Kinder in Corona-Zeiten unterstützen und sie nicht allein im Regen stehen lassen. © Symbolfoto: Unsplash
Lobby für Kinder

Freizeitangebote für Kinder auch in Corona-Zeiten schaffen und pflegen

Sophia Thünte, Sozialpädagogin des Caritasverbandes, hat das Gefühl, dass die Kinder in Coronazeiten eine größere Lobby gebraucht hätten. So sieht das auch die Psychologin Nele Warner-van Schie.

Selbst wenn es in Ahaus zurzeit wenig Meldungen an Kindeswohlgefährdung gibt, bleibt die Sorge um Kinder präsent. Sophia Thünte, Sozialpädagogin in der Erziehungsberatungsstelle der Caritasverbandes Ahaus-Vreden, hat das Gefühl, dass die Kinder in Coronazeiten eine größere Lobby gebraucht hätten. Die Erziehungsberatungsstelle bietet Unterstützung für Familien in Ahaus, Stadtlohn und Vreden sowie in den umliegenden Gemeinden an.

Kinder bei Öffnungsschritten mehr beachten

Sophia Thünte hat in ihrer Arbeit beobachtet, dass Eltern sehr unterschiedlich mit den Auflagen umgegangen sind: Während die einen Kinder mit anderen spielen durften, hielten sich andere Eltern streng an die Regeln und mussten ihrem Kind erklären, warum das in ihren Augen nicht geht. Sophia Thünte ist es wichtig, dass die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei den Öffnungsschritten mehr gesehen werden.

Sophia Thünte, Sozialpädagogin der Caritas Ahaus, hilft den Kindern und Familien durch die schwere Zeit.
Sophia Thünte, Sozialpädagogin der Caritas Ahaus, hilft den Kindern und Familien durch die schwere Zeit. © privat © privat

Mehr Transparenz gegen Verunsicherung

Sie empfiehlt, genauer hinzuschauen und transparenter zu machen, wo was für Kinder möglich ist. So spürt sie oft eine große Verunsicherung seitens der Eltern. Keiner wisse genau, was erlaubt sei. Mittlerweile sind Begegnungen vor Ort bei der Caritas unter den bekannten Hygienevorschriften wieder möglich. „Nach meinem Empfinden nutzen die Kinder die Maske als Rückzugsort. Man bleibt im Gespräch mehr auf Distanz, weil die Mimik kaum lesbar ist“.

Freizeitangebote ermöglichen

Vordergründig kamen Kinder mit anderen Themen zu ihr. Mit Schwierigkeiten in der Schule. Schwierigkeiten durch eine Scheidung. Jetzt ist Corona Thema Nummer 1. Selbst wenn sie vorher in der Schule Schwierigkeiten hatten, sehnen sie sich jetzt doch nach dem gemeinsamen Lernen im Klassenverbund. Digitaler Unterricht reiche bei Weitem nicht aus und ersetzt das persönliche Gespräch sowohl zu Schulkameraden als auch zu Lehrern nicht. „Der Weg zu Lösungen wird erschwert, wenn wichtige Ressourcen wie Freizeitangebote und Gespräche mit Lehrern und Sozialpädagogen nicht so, wie gewohnt, möglich sind“, meint sie.

„Es gibt zwar Beratungs-, aber nicht ausreichend intensive Hilfsangebote“

Momentan sei es schwierig, an Hilfsangebote zu kommen, erklärt auch Psychologin Nele Warner-van Schie aus Ahaus: „Es gibt zwar Beratungs-, aber nicht ausreichend intensive Hilfsangebote“, kritisiert sie. Auch für den Schulunterricht müssten einheitliche Regeln geschaffen werden.

Einheitliche Regelung für Schulen

Noch wirke es, als sei jede Schule auf sich gestellt, was das täglich Lernpensum im Distanzunterricht betrifft. Aufgrund der Pandemie sei das psychische Wohlbefinden der jungen Menschen aber in den Hintergrund gerückt und lange vernachlässigt worden: „Viele Familien gehen auf dem Zahnfleisch“, meint die Psychologin. „Vor allem sehe ich bei zahlreichen jungen Menschen einen rasanten Anstieg beim Medienkonsum, der beobachtet werden muss, um nicht in eine Sucht auszuarten“, sagt sie weiter.

Kontrollverlust innerhalb der Gesellschaft

Manche Patienten steigern sich in die Ängste hinein, weil sie viel mehr Zeit haben, sich mit ihren Sorgen zu beschäftigen. Ihre Sorgen rücken durch den Kontrollverlust in der Gesellschaft stärker in den Fokus: „Durch Corona entsteht bei vielen das Gefühl, selbst keine Kontrolle mehr in der Gesellschaft zu haben“, erklärt Nele Warner-van Schie weiter. Da jeder zumindest auf die eigene Ernährung Einfluss hat, entwickeln jugendliche Mädchen vermehrt Essstörungen wie Anorexie, Appetitlosigkeit.

Persönliches Miteinander entscheidend

„Ich wünsche den Kindern, dass nicht nur auf ihre Leistung geschaut wird, sondern auch darauf, dass sie das persönliche Miteinander aufholen können“, betont Sophia Thünte. Was in ihren Augen schön war: „Die Eltern hatten durch den Lockdown mehr Zeit, ihre Kinder im Alltag zu sehen und sie beim Homeschooling und Lernverhalten besser kennenzulernen“, erinnert sie sich.

Probleme im Familienkreis

„Vieles bleibt durch Corona leider auf der Strecke, wie das Frühwarnsystem in Schulen und Kitas, was zum Einsatz kommt, wenn Lehrer oder Erzieher Probleme im Familienkreis beobachten“, erklärt auch Dieter Homann, Sozialpädagoge des Caritasverbandes. Sicher habe der Lockdown Spuren bei den Kindern hinterlassen. Die Zeit nach dem Lockdown wird nun Aufschluss geben, wie die junge Generation dem Alltag begegnen werde, ohne auf verschlossene Türen zu stoßen.

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