Die Naturfreunde Michael Kadler und Sandra Bengfort haben ein Kitz mit der Drohne gefunden und gerettet. © privat
Kitzrettung Vreden

Kitzrettung Vreden rettet Wildtiere und bekommt Drohnenförderung vom Land

In Vreden werden Kitze aus hohem Gras vor dem Mähtod gerettet. Dazu setzen die Jäger, Landwirte und Helfer Drohnen ein, die vom Land gefördert wurden. Die Kitzretter suchen aber noch Helfer.

Ins Leben gerufen wurde die Kitzrettung Vreden durch den Hegering Vreden. Gemeinsam mit Landwirten und Naturfreunden haben sie eine Gruppe gegründet, welche sich um den Schutz des heimischen Rehwilds bemüht.

Zwei Drohnen im Einsatz – eine gefördert

Inspiriert durch den landesweiten Erfolg gleichartiger Projekte haben sie Ende 2020 das Projekt Kitzrettung Vreden vom Hegering Vreden gegründet. Dank der Förderung des Landes NRW wurde eine Wärmebilddrohne über die Kreisjägerschaft Borken beantragt und nun bewilligt. „Wir haben es mit viel Beharrlichkeit geschafft, dass eine für den Hegering Vreden zum Einsatz kommt“, so Hegeringleiter Antonius Bengfort in einem Schreiben an die Redaktion.

Das ist die Technik mit deren Hilfe junge Wildtiere aufgespürt und gerettet werden.
Das ist die Technik mit deren Hilfe junge Wildtiere aufgespürt und gerettet werden. © privat © privat

Eine zweite Drohne gehört Antonius Bengfort privat, die kommt ebenfalls zum Einsatz in der Kitzrettung. In einem Telefonat erzählt er weiter: „Die geförderte Drohne hat einen Wert von 8000 Euro. Bei den ersten zwei Einsätzen haben wir schon acht Rehkitze, eine brütende Stockente, viele Junghasen und Kaninchen retten können.“

Suche mit Drohne ist wichtig

Im Frühjahr setzen die Ricken, das sind die Muttertiere, ihre Kitze. Dies geschieht natürlicherweise in Wiesen oder im hohen Gras. Denn hier sind Rehkitze optimal vor Fressfeinden geschützt. Der Fluchtinstinkt ist bei den Jungtieren noch nicht ausgeprägt. Statt zu fliehen, ducken sich Rehkitze tief ins Gras, denn so bleibt die Tarnung erhalten. Dieses Verhalten schützt sie zwar optimal gegen natürliche Feinde; gegenüber Mähwerken wird es ihnen aber zum Verhängnis.

Junge Hasen liegen im hohen Gras und warten auf die Häsin.
Junge Hasen liegen im hohen Gras und warten auf die Häsin. © privat © privat

Jedes Jahr sterben etliche Rehkitze, Junghasen und brütende Vögel bei der Wiesenmahd. Der dadurch entstehende Schaden ist sowohl für die Tierwelt als auch für die Landwirtschaft immens. „Wir bemühen uns darum, eine Brücke zwischen Landwirten und Jägern zu bauen“, heißt es in dem Schreiben von Antonius Bengfort. Ab sofort können Landwirte, Lohnunternehmer und Revierpächter aus Vreden sich mit dem Hegering in Verbindung setzen und über die Kitzrettung Vreden einen Termin für die Suche mit der Wärmebilddrohne buchen.

Kühe und Pferde können erkranken

„Dass Jungtiere beim Mähen ums Leben kommen, ist sehr traurig. Hinzu kommt, dass damit das Futter unbrauchbar wird“, so Bengfort. Durch Teile von Tierkörpern in der Silage oder im Heu können Kühe und Pferde schwer erkranken (Botulismus).

