Jugendgeschichtspreis Westmünsterland geht an Schülerinnen aus Vreden

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Auszeichnung für Wiebke Ostendorf und Olivia Wielers: Die beiden 17-Jährigen haben der Geschichte des Kriegervereins nachgespürt – und den Spannungen zwischen Kaiserreich und Katholiken.

Vreden

, 07.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wiebke Ostendorf und Olivia Wielers sind für ihre Facharbeit „Der lange Marsch ins Kaiserreich – Der Kriegerverein Vreden (1872 – 1914)“ mit dem 3. Jugendgeschichtspreis Westmünsterland 2019 der Gesellschaft für historische Landeskunde des westlichen Münsterlandes ausgezeichnet worden.

Stammgäste im Kult-Archiv

Die beiden Schülerinnen des Gymnasiums Georgianums bereiten sich gerade mit Klausuren auf ihre Abiturprüfung im nächsten Jahr vor. Die Facharbeit schrieben sie in der Q1 (Klasse 11) im Projektkurs Geschichte. Beide sind ganz besonders ihrem Geschichtslehrer Hendrik Schulze-Ameling dankbar, dass er sie bei der Themenwahl unterstützte und sie immer wieder motivierte.

Jugendgeschichtspreis Westmünsterland geht an Schülerinnen aus Vreden

Das undatierte Archivbild zeigt das Gemälde Anton von Werners, der die Proklamation des preußischen Königs zu Kaiser Wilhelm I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles gezeichnet hat. Die zentrale Figur der Proklamation ist der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck (in weißer Uniform) in der Mitte des Gemäldes. © picture-alliance / dpa/dpaweb

„Für unsere Recherchen sind wir bestimmt 15 Mal im Archiv des Kult gewesen und haben dort auch mit Volker Tschuschke über unsere Facharbeit gesprochen,“ erzählen die beiden 17-Jährigen. „Wir fanden heraus, dass der Kriegerverein von 1872 bis 1892 relativ inaktiv war, daher wollten wir diese Jahre besonders beleuchten“, erklärte Olivia Wielers.

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Aufgrund des Kulturkampfes, der von Otto von Bismarck gegen die katholische Kirche geführt wurde, sei der Kriegerverein, der in Vreden, nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Kaiserreiches mit rund 50 Kriegsteilnehmern gegründet wurde, höchst wahrscheinlich inaktiv geworden – das fanden die beiden Vredenerinnen heraus.

Kulturkampf ließ Kriegerverein ruhen

Die Bevölkerung in Vreden besaß im Jahr 1893 (Stadt Vreden 92,53 %) und Gemeinde Ammeloe (98,76 %) eine überwiegende katholische Konfession. Erst 1892, nach der Beilegung des Kulturkampfes, erwachte der Vredener Kriegerverein zu neuem Leben. Mitgliederversammlungen, Vorträge und gesellige Treffen sowie Kriegervereinsfeste fanden wieder statt.

Jugendgeschichtspreis Westmünsterland geht an Schülerinnen aus Vreden

Fürst OTTO VON BISMARCK (zeitgenössische Darstellung), Ministerpräsident von Preussen, hat die "Emser Depesche" für die Veröffentlichung gekürzt und verändert. Am 13. Juli 1870 hat das Telegramm den Weg zum neuen deutschen Kaiserreich frei gemacht und veränderte so das Gesicht Europas. ("Die 'Emser Depesche' veränderte das Gesicht Europas" vom 11.7.95) | © picture-alliance / dpa

„Die Geselligkeit stand wohl bei den Mitgliedern des Kriegervereines hauptsächlich im Vordergrund, erst mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das anders“, sagt Wiebke Ostendorf. Olivia Wielers fügt hinzu: „Der Höhepunkt des Kriegervereines war das Kriegervereinsfest und die Fahnenweihe im Jahr 1913, damit war der Kriegerverein nach einem langen Marsch im Kaiserreich angekommen, lautet unter anderem das Fazit unserer Facharbeit.“

Einundzwanzig Seiten plus Anhang und Quellenverzeichnis schrieben die beiden Mädchen über ihr besonderes Geschichtsthema mit lokalem historischen Bezug. Jetzt liegt ihre Facharbeit im Archiv vom Kult aus und ist für alle Interessierten öffentlich zugänglich.

Auszeichnung belohnt Arbeit

Mit großer Freude blicken Wiebke Ostendorf und Olivia Wielers nun auf die besonderen Erfahrungen beim Schreiben ihrer Facharbeit zurück. Beide heben hervor, dass sie durch ihre Auszeichnung darin bestätigt wurden, dass es sich gelohnt habe, sich mit einem besonderen Thema zu befassen.

Geschichte möchten die Gymnasiastinnen nach ihrem Abitur aber nicht studieren. Wiebke Ostendorf ist sich noch nicht ganz sicher, ob sie ein Medizin- oder Lehramtsstudium aufnehmen soll, und Olivia Wielers hat vor, Grundschullehrerin zu werden.

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