Maskenpflicht: Verständnis und Rücksicht in der Vredener Innenstadt

dzCoronavirus

Seit Montag gilt die Maskenpflicht im Einzelhandel. In der Vredener Innenstadt sind deswegen viele Passanten mit Mund-Nasen-Schutz zu sehen. Schön findet das aber niemand.

Vreden

, 27.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Maske gehört spätestens seit Montag genauso zum Alltagsgegenstand wie Handy, Schlüssel und Portemonnaie. Beim Stadtbummel in Vreden haben auch die allermeisten Passanten an das neue, verpflichtende Accessoire gedacht.

Kurz vor Mittag am Montag sind vereinzelt Menschen in der Innenstadt unterwegs. Eine Frau mit OP-Mundschutz wirft einen Brief in den Briefkasten. Auf dem Parkplatz am Domhof öffnet sich eine Autotür. Ein junger Mann steigt aus und setzt sich als erstes eine schwarze Maske auf.

Jetzt lesen

In der Wassermühlenstraße steht eine ältere Frau vor einem Schaufenster. Bevor sie reingeht, kramt sie aus ihrer Tasche eine geblümte Mund-Nasen-Bedeckung hervor. Ein Mann schlendert über den Marktplatz, in der einen Hand ein Handy, in der anderen eine Maske.

Kinder müssen keine Maske tragen

„Schön ist das zwar nicht, vor allem nicht bei diesem Wetter, aber es muss ja sein“, sagt eine junge Mutter, die mit ihrer vierjährigen Tochter unterwegs ist. Die Kleine trägt keinen Mundschutz. „Ich habe ihr extra einen genäht, aber sie zieht ihn sich immer wieder vom Gesicht.“

Für die Vierjährige gilt die Maskenpflicht auch noch nicht. Die neue Regelung trifft Kinder erst, wenn sie auch schulpflichtig sind. Sie und alle anderen müssen seit Montag im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Kunden setzen unaufgefordert eine Maske auf

„Schon in der vergangenen Woche kamen einige Kunden mit einer Maske, aber das war noch sehr vereinzelt“, erzählt Nicole Meyer, Verkäuferin bei Schuh-Art in der Vredener Innenstadt. Seit diesem Montag aber bedecken alle Kunden ihr Gesicht. „Unaufgefordert“, stellt die Verkäuferin klar.

Sie berichtet von viel Verständnis und Respekt gegenüber der neuen Regelung. „Das hinterfragt niemand. Und es gibt ja auch deutlich Schlimmeres, als eine Maske zu tragen. Das wissen auch die Kunden“, erzählt sie. Die Verkäufer in dem Schuhladen tragen als gutes Vorbild bereits seit einer Woche täglich eine Maske.

Regeln der Geschäfte werden eingehalten

Ganz ähnlich sieht die Situation bei Adele Blumen aus. „Kam hier heute schon ein Kunde ohne Maske rein?“, ruft Inhaberin Christiane Lechtenberg in Richtung ihrer Kolleginnen. Als Antwort kommt ein einhelliges Kopfschütteln.

Christiane Lechtenberg (Adele Blumen) berichtet von rücksichtsvollen Kunden.

Christiane Lechtenberg (Adele Blumen) berichtet von rücksichtsvollen Kunden. © Victoria Garwer

„Es wissen alle Bescheid, da muss man niemanden mehr drauf hinweisen“, sagt Christiane Lechtenberg. Viele seien die Masken zwar nicht gewohnt und fänden sie durchaus unangenehm, eine richtige Beschwerde habe sie aber noch nicht gehört. Auch an die anderen Regeln im Laden wie die Personenzahlbegrenzung und die Abstandsregelung halten sich die Kunden.

Verständnis haben auch die Kunden des Aldi-Marktes an der Wüllener Straße. „Da drin ist es ja wenigstens recht kühl“, freut sich eine Vredenerin. Sie ist 79 Jahre alt und hat an diesem Montag zum ersten Mal in ihrem Leben einen Mundschutz getragen. „Schon ein komisches Gefühl, aber richtig und wichtig.“

Schal ist als Alltagsmaske auch erlaubt

Ortswechsel: Busbahnhof Vreden. In den Bussen gilt ab sofort die Maskenpflicht. An der Haltestelle steht Nico, 19 Jahre alt. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen.

Eine Maske hat der Jugendliche nicht dabei. Er hat vor, sich einen Schal vor das Gesicht zu binden. Auch das ist laut Vorgaben des Landes erlaubt. „Muss ich das echt die ganze Fahrt bis nach Münster tragen?“, fragt er. Ja, muss er. Die kompletten 100 Minuten. „Puh, das wird eine lange Fahrt.“

Er sieht alles andere als glücklich aus, aber als er in den Bus steigt, bindet er sich doch ohne Gegenwehr den Schal vor Mund und Nase. Nur eins murmelt er noch: „Hoffentlich ist das bald wieder vorbei.“

Lesen Sie jetzt