Viele jüngere Schüler gehen trotz Aufhebung der Präsenzpflicht in Vreden weiterhin zur Schule (Symbolbild). © picture alliance/dpa/CTK
Neue Unterrichts-Regeln

Mehr als 70 Prozent gehen in die Schule, Elternvertreter üben Kritik

Die Mehrzahl der Eltern hat sich für die Teilnahme ihrer Kinder am Präsenzunterricht entschieden. Das hat die Schulen überrascht. Elternvertreter üben dennoch Kritik an den Regelungen.

Seit Montag gelten in den Schulen nicht nur in Vreden neue Regeln. Bei Schülern bis zur siebten Klasse entscheiden die Eltern, ob ihre Kinder zu Hause bleiben. Ab der achten Klasse ist Distanzunterricht verpflichtend.

Dr. Jürgen Klomfaß, Schulleiter am Gymnasium Georgianum, zeigt sich etwas überrascht, dass die jüngeren Schüler am Montag weitestgehend zur Schule kamen. „Um die 80 Prozent waren in der Schule. Ich hätte erwartet, dass mehr Eltern sich dafür entscheiden, ihre Kinder wegen des Infektionsschutzes zu Hause zu lassen“, berichtet der Rektor.

Sekundarschule erstaunt über zahlreichen Schulbesuch

Er gehe davon aus, dass sich im Laufe der Woche noch mehr Schüler abmelden. Viele Eltern seien durch die Nachrichten am Wochenende davon ausgegangen, dass die Schulen ab Mittwoch schließen. Das sei aber nicht der Fall. Zum Erfolg des Homeschoolings gab Jürgen Klomfaß an: „Wir haben das vorher erprobt und es hat ganz gut geklappt.“ Einen genauen Überblick habe er noch nicht.

Auch an der Sekundarschule waren etwa 70 Prozent der Fünft- bis Siebtklässler in der Schule. „Wir sind erstaunt. Die Eltern scheinen ein gewisses Vertrauen zu haben, dass die Schule ihren Job macht“, versucht Schulleiterin Gisela Huning zu erklären. Sollten Eltern sich mehr Sorgen machen, können sie ihr Kind im Laufe der Woche noch abmelden.

Einige technische Schwierigkeiten zum Start

Einige technische Probleme habe es bei dem Versuch gegeben, die zu Hause gebliebenen Schüler per Cloud am Unterricht teilnehmen zu lassen. „Das hat für Chaos gesorgt, die Plattform war überlastet“, erzählt die Schulleiterin. Die Kapazitäten wolle die Stadt in den nächsten Tagen erweitern.

Die älteren Schüler können sich nach einem von den Klassenlehrern entwickelten Plan per Video zu Fachstunden zuschalten. Insgesamt sei der Montag relativ unaufgeregt gelaufen.

Digitales Lernen nichts Neues an Hamaland-Schule

„70 bis 80 Prozent der Schüler sind gekommen, zum Ende der Woche werden es weniger“, bestätigt auch Barbara Kohlruss, Konrektorin der Hamaland-Schule. Allerdings hätten deutlich weniger Kinder das Ganztagsangebot wahrgenommen.

„Für jede Klasse gibt es ein eigenes Padlet“, erklärt Barbara Kohlruss. Das ist eine digitale Pinnwand, über die die Kinder Aufgaben erhalten und zu Hause arbeiten können. „Die Schüler bekommen schon seit Wochen digitale Hausaufgaben. Das Padlet wird ständig aktualisiert“, sieht die Konrektorin keine Probleme beim Distanzunterricht.

Eltern hätten sich schon vorher flexible Lösungen gewünscht

„Ich glaube, dieser Schritt war überfällig“, meint Tobias Beck, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft. Schade sei es allerdings, dass die Mitteilung so plötzlich erfolgt sei. „Gerade für die Eltern ab Klasse acht gibt es an einem Wochenende organisatorisch viel zu tun“, gibt er zu bedenken.

Allerdings hätte es sich aus seiner Sicht angeboten, frühzeitig andere Modelle wie geteilte Klassen auszuprobieren. „Man hätte im Vorfeld schon vieles machen können und wir hätten uns mehr Flexibilität gewünscht. Jetzt ist es eigentlich zu spät“, kritisiert Tobias Beck.

Auch die aktuelle Regelung sieht der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft zwiespältig. „Es gibt einige Eltern, denen man diese schwere Entscheidung besser abgenommen hätte“, glaubt er. Schließlich sei die Entscheidung ein Spagat zwischen der Förderung und der Gesundheit des Kindes.

Elternentscheidung eine „Katastrophe“

„Dass wir Eltern entscheiden müssen, ist eigentlich eine Katastrophe“, findet eine Elternvertreterin an der Hamalandschule, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Die Politik hat die Entscheidung auf die Eltern abgewälzt. Ich hätte mir gewünscht, dass ab Mittwoch die Schulen bundesweit geschlossen wären.“ Man mache sich schon Gedanken, ob man sein Kind zu Hause lassen will und damit vielleicht alleine dasteht.

Sie lobt aber ausdrücklich die Arbeit der Hamalandschule. Die Verwirrung vieler Eltern, bis wann die Schulen öffnen, habe die Schule durch eine Mail frühzeitig gelöst.„An der Schule gibt es ein tolles Konzept. Man hat kein doofes Gefühl dabei, das Kind zur Schule zu schicken.“

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Bastian Becker

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