Niklas (14, l.) und Yannik Lansing (17) am Montagmorgen auf der Wiese in Ammeloe. Zwischen dem mobilen Hühnerstall und dem Kühlwagen liegen nur wenige Meter. 150 Legehennen wurden dort geschlachtet. "So schonend, wie es nur geht", sagt Niklas Lansing. © Stephan Rape

Letzte Reise für 150 Legehennen ist in Ammeloe nur wenige Meter lang

150 Legehennen von Familie Lansing wurden am Montagmorgen geschlachtet. Die Betreiber von „Lansings Wiesenei“ setzten auf eine mobile Schlachtanlage – und haben einen Tiertransport vermieden.

Ein eisiger Wind weht über der Ammeloer Wiese, als am Montagmorgen 150 Hühner von Familie Lansing ihre letzte Reise antreten. Die Legehennen werden nach gut eineinhalb Jahren im mobilen Hühnerstall geschlachtet.

Ihre Reise ist kurz. Nur ein paar Meter sind es vom mobilen Stall in die mobile Geflügelschlachterei, die an diesem Morgen auf der Wiese in Ammeloe steht. „Uns war klar, dass wir unsere Legehennen schlachten müssen“, sagt Niklas Lansing (14). Mit seinem Bruder Yannik (17) hat er die mobile Hühnerhaltung im vergangenen Jahr aufgebaut.

Das Schlachten gehört einfach dazu

Doch nach gut eineinhalb Jahren legen die Tiere weniger oder kleinere Eier. „Das Schlachten gehört eben einfach dazu“, erklärt Niklas Lansing. Das sieht auch seine Mutter so. „Auch wenn ich heute Nacht schon schlecht geschlafen habe“, räumt Anke Lansing ein. Man baue eben schon einen Bezug zu den Tieren auf. Dass die Tiere geschlachtet werden müssen, sei keine Frage. „In unserem Topf wird aber keins der Hühner landen“, erklärt sie und wendet sich ab.

Eins nach dem anderen wurden die Hühner aus dem mobilen Stall in die mobile Geflügelschlachtung herübergetragen. Einen langen Transport in einen Schlachthof wollte Familie Lansing den Tieren ersparen.
Eins nach dem anderen wurden die Hühner aus dem mobilen Stall in die mobile Geflügelschlachtung herübergetragen. Einen langen Transport in einen Schlachthof wollte Familie Lansing den Tieren ersparen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Die Männer der Familie sind an diesem Morgen weniger empfindlich: Nach und nach fangen sie die Tiere aus dem mobilen Stall und reichen sie in Richtung der mobilen Schlachtanlage. Auch für Hahn Harry hat das letzte Stündlein geschlagen. Als letztes Tier verlässt er den mobilen Stall in Richtung Schlachtung.

Als der Schlachttermin näher rückte, war für die beiden Brüder klar, dass ihre Tiere nicht in einem herkömmlichen Schlachthof enden sollten. Das wäre mit langen Transporten und mit Stress verbunden gewesen.

Möglichst schonend und ohne lange Transporte

„Wir wollten das so schonend wie möglich über die Bühne bringen“, sagt auch Andreas Lansing, Vater der beiden Jung-Unternehmer. Und viel schonender scheint eine Schlachtung nicht denkbar: Bevor die Tiere wissen, was überhaupt geschieht, ist alles auch schon geschehen.

Im Internet war Familie Lansing auf das Angebot von Thorsten Beimborn gestoßen. Der Sauerländer ist Anfang des Jahres mit seiner mobilen Geflügelschlachterei gestartet.

„Ich bin selbst Nebenerwerbslandwirt und habe Geflügel zuhause“, sagt der 45-Jährige. Allerdings habe er selbst lange nach einer adäquaten Schlachtung für Masthähnchen gesucht. Als er die nicht fand, kam ihm der Gedanke der mobilen Schlachtanlage. Die gibt es bisher vor allem in Süddeutschland. Weil aber immer mehr Geflügelhalter auf mobile Ställe setzen, sieht er dort eine große Chance. Ein Jahr Vorbereitung für die notwendigen Genehmigungen und Sachkundenachweise verging. Mit der Schlachtanlage ist er jetzt in ganz NRW unterwegs.

Komplette Verarbeitung im mobilen Anhänger

Auch wenn der Betrieb erst in diesem Jahr so richtig losging, sind die Handgriffe längst geübt: Mit einem Stromstoß werden die Tiere betäubt. Thorsten Beimborn hängt sie dann mit den Füßen in ein Gestell und trennt den Kopf ab. „Davon merken die Tiere aber schon nichts mehr“, sagt er. Auch die weitere Verarbeitung, – brühen, rupfen und ausnehmen – geschieht komplett in dem Anhänger. Rund 50 Hühner werden so pro Stunde geschlachtet.

Aus dem Schlachtanhänger gehen die Hühner dann direkt in einen Kühlwagen. Der steht noch einmal ein paar Meter weiter auf der Wiese. Auch dort werden sie aber nicht lange bleiben. Denn alle 150 Hühner sind schon vorbestellt. Sie werden in Suppentöpfen in der Umgebung landen. „Wir hatten die Bestellungen kaum ausgelegt, da waren alle Hühner schon vergeben“, erklärt Niklas Lansing.

„Lansings Wiesenei“ freut sich über große Stammkundschaft

Denn die kleine Verkaufshütte in Ammeloe hat längst eine feste Stammkundschaft. Und die Nachfrage ist riesig: Aus den anfangs 150 Legehennen sind inzwischen 700 geworden. Ein zweiter Mobilstall kam dazu. Auch das Angebot für Kunden haben sie ausgeweitet: Neben Eiern gibt es nun beispielsweise auch Eiernudeln. Nach und nach wächst der Verkauf.

Die 150 Suppenhühner waren schnell vergriffen: Binnen kürzester Zeit waren die Bestellungen eingegangen.
Die 150 Suppenhühner waren schnell vergriffen: Binnen kürzester Zeit waren die Bestellungen eingegangen. “Lansings Wiesenei” hat inzwischen eine treue Stammkundschaft. © Stephan Rape © Stephan Rape

Demnächst sollen Masthähnchen dazu kommen. In dem Stall, der jetzt gerade leer geworden ist. Die Hähnchen sollen dann im August schlachtreif sein. Dann kommt die mobile Geflügelschlachterei wieder nach Ammeloe. Natürlich in Absprache mit dem Veterinäramt vom Kreis Borken, wie Andreas Lansing schnell noch betont.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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