Lager hatte eigene Währung

Vreden Für viele Menschen sind sie nutzlos, für Gerd Garwer (Foto) hingegen Goldwert: alte Scheine und Münzen. Auch Geld aus dem ehemaligen NS-Durchgangslager im niederländischen Westerbork, in dem es eine Lagerwährung gab, gehört zur Sammlung des Vredeners.

21.07.2008, 18:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

Lager hatte eigene Währung

Neben jüdischen Insassen seien auch Sinti, Roma und Widerstandskämpfer dort festgehalten worden, so Garwer. Die Insassen mussten verschiedene Arbeiten in der Küche oder in den Krankenbaracken verrichten, hatten Lumpen zu sortieren, Batterien auseinander zu bauen oder alte Flugzeuge zu verschrotten.

"Dafür bekamen sie ein wenig Geld, mit dem sie im Lagerwarenhaus (Lawa) einige Sachen wie Seife, Zigaretten, Briefmarken usw. kaufen konnten. Reichsmark oder andere Währungen mussten erst in Lagergeld umgetauscht werden, um dort einkaufen zu können", erklärt Garwer. Man habe vier verschiedene Nominale herausgegeben: 10, 25, 50 und 100 Cent, die das Datum 15. Februar 1944 tragen. Auf beiden Seiten der Noten sei eine Industrielandschaft zu sehen. Unterschrieben seien die Scheine vom Lagerkommandanten, SS Sturmführer Gemmeker von Zoe.

Spiel um Leben

"Dieser war ein Kleinkunst-Fan. Er sorgte dafür, dass dieses Lager für eine kurze Zeit die heimliche Kabarett-Metropole Europas wurde. Alles, was benötigt wurde - Instrumente, Kostüme, Requisiten - konnte er mit seinen Beziehungen relativ leicht besorgen. Die Gage der Künstler bestand aus diesen Scheinen und einem Aufschub bis zum nächsten Transport. Sie spielten also im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben."

Alte Filmaufnahmen aus dem Lager seien Zeugen der Professionalität, mit der hier "gearbeitet" wurde. Gespielt worden sei immer dann, wenn Züge von Westerbork in die Vernichtungslager nach Auschwitz oder in andere Lager fuhren.

Lesen Sie jetzt