschaftler. © Markus Gehring
Straßennamen

Mit interaktiver Karte: Männer dominieren die Straßennamen in Vreden

Rund 26 Prozent der Straßen in Vreden sind nach Personen benannt. Männliche Namen sind dabei deutlich in der Überzahl. Dabei gäbe es genug berühmte Frauen, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Max-Planck-Straße, Dietrich-Bonhoeffer-Weg, Konrad-Zuse-Ring: Männliche Namen dominieren die Straßenschilder. Das ist in Vreden nicht anders als in anderen Orten. Eine eigene Zählung der Redaktion hat ergeben, dass im gesamten Stadtgebiet 59 Straßen nach Männern benannt sind und nur 16 nach Frauen.

„Das ist alles andere als überraschend“, sagt dazu Gleichstellungsbeauftragte Christine Ameling. Das Thema Straßennamen sei eines, das in der Gleichstellung immer mal wieder diskutiert werde. „Da ist es wie in so vielen Bereichen: Männer tauchen überall auf, Frauen werden übersehen. Das ist ein gesellschaftliches Problem“, meint sie.

Gleichstellungsbeauftragte: „Frauen bleiben oft unsichtbar“

Dabei gäbe es ihrer Meinung nach durchaus berühmte Frauen, nach denen Straßen benannt werden könnten. „Es gab zum Beispiel sehr viele gute Künstlerinnen. Aber die haben häufig unter falschem Namen veröffentlicht oder männliche Künstler haben ihre Werke mit ausgestellt“, berichtet Christine Ameling. In vielen Fällen sei erst sehr viel später bekannt geworden, dass eine Frau dahinter steckt. Dasselbe gilt für zahlreiche andere Bereiche. „Die Frauen bleiben oft unsichtbar.“

Gleichstellungsbeauftragte Christine Ameling meint, dass es durchaus genug berühmte Frauen gibt, nach denen man Straßen benennen könnte.
Gleichstellungsbeauftragte Christine Ameling meint, dass es durchaus genug berühmte Frauen gibt, nach denen man Straßen benennen könnte. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

In Vreden werden die Straßennamen in den jeweiligen Vierteln nach bestimmten Themen vergeben. So gibt es etwa die Blumensiedlung oder das Musikerviertel. „Wir haben aber auch das Viertel mit den Müttern des Grundgesetzes: Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Wessel und Helene Weber. Und das sogenannte Jungfrauen-Viertel mit Maria Theresia, Adelheid oder Maria-Franziska“, sagt Hubert Krandick vom Vredener Heimatverein. Dabei handelt es sich um Frauen aus dem ehemaligen bedeutenden Damenstift.

Insgesamt sei Vreden damit durchaus schon ganz gut aufgestellt, meint er. Doch auch er muss zugeben, dass es im Industriegebiet, wo die Straßen nach Wissenschaftlern benannt sind, nur Lise Meitner und Marie Curie auf ein Straßenschild geschafft haben.

Damenstift sorgt für viele Möglichkeiten

„Eigentlich müsste es in Vreden viel mehr weibliche Straßennamen geben. Schließlich war das Damenstift die dominierende Institution in Vreden“, meint Hubert Krandick. Das Damenstift Vreden wurde spätestens 839 als eines der ersten westfälischen Frauenklöster gegründet. Im Jahr 1810 wurde es aufgehoben.

In dieser langen Zeit gab es rund 40 Äbtissinnen. Zehn Straßennamen sind ihnen gewidmet, zum Beispiel die Beatrixstraße, Bertradisstraße, Kreszentia-Straße, Reinmodisstraße, Theophanostraße oder Von-Manderscheidt-Straße.

Bei den Frauen ist der weibliche Bezug im Straßennamen oft schnell ersichtlich. Bei den Männern hingegen gibt es auch quasi versteckte Straßennamen. Hinter der Hoyastraße zum Beispiel steckt Bischof Otto von Hoya, der Bremer Erzbischof Liemar ist Namensgeber der Liemarstraße und die Overbergstraße wurde nach dem Theologen und Pädagogen Bernhard Heinrich Overberg benannt.

Flurnamen dominieren auf den ältesten Wegen

Bei insgesamt rund 280 Straßen im gesamten Stadtgebiet wurden 73 – also rund 26 Prozent – nach einer Person benannt. Gerade bei den ältesten Wegen dominieren hingegen plattdeutsche Namen und Flurbezeichnungen. Die Straße „Haken“ in der Nähe des Ölbachs zum Beispiel geht auf einen Flurnamen zurück. „Der Haken ist als ein Flurstück bekannt, in das ein anderes mit einem rechten Winkel hineinreicht“, schreibt Hubert Krandick auf der Internetseite des Heimatvereins. Und Braoke bedeutet brach liegendes oder in Pflügung befindliches Land.

Für Gleichstellungsbeauftrage Christine Ameling ist das Thema auf jeden Fall interessant genug, um in Zukunft näher hinzuschauen und bei Neubaugebieten Einfluss zu nehmen, sodass vielleicht mehr Frauen auf Straßenschildern gewürdigt werden.

Für das Neubaugebiet Pirolstraße, das derzeit geplant wird, macht Hubert Krandick keine Hoffnung. Schließlich sind die Straßen in direkter Nähe nach Vögeln benannt (Amselweg, Möwenweg) und auch der Pirol ist ein Vogel. Die neuen Namen werden sich deswegen wohl auch an diesem Thema orientieren.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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