Lena Niehues (20) will ihren Amerika-Traum noch nicht aufgeben

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Das Coronavirus hat das Auslandsjahr von Lena Niehues in Amerika ganz schön verändert. Als Au-Pair-Mädchen ist die Vredenerin für drei kleine Kinder zuständig – und das während einer Ausgangssperre.

Vreden

, 17.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sollte das schönste Jahr ihres Lebens werden, die Erfüllung ihres großen Traums. Doch das Coronavirus verändert das Auslandsjahr in Amerika für Lena Niehues aus Vreden nun komplett.

„Es ist nicht so, dass ich mich nicht sicher fühle. Aber es ist anstrengend und frustrierend“, sagt die 20-Jährige im Telefonat mit der Redaktion. Als Au-Pair-Mädchen arbeitet sie seit August 2019 in dem Ort Rockville Centre, 30 Autominuten von New York City entfernt.

Ausgangssperre in Amerika macht die Lage deutlich

In den ersten Monaten war alles wie erträumt. Die Vredenerin passte unter der Woche auf die drei Kinder auf – zehn Monate, zwei und vier Jahre alt. Am Wochenende reiste sie durch das ganze Land, erlebte Abenteuer und entspannte sich zum Beispiel auf einer Kreuzfahrt.

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Doch seit Mitte März ist wegen des Coronavirus plötzlich alles anders. „Am Anfang hat das hier niemand so richtig ernst genommen. Dann kam schnell die Ausgangssperre und da haben alle gemerkt, dass es schlimm ist“, berichtet Lena Niehues.

Lena Niehues hat die Zeit in Amerika bislang sehr genossen.

Lena Niehues hat die Zeit in Amerika bislang sehr genossen. © Privat

Sie selbst war in dieser Anfangszeit einmal mit ihrem Gastvater in New York City unterwegs. „Das ist eine Geisterstadt. Normalerweise ist dort alles überfüllt und jetzt ist da niemand mehr. Die wenigen, die auf der Straße zu sehen sind, tragen Mundschutz.“

Als Au-Pair-Mädchen auch für Hausaufgaben zuständig

Vor allem aber hat sich ihre Arbeit als Au-Pair-Mädchen komplett verändert. Denn die Schulen und Kindergärten sind auch in Amerika geschlossen. Und so passt die Vredenerin nun den ganzen Tag auf die drei kleinen Kinder auf.

Der Vierjährige bekommt von seiner Lehrerin in der Preschool sogar Hausaufgaben. „Das ist zum Glück nur Basteln, aber auch das muss ja erledigt werden“, erzählt Lena Niehues. Einige ihrer Freundinnen hingegen sind auch für älterere Kinder zuständig und müssen jetzt das Homeschooling übernehmen.

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Auch so hat die Vredenerin mit den drei Kindern genug zu tun. Denn ihre Gasteltern sind zeitgleich ebenfalls zu Hause, im Homeoffice. „Die Kinder darf man keine Sekunde aus den Augen lassen, sonst sind die im Büro“, erzählt die 20-Jährige.

Das alles hat die Familie enger zusammengeschweißt, aber so langsam fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Um die drei Kleinen Kinder bei Laune zu halten, muss die 20-Jährige kreativ werden und sich jeden Tag etwas neues einfallen lassen.

Reisepläne für die kommenden Monate abgesagt

Auch am Wochenende kann Lena Niehues sich momentan nicht entspannen. Sie hat die Kinder, die Familie und damit irgendwie auch die Arbeit die ganze Zeit um sich herum. All ihre Pläne für die kommenden Monate sind geplatzt. „Ich kann nicht mehr reisen, nichts mehr unternehmen“, sagt sie traurig.

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Ihren Geburtstag im Mai wollte sie eigentlich mit ihrer Familie, die extra aus Deutschland anreisen wollte, in Las Vegas feiern. Doch der Urlaub musste abgesagt werden. „Das war ein harter Schlag für uns alle“, sagt Lena Niehues. Jetzt also wird sie ihren 21. Geburtstag, der sie in den USA volljährig macht, mit ihren Gasteltern und den drei kleinen Kindern verbringen.

Lena Niehues hat immer noch Hoffnung

Trotz allem will sie den Aufenthalt in Amerika aber am liebsten nicht abbrechen. „Irgendwie hat man immer noch Hoffnung“, sagt sie. Doch auch die schwindet langsam. „Die Amerikaner gehen davon aus, dass das normale Leben erst im September wieder starten kann.“

Vor allem die Weihnachtszeit fand die Vredenerin (l.) in Amerika sehr beeindruckend.

Vor allem die Weihnachtszeit fand die Vredenerin (l.) in Amerika sehr beeindruckend. © Privat

Im September wollte Lena Niehues aber schon wieder zurück in Vreden sein. Ob sie die nächsten Monate wirklich in den USA verbringen wird, weiß sie selber noch nicht. Sie möchte die kommenden zwei Wochen abwarten und schauen, wie sich die Situation entwickelt.

Aber um ihre Zukunft macht sie sich dann doch Gedanken. Die Rückreise war kurz vor der Vredener Kirmes geplant, um gerade noch rechtzeitig ihr Studium zu beginnen.

Eine Entscheidung, wie es weitergeht, hat sie noch nicht getroffen. Schließlich geht es hier um ihren Traum, den sie aufgeben soll. Doch sie will positiv denken: „Dass sich meine Reisepläne für dieses Jahr erledigt haben, ist mir mehr als bewusst. Doch so lange ich noch hier in New York lebe, gibt es mir das Gefühl, noch an meine Träume und eine generellen Besserung zu glauben.“

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