Im Fürstenbusch ist am Montagmorgen noch eine dichte Schaumschicht auf dem Moorbach zu sehen. © Ludger Kremer
Gewässerverunreinigung

Gülle verschmutzt Moorbach und Ölbach auf mehreren Kilometern

Eine große Menge Gülle ist am Wochenende in den Moorbach gelangt. Auch im Ölbach war die Verschmutzung zu sehen. Ein Passant entdeckte zudem tote Fische. Gewässerverunreinigung ist eine Straftat.

Ein übler Geruch nach Gülle sorgte am Sonntag für einen größeren Einsatz am Moorbach in Vreden. Mehrere Passanten und Anwohner informierten am späten Nachmittag die Polizei, die Untere Wasserbehörde beim Kreis Borken und den Angelsportverein Vreden (ASV). Denn ganz offensichtlich wurde der kleine Bach massiv mit Gülle verschmutzt.

Ludger Kremer hat sich die Situation aus reinem Interesse vor Ort angeschaut und Fotos gemacht. „Das Wasser war ganz schwarz, an einigen Stellen waren Schlieren zu sehen und viel Schaum“, beschreibt der Angler und ehemalige Polizist. Eindeutige Zeichen für Gülle im Wasser, meint er.

Ölbach und Moorbach auf mehr als 15 Kilometern verunreinigt

Dem stimmt auch Alfons Wüpping, Vorsitzender des ASV, zu. Er war ebenfalls am Sonntagabend vor Ort. „Es war deutlich zu riechen. Außerdem hatte der Moorbach eine enorme Fließgeschwindigkeit, obwohl es keine großen Regenfälle gegeben hat“, erzählt er. Eigentlich ist der Bach eher ein kleines Rinnsal, vor allem bei der Trockenheit der letzten Monate.

Am Montag ist die Verschmutzung im Ölbach in Ellewick zu sehen – zahlreiche Kilometer von der mutmaßlichen Einleitungsstelle entfernt.
Am Montag ist die Verschmutzung im Ölbach in Ellewick zu sehen – zahlreiche Kilometer von der mutmaßlichen Einleitungsstelle entfernt. © Alfons Wüpping © Alfons Wüpping

Doch am Sonntag war der Bach so voll, dass Alfons Wüpping davon ausgeht, dass mehrere tausend Liter Gülle in das Gewässer gelangt sein müssen. Den Ursprung hat die Verschmutzung vermutlich in Wendfeld. Bis dahin konnten die Vereinsmitglieder nämlich die Anzeichen der Verunreinigung zurückverfolgen.

An der Kapelle Maria Brunn in Vreden mündet der Moorbach in den Ölbach. „Die Gülle wurde dort auch in den Ölbach gespült“, berichtet Alfons Wüpping. Am Montag waren sogar in Ellewick noch Schaum und Schlieren zu sehen. Damit wurden die Gewässer auf mehr als 15 Kilometer verunreinigt.

An der Kapelle Maria Brunn mündet der Moorbach in den Ölbach. Von rechts kommt im Bild der bis dahin noch sehr klare Ölbach, von links der verschmutzte Moorbach.
An der Kapelle Maria Brunn mündet der Moorbach in den Ölbach. Von rechts kommt im Bild der bis dahin noch sehr klare Ölbach, von links der verschmutzte und trübe Moorbach. © Ludger Kremer © Ludger Kremer

In Crosewick schließlich mündet der Ölbach in der Berkel. „Dort wird die Gülle dann hoffentlich so weit verdünnt, dass sie nicht mehr schädlich ist“, sagt Ludger Kremer.

Zahlreiche tote Fische im Ölbach entdeckt

Hannes Niestegge war am Montag zufällig mit dem Fahrrad unterwegs und hat am Ölbach eine Beobachtung gemacht. „An der Brücke an der Friederike-Nadig-Straße lagen 30 bis 40 tote Fische“, berichtet er. Vermutlich eine Folge der Gülle-Verschmutzung, meint auch Alfons Wüpping. Im Moorbach selbst leben nicht besonders viele Fische. „Aber es geht ja nicht nur um Fische, sondern um tausende Kleinlebewesen. Von der Verschmutzung ist das ganze Ökosystem, eine zusammenhängende Nahrungskette betroffen“, erklärt Alfons Wüpping.

Das Problem: „Wenn Gülle in ein Gewässer gelangt, ist das ein wahnsinniger Nährstoffeintrag, der im Wasser nichts zu suchen hat.“ Das Gewässer kommt aus dem Gleichgewicht, zahlreiche Tiere überleben das nicht. Alfons Wüpping schätzt, dass der Moorbach nach dieser Verschmutzung nun für ein halbes bis dreiviertel Jahr komplett tot sein wird.

Polizei und Untere Wasserbehörde waren im Einsatz am Moorbach

Die Polizei war am Sonntagabend ebenfalls im Einsatz. „Doch die Kollegen konnten vor Ort nichts sehen oder riechen“, berichtet Polizeipressesprecher Frank Rentmeister. Der Bereitschaftsdienst der Unteren Wasserbehörde hingegen hat die Verschmutzungen gesehen, sagt Ellen Bulten, Pressesprecherin beim Kreis Borken. „In der Dunkelheit konnte jedoch keine Einleitungsstelle ausfindig gemacht werden.“

Stellenweise bilden sich auf dem Moorbach dicke Schaumschichten.
Stellenweise bilden sich auf dem Moorbach dicke Schaumschichten. © Lduger Kremer © Lduger Kremer

Die Suche wurde deswegen am Montag fortgesetzt. „Wir haben eine mutmaßliche Einleitungsstelle gefunden. Was passiert ist, wie viel Gülle in den Bach gelangt ist und wie es nun weitergeht, wird gerade geprüft“, so Ellen Bulten.

Gewässerverunreinigung ist eine Straftat

Die Verunreinigung eines Gewässers ist eine Straftat nach Paragraph 324 Strafgesetzbuch – auch wenn sie nicht absichtlich, sondern fahrlässig erfolgt ist. Für eine fahrlässige Gewässerverunreinigung ist eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vorgesehen.

Ungewöhnlich ist eine Verschmutzung mit Gülle übrigens auch in Vreden nicht, berichtet Alfons Wüpping. „Das kommt immer mal wieder vor.“ Ihm ist aber auch wichtig, nicht alle Landwirte pauschal zu beschuldigen: „Es gibt viele Landwirte, die sehr gute Arbeit machen und sich sehr viel Mühe geben.“

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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