Der Kauf des gestohlenen Radladers wird das Amtsgericht noch einmal beschäftigen: Am Freitag war kein Dolmetscher vor Ort, der die Aussage des Geschädigten hätte übersetzen könne. © Stefan Grothues
Diebstahl in den Niederlanden

Hehlerei: 55-jähriger Vredener kauft gestohlenen Radlader

Ein besonders lukratives Angebot wurde einem 55-jährigen Vredener zum Verhängnis: Er kaufte einen gestohlenen Radlader. Von dem Diebstahl will er nichts gewusst haben.

Im vergangenen März kaufte ein 55-jähriger Vredener von einem Niederländer einen Radlader – zu einem erstaunlich günstigen Kurs: Das nur wenige Stunden gelaufene Gerät mit einem Neuwert von 45.000 Euro – so zumindest stand es in den Akten vor Gericht – wechselte für nur 25.000 Euro den Besitzer. Der Verkäufer legte sogar noch eine ältere Rüttelplatte oben drauf.

Und der Vredener schlug zu. Papiere oder auch nur den Ausweis des Verkäufers ließ er sich nicht zeigen. Den Kaufpreis zahlte er bar.

Dumm für ihn: Die Geräte waren nur wenige Tage zuvor in den Niederlanden von einer Baustelle gestohlen worden. Das brachte dem Mann einen Strafbefehl wegen gewerbsmäßiger Hehlerei ein. Er legte Widerspruch ein und landete am Freitag vor dem Ahauser Amtsgericht.

Vredener wurde stutzig und fragte beim Verkäufer nach

„Und Sie sind doch sogar stutzig geworden“, hielt der Richter dem Mann vor. Immerhin habe er ja nachgefragt, ob mit dem Fahrzeug alles in Ordnung sei. „Glauben Sie denn, dass der Verkäufer Ihnen auf diese Frage gesagt hätte, dass er den Radlader gestohlen hat?“, hakte der Richter nach.

Der Mann handelt nebenberuflich mit Baumaschinen. Dass das Fahrzeug gestohlen war, will er erst später erfahren haben. Außer der Nachfrage beim Verkäufer habe er nichts getan. Auch entsprechende Papiere ließ er sich nicht zeigen. Ein so weit in der Branche allerdings üblicher Vorgang, wie er erklärte.

Geringerer Wert, übliches Verfahren und kein Eigentumsnachweis

Der Verteidiger des Mannes warf sich in die Bresche: Sein Mandant habe ja eine Rechnung erhalten. Es sei auch durchaus üblich, bar zu zahlen. Außerdem liege der Neuwert der Maschine auch nur bei 34.000 Euro.

Und schließlich habe der Radlader keine Straßenzulassung und damit auch keinen so einfachen Eigentumsnachweis wie etwa ein Pkw. Die Frage nach der Herkunft des Radladers habe sein Mandant gestellt, weil er keine Lust auf Stress gehabt habe.

Und als ihm dann die Polizei auf die Schliche gekommen sei, habe er mit den Beamten in Deutschland und den Niederlanden ja auch eng zusammengearbeitet, um den Verkäufer der gestohlenen Maschinen zu überführen.

Richter: Vredener hatte nur das Geld im Blick

Der Richter nahm das zur Kenntnis, ließ es aber nicht so stehen: „In erster Linie hatte Ihr Mandant das Geld im Blick. Er hat zumindest in Kauf genommen, dass die Maschinen gestohlen sind“, hielt er ihm vor.

„Man fragt doch nicht ohne Grund nach, ob mit einem verkauften Gegenstand alles in Ordnung ist“, erklärte der Richter. In seinen Augen sei das ganz klar Hehlerei. Um den tatsächlichen Wert des Fahrzeugs gehe es dabei gar nicht.

Die Sache landete überhaupt vor Gericht, weil der 55-Jährige Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt hatte. 100 Tagessätze zu je 50 Euro hätte er zahlen müssen. „Die Zahl der Tagessätze ist durchaus angemessen, die Höhe bei Ihrem Einkommen aber viel zu niedrig“, taxierte der Richter. Er riet dem Mann eindringlich, seinen Einspruch zurückzuziehen.

Der wollte davon aber nichts wissen. Mehr noch: Er selbst sah sich als Geschädigter. Schließlich sei sein Geld ja auch weg. „Das ist Ihr Risiko, wenn Sie sich auf windige Personen einlassen und bar bezahlen“, knallte ihm der Richter vor die Brust.

Prozess wird neu aufgerollt, weil Dolmetscher fehlte

Am Ende wurde der Prozess dennoch vertagt: Der geschädigte Niederländer, der aussagen sollte, hätte dafür einen Dolmetscher benötigt. Der konnte am Freitag nicht spontan gestellt werden. Ende September geht der Prozess in eine neue Runde.

Allerdings erklärte sich der Vredener noch in der Verhandlung einverstanden, den gestohlenen Radlader an den eigentlichen Besitzer zurückzugeben. Auch das war bis dahin ein schwieriges Thema. Die Eigentümer hatten ihn deswegen schon zivilrechtlich verklagt.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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