Der Geldautomat war in einem kleinen Häuschen auf dem Parkplatz untergebracht, das bei der Sprengung komplett zerstört wurde. © Victoria Garwer

Geldautomat gesprengt: Täter lassen scharfen Sprengstoff am Tatort zurück

Den Geldautomaten an der Zwillbrocker Straße haben Unbekannte in der Nacht zu Dienstag gesprengt. Ein nicht detonierter Sprengsatz ist dabei zurückgeblieben. Das sorgte für einen Großeinsatz.

Rot-weißes Absperrband flattert im Wind. Das Blaulicht von mehreren Streifenwagen blinkt, Polizisten in Warnwesten leiten die Auto- und Radfahrer um. Am Dienstagmorgen ist die Zwillbrocker Straße weiträumig gesperrt, genau wie der Edeka-Markt, das Bestattungsunternehmen, das Blumengeschäft und der komplette Friedhof.

In der Nacht haben Unbekannte den Geldautomaten auf dem Parkplatz des Supermarktes gesprengt. Doch das allein ist nicht der Grund für die großflächige Sperrung. „Es wurde ein verdächtiger Gegenstand gefunden. Wir gehen davon aus, dass es sich um Sprengstoff handelt, der nicht detoniert ist“, sagt Dietmar Brüning von der Polizeipressestelle am Dienstagmorgen vor Ort.

Die Einsatzkräfte vor Ort haben bei diesem Fund sofort die Umgebung evakuiert, Bewohner in der Nähe wurden gebeten, in ihren Häusern zu bleiben. Auch die Polizisten betreten den Sperrbereich in den ersten Stunden des Dienstages nicht. „Wir haben die Sprengstoffexperten vom Landeskriminalamt in Düsseldorf hinzugezogen“, sagt Dietmar Brüning.

Diese kommen um kurz vor 9 Uhr an der Zwillbrocker Straße an. Der weiße Lkw mit Polizei-Aufschrift nähert sich langsam dem völlig zerstörten Häuschen. Zwei schwarz gekleidete Männer steigen über die Trümmerteile, schauen sich alles genau an. Rund eine halbe Stunde später rufen sie ihre Kollegen hinzu.

Experten lassen Sprengstoff kontrolliert detonieren

„Es handelt sich tatsächlich um scharfen Sprengstoff. Es riecht in der direkten Umgebung auch sprengstofftypisch“, sagt Dietmar Brüning nach der Besprechung. „Die Sprengstoffexperten werden ihn nun kontrolliert unschädlich machen.“

Dazu bringen die Experten das gefundene Päckchen auf ein Feld in der Nähe der Zwillbrocker Straße. Ein Transport bis nach Düsseldorf zum LKA wäre zu gefährlich, heißt es. Sie graben den Sprengstoff ein und lassen ihn detonieren. Zu sehen ist davon vom Rand der Sperrzone aus nichts. Doch um kurz vor 10 Uhr knallt es plötzlich und eine Rauchwolke steigt in den Himmel. „Das war’s“, sagt ein Polizist und bereitet sich auf die Öffnung der Sperrung vor.

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Geldautomat gesprengt

Ein paar Minuten später ist der Weg zum Supermarkt wieder frei. Der Geldautomat war in einem kleinen Häuschen auf dem Parkplatz untergebracht. Von diesem Häuschen ist fast nichts mehr übrig. Trümmerteile liegen über den gesamten Parkplatz verteilt: Metallteile, Holz, zersplitterte Glasscheiben, Folie, Dämmmaterial, Kabelreste. Die Tür des Supermarktes, die rund 50 Meter entfernt liegt, wurde bei der Explosion beschädigt. Ein Wohnhaus, das deutlich näher dran steht, scheint auf den ersten Blick keinen Schaden genommen zu haben.

In der Nacht zu Dienstag hatten Anwohner gegen 3 Uhr eine Explosion gehört und daraufhin die Polizei informiert. Die Polizei leitete noch in der Nacht eine Fahndung ein. Auch ein Hubschrauber wurde dabei eingesetzt. „Die Fahndung blieb bislang ohne Erfolg“, sagt Dietmar Brüning am Dienstagmorgen. Wer verdächtige Personen, Fahrzeuge oder Umstände beobachtet hat, wird gebeten, sich an die Polizei unter Tel. (02861) 9000 zu wenden.

Mehrere Sprengungen in Vreden in den vergangenen Jahren

In Vreden kam es schon häufiger zu Automatensprengungen. Im September 2020 hatten es Täter auf die Automaten in einer Tankstelle an der Bahnhofstraße abgesehen. Im Juni 2020 hat eine Explosion in der Vredener Innenstadt für massive Schäden gesorgt. Im Mai 2016 war ein Geldautomat an der Winterswyker Straße Ziel von Räubern.

Dass gerade Vreden immer mal wieder mit solchen Automatensprengungen zu tun hat, sei kein Zufall, sagte ein Polizeisprecher schon nach dem letzten Vorfall. Grund dafür sei die direkte Grenzlage. „Das können wir landauf, landab in den Orten an der Grenze beobachten“, so der Sprecher. „Die Täter denken, sobald sie über die Grenze sind, sind sie in Sicherheit. Was natürlich nicht stimmt.“ Denn die Polizei arbeite durchaus grenzüberschreitend zusammen.

Am Dienstagnachmittag teilt die Polizei mit, dass der Sachschaden auf rund 100.000 Euro geschätzt wird. „Beute haben die Täter nicht gemacht. Die Geldkassette war noch im Automaten“, sagt Dietmar Brüning. Um kurz vor 12 werden alle Sperrungen aufgehoben. Der Supermarkt ist seitdem wieder geöffnet.

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Stephan Rape
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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