Mann schickt Nacktbild von Ex-Freundin weiter und versteht nicht, warum das strafbar ist

dzAmtsgericht Ahaus

Ein 39-jähriger Vredener bekommt ein Nacktbild von seiner Ex-Freundin. Er fühlt sich davon genervt und leitet das Bild weiter. Deswegen musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Vreden

, 16.09.2019, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ja, er hat ein Nacktbild seiner Ex-Freundin an einen anderen Mann geschickt. Aber nein, er versteht nicht, dass das strafbar ist. „Das nennt man Verbreitung pornografischer Schriften“, klärt der Richter den 39-jährigen Angeklagten aus Vreden auf.

Der jedoch scheint den Prozess am Amtsgericht Ahaus nicht richtig ernst zu nehmen. Er sieht sich als Opfer. Seine Ex-Freundin belästige ihn. „Sie lässt mich einfach nicht in Ruhe. Sie versucht es immer wieder, meldet sich sogar mit falschen Namen in sozialen Netzwerken an“, erzählt der 39-Jährige.

Angeklagter fühlte sich von Nacktbild belästigt

Im März 2018 dann habe sie ihm ein Bild von sich geschickt – mit nacktem Unterkörper und in eindeutiger sexueller Pose. „Warum das denn?“, will der Richter wissen. „Na, weil sie heiß auf mich war.“ Doch der Vredener war von den ständigen Annäherungsversuchen genervt.

Also hat er das Bild weitergeleitet – an den Freund der Frau. „Er sollte wissen, was seine Freundin so treibt. Und sie sollte mich endlich zufrieden lassen“, erklärt der Angeklagte. An andere Männer habe das Bild aber nicht geschickt: „Das würde ich nie machen. Ich hab das Bild nicht in Vreden rumgeschickt. Nur an den Freund, damit er Bescheid weiß.“

Für den Richter war aus juristischer Sicht nur eine Frage wichtig: „Hat der Mann Sie aufgefordert, das Bild zu schicken?“ Der Angeklagte verneint. „Dann haben Sie den Tatvorwurf vollumfänglich gestanden. Und auch wenn Sie es nicht einsehen: Aus juristischer Sicht ist das strafbar“, erklärt der Richter.

Doch der Vredener kann das überhaupt nicht nachvollziehen: „Also muss ich mich von der Frau immer weiter belästigen lassen? Ich soll das einfach hinnehmen, ich kann nichts dagegen tun?“ Der Richter rät ihm zu einer Strafanzeige gegen die Frau. Doch damit kommt er selber trotzdem nicht um eine Verurteilung herum.

Gerichtstermin endet mit einer Verurteilung

Den Gerichtstermin hätte sich der 39-jährige Vredener eigentlich sparen können. Denn er hat bereits einen schriftlichen Strafbefehl bekommen, sollte eine Geldstrafe zahlen. Auch in der schriftlichen Erklärung hat er den Tatvorwurf nämlich schon zugegeben. Doch er hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt und so kam es zur Verhandlung am Amtsgericht Ahaus.

Der Termin endet schließlich mit einem Urteil. Der Richter verhängt eine Geldstrafe. Der arbeitslose Vredener muss 40 Tagesssätze zu jeweils 20 Euro, also insgesamt 800 Euro zahlen. Außerdem werden ein Tablet und ein Smartphone, auf denen die Bilder sichergestellt wurden, eingezogen. Auch die Kosten des Verfahrens und seine Auslagen muss der Vredener tragen.

Denn auch wenn es der 39-Jährige bis zum Schluss nicht einsieht und während der Urteilsverkündung lautstark widerspricht und protestiert: „Die Verbreitung pornografischer Schriften ist nun mal strafbar“, so der Richter.

Lesen Sie jetzt