Frühlingshafte Temperaturen im Januar: Vredener Gärtnermeister schlägt Alarm

dzSonnenschein im Januar

Während die einen sich über die milden Temperaturen zum Jahresbeginn freuen, schlagen einige Fachleute Alarm. Auch der Vredener Gärtnermeister Jan-Bernd Benning macht sich Sorgen.

Vreden

, 16.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mittagspause im Stadtpark, Cappuccino auf der Terrasse, Sonnenbrillen überall: Bis zur Wochenmitte bescherte „Wettergott“ Petrus den Vredenern einen Hauch von Frühling. Und das Mitte Januar. Während sich ein Großteil der Menschen über die ersten Sonnenstrahlen des Jahres freut, schrillt bei vielen Fachleuten die Alarmglocke.

Der Naturschutzbund (Nabu) warnte zum Beispiel davor, dass die für diese Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen von mehr als zehn Grad bei Tieren zum frühzeitigen Erwachen aus dem Winterschlaf führen könnten. Doch nicht nur die Tiere reagieren auf das Wetter, sondern auch die Pflanzenwelt. „Die Natur ist erwacht. Die Knospen sind etwas dicker, der Rasen ist saftig grün und auch die Haselnuss blüht ungewöhnlich früh“, berichtet Martin Terbrack, Leiter des städtischen Bauhofs. Einen größeren Grund zur Sorge sieht er allerdings noch nicht.

Gärtnermeister schlägt Alarm

Bei „Bensa Forstbaumschulen“ in der Bauerschaft Großemast sieht das anders aus. Inhaber und Gärtnermeister Jan-Bernd Benning schlägt Alarm: „Diese Temperaturen bereiten uns große Sorgen. Die Zeit, in der wir unsere Pflanzen verkaufen können, ist durch das veränderte Klima deutlich verkürzt.“ Dafür sorgt aktuell neben den hohen Temperaturen auch der Regen, der im Sommer so schmerzlich vermisst wurde.

„Die Pflanzen treiben deutlich früher und werden sehr schnell grün“, so Benning. Da „Bensa Forstbaumschulen“ sich auf Waldpflanzen spezialisiert hat und diese fast ausschließlich wurzelnackt – also ohne Ballen und Laub – angeboten werden, ist das ein großes Problem. „Wenn wir grüne Pflanzen mit fast schon offenen Knospen verkaufen und sie dann verpflanzt werden, gehen sie zu 80 Prozent ein. Das ist für den Kunden genauso unbefriedigend wie für uns“, klagt Jan-Bernd Benning.

Keine neue Problematik

Neu ist die Problematik für den Gärtnermeister nicht. Schon im Vorjahr konnten in der Kürze der Zeit nicht alle geplanten Flächen aufgeforstet werden. „Wenn die Pflanzen zu schnell grün werden, kommen wir mit den Aufträgen nicht nach“, sagt Benning. Deshalb habe seine Baumschule das Angebot mittlerweile angepasst.

„Wir haben geschaut, welche Pflanzen die Klimaveränderung besser ertragen können. Riesen-Lebensbäume, Douglasien, Roteichen, Esskastanien werden mit heimischen Baumarten wie Stieleiche, Lärche und Rotbuche gemischt. Diese Mischung hat sich in dieser Hinsicht als robust erwiesen“, erklärt Benning. Anders als die Fichte, die unter den vergangenen beiden Sommern extrem litt.

Ob es sich beim eingeschlagenen Weg um den Königspfad handelt, wagt der Gärtnermeister nicht zu sagen. Denn: „Wir müssen auch immer damit rechnen, dass es auch mal wieder einen kalten Winter oder kühlen Sommer gibt.“ Aktuell hofft er nun erstmal auf leichten Frost in der Nacht und tagsüber auf Temperaturen um die zwei Grad plus. „Damit die Natur möglichst lange geschlossen bleibt und die Blätter nicht austreiben.“ Denn sonst droht ein ähnliches Szenario wie im vergangenen Sommer. Dort mussten zahlreiche Pflanzen, die bereits ausgetrieben waren, vernichtet werden.

Ludger Schwering: „Das Wetter ist ganz normal.“

Ludger Schwering, Geschäftsführer von „Blumen Schwering“, sieht hingegen keinen Grund zur Besorgnis. Auf Anfrage erklärt er: „Das Wetter ist für einen Januar ganz normal. Klar, die ersten Pflanzen kommen aus dem Boden, aber sie fangen nicht an zu blühen. Mir wird zu viel Theater um dieses Thema gemacht.“

Schon in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren sei der Jahresbeginn relativ mild gewesen. „Die kalte Jahreszeit kommt erst Ende Januar und dauert dann bis zum März“, sagt Ludger Schwering und verweist auf den Wetterbericht. Laut diesem soll es in der nächsten Woche schon wieder frieren.

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