Mit 2,9 Promille im Blut hatte ein damals 20-Jähriger seinen Pkw ins Maisfeld gesteuert. Dafür musste er sich vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Sein Verhältnis zum Alkohol sei seitdem komplett anders, teilte er mit. © picture alliance / dpa
Mit Mannschaft gefeiert

Mit 2,9 Promille ins Maisfeld gerast – 20-Jähriger hat Blackout

Rund 2,9 Promille Alkohol hatte ein Vredener im Blut, der mit seinem Auto in ein Maisfeld gerast ist. An den Unfall hat der 20-Jährige keine Erinnerung.

Nein, erinnern könne er sich an nichts mehr. Erst am nächsten Tag habe er realisiert, was in dieser Juli-Nacht 2020 passiert war. Ein damals 20-Jähriger hatte nach einem ausufernden Mannschaftsabend sein Fahrzeug in ein Maisfeld in Vreden gesteuert, zuvor noch ein Taxi leicht touchiert. Und das mit gut 2,9 Promille im Blut.

Vom Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs und des unerlaubten Entfernens vom Unfallort wurde er letztlich vor dem Ahauser Amtsgericht freigesprochen. Für die Trunkenheitsfahrt musste er sich aber verantworten. Seine Lehren hatte er zuvor bereits gezogen, wie die Verhandlung im Amtsgericht ergab.

Kompletter Blackout. Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte, der mittlerweile nicht mehr in Vreden lebt, mitteilen, dass seine Erinnerung erst wieder eingesetzt habe, als er im Maisfeld gestanden hat. Den Kontakt mit einem Taxi habe er nicht bemerkt.

„Wir haben mit der Mannschaft schon am Nachmittag gegrillt und reichlich getrunken“, berichtete der Vredener. Schon am Abend zuvor habe er „ordentlich getankt“, ergänzte der Verteidiger. Nur so sei der enorme Promillewert zu erklären. Ins Auto gestiegen sei er wohl nur, um einen Freund abzuholen.

Vorfall hat beim Angeklagten für Umdenken gesorgt

Der Vorfall habe ein Umdenken bewirkt. So hatte der Verteidiger vorab dem Gericht Abstinenznachweise, Bescheinigungen über die Teilnahme an Seminaren für alkoholauffällige Fahranfänger sowie zur MPU-Vorbereitung vorgelegt. „Ich habe seinerzeit viel und regelmäßig getrunken“, gab der 21-Jährige zu. Damit sei nun Schluss, er trinke nicht mehr.

Am Taxi war nur ein geringer Schaden entstanden. Diesen hat der Angeklagte auf eigene Initiative beim Taxiunternehmen selbst beglichen – ganze 30 Euro. „Für mich war das dann erledigt, ich wollte kein Fass aufmachen“, erklärte der Zeuge.

Aufgrund des eher „unerheblichen“ Schadens am Taxi sahen Richter wie Staatsanwältin die Vorwürfe der Straßengefährdung und Unfallflucht nicht mehr als gegeben an. Geahndet wurde allerdings sehr wohl die Trunkenheitsfahrt.

Dabei kam – nicht zuletzt aufgrund des Berichtes der Jugendgerichtshilfe – das Jugendstrafrecht zur Anwendung. „Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt noch einem Jugendlichen gleichzusetzen“, fasste die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer die Eindrücke zusammen.

Staatsanwältin geht von „krankhaftem Konsum“ aus

Dass sich der Angeklagte sofort eingelassen und reuig gezeigt hätte, hielt sie diesem zugute. Ebenso habe er nun seinen Alkoholkonsum im Griff und tue alles, um den Führerschein zurückzuerhalten. Der hohe Alkoholpegel und das Verhalten ließe aber auf einen „krankhaften Konsum“ seinerzeit schließen.

Neben einer Geldstrafe solle der Führerschein für weitere sechs Monate gesperrt werden. Letzteres sah der Verteidiger nicht als angemessen an, ansonsten folgte er weitgehend dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr setzte der Richter dann eine Geldstrafe von 500 Euro an, zu zahlen an eine gemeinnützige Einrichtung. Dazu hat der 21-Jährige für weitere sechs Monate seine Abstinenz nachzuweisen, er hat zudem an einem sogenannten Fred-Kurs für Konsumenten von Alkohol oder illegalen Drogen im Experimentierstadium teilnehmen. Der Führerschein bleibt zudem für weitere drei Monate eingezogen.

„2,9 Promille sind heftig, keine Bagatelle. Da bewegen wir uns am oberen Ende der Skala“, betonte der Richter. Er ermahnte der Vredener, den guten Weg fortzusetzen und die Auflagen zu erfüllen: „Ein Ungehorsamsarrest würde kein gutes Bild beim Arbeitsgeber abgeben.“

Über den Autor
freier Mitarbeiter

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.