Im Schreiben an die Redaktion heißt es weiter: „Ein Landwirt, der sich weder mit Jägern abstimmt, noch eigene Maßnahmen gegen den Mähtod unternimmt, nimmt billigend in Kauf, dass er während des Mähvorganges im Gras abgelegte Kitze tötet und macht sich deshalb strafbar.“

So arbeitet das Team

Mindestens 24 Stunden vor dem Mähtermin meldet sich der Landwirt oder Revierpächter bei den Kitzrettern und gibt den Standort der abzusuchenden Fläche bekannt. Am Tag der Mahd wird in den frühen Morgenstunden die Wiese mit einer ferngesteuerten Drohne in einem programmierten Suchraster überflogen. Die Drohne ist mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera ausgestattet und übermittelt an eine mobile Bodenstation Bilder und Wärmesignaturen der überflogenen Fläche.

Auf diesem Monitor sieht man Wärmesignaturen von Wildtieren.
Auf diesem Monitor kann man Wärmesignaturen von Wildtieren sehen. © privat © privat

Anhand der Wärmesignaturen können die in der Wiese liegenden Rehkitze lokalisiert werden. Mithilfe von Funkgeräten werden sodann die Helfer in der Wiese zu dem Rehkitz geleitet. Die Helfer entnehmen das Rehkitz aus der Wiese und bringen es mit einem hierfür speziell vorbereiteten Karton in einen sicheren Bereich. Unmittelbar nach der Mahd wird das Kitz wieder aus dem Karton in die Obhut der Ricke entlassen.

Unsere Technik

Die Kitzrettung vom Hegering Vreden nutzt eine spezielle Drohne mit GPS-Unterstützung, die mit einer hoch empfindlichen Wärmebildkamera ausgestattet ist. Das Wärmebild wird mittels einer Funkstrecke an eine Bodenstation übertragen und dort ausgewertet.

„Dank der empfindlichen Kamera können wir mit großen Suchmustern arbeiten und erreichen damit besonders große Flächenleistungen pro Stunde. Alle unsere Piloten verfügen über eine gültige Fluglizenz und die Drohne ist gemäß der gesetzlichen Bestimmungen versichert“, so Bengfort.

Das Team such Verstärkung

In der Kitzrettung Vreden haben sich neben den Jägern aus dem Hegering Vreden auch Landwirte und Naturfreunde zusammengefunden und gemeinsam ein schlagkräftiges und sehr mobiles Team gebildet. „Unsere Einsätze beginnen in der Regel um 4.30 Uhr morgens und enden je nach Witterung zwischen 8 Uhr und 10 Uhr.

In Vreden hat im Jahr 2020 der Hegering das Projekt „Kitzrettung“ ins Leben gerufen. Jetzt gab es vom Land NRW die Förderung für zwei Wärmebilddrohnen. © privat © privat

Meistens hat die Sonne bis 10 Uhr schon so viel Kraft entwickelt, dass die Wärmesignatur eines Rehkitzes zwischen den aufgeheizten Gräsern und Bodenerhebungen „verschwimmt“ und nicht mehr sicher erkannt werden kann. Die Saison beginnt üblicherweise Mitte April und dauert bis Ende Juni an. „Wir suchen noch Frühaufsteher, die uns helfen wollen, möglichst viele Kitze zu retten“, so Bengfort.

Wer Interesse an einem Job als Lebensretter für junge Wildtiere hat, der braucht keine besonderen Kenntnisse oder Fähigkeiten mitzubringen, aber: „Er oder sie sollte zuverlässig sein“, sagt Antonius Bengfort im Gespräch mit der Redaktion. Wegen Corona kann nur eine geringe Anzahl an Helfern im Einsatz sein, fünf Leute pro Drohne und zwei Leute vom Jäger oder dem Landwirt. Wer sich per Whatsapp zu einem Einsatz meldet, der sollte auch wirklich kommen. „Da müssen wir uns drauf verlassen können“, sagt Antonius Bengfort.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
Zur Autorenseite
Laura Schulz-Gahmen

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.