Franz und Gisela Tenhagen sind seit 50 Jahren verheiratet. © Anne Rolvering
Goldhochzeit Tenhagen

Felicitasmedaillen-Träger Franz und Gisela Tenhagen feiern Goldhochzeit

Das Ehepaar Franz und Gisela Tenhagen kann am 5. Februar auf 50 gemeinsame Jahre zurückblicken. Im Jahr 2002 wurden die beiden von der Stadt Vreden mit der Felicitasmedaille ausgezeichnet.

Gisela und Franz Tenhagen sind am 5. Februar seit 50 Jahren verheiratet. Ihre Goldhochzeit können die Vredener aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht feiern. Aber sie haben allen Grund zur Freude, denn sie sind 50 Jahre Seite an Seite durchs Leben gegangen und haben sich langjährig ehrenamtlich engagiert. Die beiden Mitglieder der KAB St. Marien wurden im Jahr 2002 für ihren Einsatz bei der Hilfsaktion „Tschernobyl – Kinder in Not“ von der Stadt Vreden mit der Felicitasmedaille ausgezeichnet.

Gisela und Franz Tenhagen lernten sich in Holtwick kennen. Nachdem Franz Tenhagen seine Tischler-Ausbildung bei Dula in Vreden absolviert hatte, arbeitete er in Holtwick bei der Schreinerei Averbeck. Damals wohnte er im „Kosthaus“ der Halbschwester seiner jetzigen Ehefrau. „Dort lernte ich Gisela kennen, die aus Billerbeck stammt. Deshalb fand unsere Hochzeit im Jahr 1971 in Billerbeck statt“, erzählt der 73-Jährige.

Hochzeitstanz zu Beginn des Festes

Nach der Trauung und einem Frühstück bei seinen Schwiegereltern fuhr die gesamte Hochzeitsgesellschaft nach Vreden. „Wir feierten in der Gaststätte Ameling. Das Fest begann überraschenderweise direkt mit unserem Hochzeitstanz“, erinnert sich Gisela Tenhagen, die vor der Hochzeit den Namen Schürmann trug.

Nach ihrer Hochzeit arbeitete sie in der Küche des Vredener Krankenhauses und kümmerte sich anschließend um die Erziehung ihrer drei Kinder und um den Haushalt. Später arbeitete sie mehrere Jahre in einem Lebensmittelgeschäft.

Franz Tenhagen war nach seiner Tätigkeit in Holtwick ein halbes Jahr in Unna beschäftigt, danach bei Uppenkamp in Legden und arbeitete von 1986 bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter im Jahr 2007 bei Hülsta in Ottenstein.

Franz Tenhagen übernahm mit viel Freude und großem Engagement von 1993 bis 2013 – dem 50-jährigen Jubiläum der KAB St. Marien – den Vorsitz des Vereins. Aus Krankheitsgründen musste er damals aus dem Vorstandsamt ausscheiden. Gisela Tenhagen (70) ist langjähriges Mitglied der KFD St. Marien und Bezirkshelferin.

Bunter Nachmittag und Hilfsorganisation für Tschernobyl

Mit Franz Tenhagen als Vorsitzendem organisierte die KAB St. Marien im Jahr 1993 den ersten „Bunten Nachmittag“ zugunsten der Hilfsaktion „Tschernobyl – Kinder in Not“. Zudem brachten die Helfer der KAB St. Marien jedes Jahr dringend benötigte Güter mit mehreren LKW nach Mogilev in Weißrussland.

„Beim ersten Hilfstransport im Jahr 1996 lieferten wir unter anderem rund sechs Tonnen dringend benötigte Medikamente zu den von der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe betroffenen Menschen in Weißrussland“, blickt Franz Tenhagen zurück.

Erholung für 40 Mädchen und Jungen

„Die Kindererholungsmaßnahmen begannen im Mai 1994. Damals waren zum ersten Mal 40 Mädchen und Jungen mit fünf Begleitpersonen aus Weißrussland für vier Wochen bei Gasteltern in Vreden untergebracht“, erinnert sich Franz Tenhagen.

584 Mädchen und Jungen aus Mogilev und den Dörfern Guslitsche und Brilly konnten sich in Vreden von 1994 bis 2007 von den gesundheitlichen Folgen der Tschernobylkatastrophe erholen, Kraft tanken und neuen Lebensmut schöpfen. „Nebenbei haben sie in Vreden erfahren, was Liebe, Sauberkeit und Fleiß bewirkt. Das hat sie für ihr ganzes Leben geprägt. Heute blühen vor den Häusern dieser Kinder Blumen statt Brennnesseln“, freuen sich Gisela und Franz Tenhagen.

14 Mal von Weißrussland nach Vreden und zurück

Gemeinsam begleiteten sie die Kinder bei allen 14 Erholungsmaßnahmen im Bus auf dem Weg nach Vreden und zurück nach Weißrussland. Das war jedes Mal eine Fahrt von rund 2000 Kilometern. „Heute könnte ich das nicht mehr“, sagt Gisela Tenhagen. Die Organisation der Kindererholungsmaßnahmen war damals sehr zeitaufwendig und während der Erholungsmaßnahmen seien beide Ansprechpartner für alle Probleme gewesen. „Wir hatten immer einen der Betreuer bei uns im Haus, deshalb konnte er als Dolmetscher helfen“, erklären Franz und Gisela Tenhagen.

Zu Besuch bei „ihren“ Kindern

Trotz aller Schwierigkeiten sei das für sie eine schöne Zeit gewesen. Genauso wie die sechs gemeinsamen Fahrten mit Gasteltern nach Weißrussland, die „ihre Kinder“ besuchen wollten. „Bei unserer Ankunft in Mogilev und den umliegenden Dörfern sind uns jedes Mal junge Erwachsene um den Hals gefallen. Wir haben sie meistens nicht sofort erkannt. Erst wenn sie uns sagten, dass sie ehemalige Gastkinder waren, wussten wir Bescheid“, sagt das Ehepaar Tenhagen.

Heute noch telefonieren sie regelmäßig mit dem damaligen Betreuer Wladimir Taborko, der oft bei ihnen gewohnt hat. Aus Angst vor dem Abhören der Telefonate würde er aber nicht über die derzeitige politische Lage in Weißrussland sprechen. Gisela und Franz Tenhagen denken gerne an die Kindererholungsmaßnahmen zurück: „Die Dankbarkeit der Familien war riesengroß, das hat uns sehr viel gegeben.“

Spaziergänge, Fahrradtouren und Gesang

Ihre gemeinsame Freizeit im Ruhestand verbringen Gisela und Franz Tenhagen oft mit Spaziergängen und Fahrradtouren. Sie hoffen, dass die Proben des Kirchenchores St. Marien und St. Bruno Lünten bald wieder stattfinden können. Denn beide sind begeisterte Sänger und bereits seit 34 Jahren Chormitglieder.

Zur Goldhochzeit gratulieren dem Jubelpaar Tenhagen ganz besonders die drei Kinder und Schwiegerkinder, sechs Enkel, alle Verwandten, Freunde und Bekannten.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Jahrgang 1965, fotografiert und schreibt seit 1999 als freie Mitarbeiterin für die Münsterland-Zeitung/Lokalredaktion Vreden. Menschen, Ehrenamt, Soziales, Politik, Geschichte, Natur, Kunst und Kultur sind ihre Lieblingsthemen.
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