Bei Jugendlichen wird der Beruf des Fleischers heutzutage immer unbeliebter. © picture alliance/dpa
Traditionsfleischerei

Fleischereien verschwinden aus Vreden – an Nachfrage mangelt es jedoch nicht

Fleischerei Kömmelt hat am 1. Februar sein Geschäft aufgegeben. Die Landmetzgerei Krandick hat schon vor einigen Jahren ihre Fleischtheke abgeschafft. In beiden Fällen hat es einen ähnlichen Grund.

Anfang Februar hat mit der Fleischerei Kömmelt einer der letzten Traditionsmetzger in Vreden seine Türen für immer geschlossen. Von dem großen Angebot, das es einmal in der Stadt gab, ist nicht mehr viel übrig. In der Innenstadt gibt es keinen einzigen Metzger mehr. Aber woran liegt der Rückgang?

An der Fleisch-Nachfrage scheint es oftmals nicht zu liegen. Das war auch bei Paul Kömmelt nicht der Grund für seine Ladenschließung. Das größere Problem scheint die Personalfrage darzustellen. „Man braucht einen Meister im Betrieb, um Fleisch verkaufen zu dürfen“, sagt Markus Krandick, Restaurantfachmann in Vreden. „Das wissen viele Leute nicht. Ein Fleischereifachverkäufer reicht nicht.“

Fleischverkauf auf Bestellung spart Personal, das es kaum gibt

2019 haben sich das Restaurant vom Haus Terrahe und die Landmetzgerei Krandick zusammengeschlossen. Gemeinsam betreiben sie KDC, das steht für Krandick und Dingslaken Catering. Im Zuge dessen wurde die Frischetheke der Landmetzgerei abgeschafft. Fleisch gibt es jetzt nur noch auf Bestellung. Denn dadurch kann Fachpersonal eingespart werden, das es kaum gibt.

Allein die Fleischtheke vor Ladenbeginn ein- und nach Ladenschluss auszuräumen, dauert jeweils eine Stunde. „So hat man einen enormen Aufwand, eine Fleischtheke frisch zu halten. Jetzt haben wir das Fleisch in der Kühlung und können es auf Bestellung frisch aufschneiden und rausgeben“, so Markus Krandick. Das spart Zeit, Personal und es wird weniger Fleisch weggeschmissen.

Trotzdem wollten viele Kunden sehen, was sie kaufen. „Die Kunden möchten das Fleisch in der Theke sehen, aber das ist viel Aufwand.“ Mittlerweile haben sich die Vredener daran gewöhnt. „Das Angebot wird jetzt gut angenommen.“ Somit war die Betriebsumstellung für KDC die richtige Entscheidung.

Noch hat der Betrieb einen Fleischer in der Familie. „Mein Vater ist Metzgermeister. Der ist jetzt 67 Jahre alt. So lange er noch fit ist, kann es so wie jetzt weiterlaufen“, sagt Markus Krandick. „Aber einen gelernten Metzgermeister auf dem Land zu finden, ist schwierig.“

Fleischer-Ausbildung ist bei Jugendlichen heutzutage unbeliebt

Denn mittlerweile will den Job kaum noch jemand machen. Die Zahlen der Handwerkskammer Münster zeigen, dass es vor zehn Jahren 37 Fleischer-Lehrlinge im Kreis Borken gab, 2020 hingegen mit 20 Lehrlingen nur noch etwa die Hälfte. Dabei scheint die Zahl der Fleischerbetriebe im Kreis nicht so stark zu sinken. Im Jahr 2010 gab es 97 Fleischerbetriebe, zehn Jahre später 80.

Das hat jedoch einen anderen Grund. „Unter den Fleischerbetrieben sind viele Supermärkte, die eher Fachverkäufer brauchen als Fleischer in der Produktion und entsprechend weniger ausbilden“, sagt Vera von Dietlein, Pressereferentin der Handwerkskammer Münster. „Anders ist die Situation in den eingesessenen Familienbetrieben, deren Zahl aber im Laufe der Zeit gesunken ist. Für sie wird es auch schwieriger, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, weil sich weniger Jugendliche für den Beruf interessieren.“

„Als Metzger muss man morgens früh anfangen, um das Fleisch frisch und mit Qualität liefern zu können. Es gibt wenig Flexibilität“, sagt Markus Krandick. „Viele junge Leute wollen sich da nicht mehr drauf einlassen.“

Noch gibt es frisches Fleisch vom Metzger in Vreden. Bei KDC beispielsweise auf Bestellung. Auch die Landmetzgerei Wesseler verkauft regionales Fleisch. Ebenfalls bei den Supermarktketten K+K oder Edeka können die Vredener weiterhin Fleisch an der Fleischtheke kaufen.

Über die Autorin
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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

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