Um diese Bäume an der Otto-Hahn-Straße geht es. Die größeren Laubbäume an der Straße müssen für einen neuen Radweg weichen. © Markus Gehring
Artenschutzgutachten

Fällarbeiten an der Otto-Hahn-Straße: Fledermäuse verlieren Brutplätze

Die Grünen und der Nabu machen sich Sorgen um die Fledermäuse, wenn das Wäldchen an der Otto-Hahn-Straße gefällt wird. Die Verwaltung sieht sich jedoch im Recht.

Noch einmal hat der Ausbau der Otto-Hahn-Straße den Bau-, Planungs- und Umweltausschuss beschäftigt. Die Fraktion der Grünen hatte eine Neuberatung beantragt und die Verwaltung musste in einem Kritikpunkt einen Fehler eingestehen.

Die Grünen kritisieren in ihrem Antrag, dass dem Ausschuss bei der Beratung zum Ausbau der Straße kein Artenschutzgutachten vorgelegt wurde. Erst später, als es um den Bebauungsplan für diesen Bereich und den Bebauungsplan an der Pirolstraße ging, gab es ein entsprechendes Gutachten.

Das bestätigte Fachbereichsleiter Joachim Hartmann in der Sitzung. „Vorher war das nicht notwendig“, sagte er und begründete das mit der Art des Verfahrens. „Kann sein, dass es nicht vorgeschrieben ist, aber es wäre angemessen gewesen“, entgegnete Gerd Welper (Grüne).

Brutplätze für Fledermäuse gehen verloren

Auf jeden Fall holte die Verwaltung das Versäumnis nun nach. Eigentlich sollte in der Sitzung der Verfasser des Artenschutzgutachtens die Sachlage darstellen, doch er war krankheitsbedingt verhindert. Deswegen übernahm Joachim Hartmann diesen Part.

Konkret ging es darum, dass das kleine Wäldchen an der Kreuzung Otto-Hahn-Straße/Ringstraße gefällt werden soll. Nur die Baumreihe entlang des kleines Bachs bleibt erhalten. Die größeren Laubbäume an der Straße müssen für einen neuen Radweg weichen.

„Brut- und Wohnhabitate für Fledermäuse gehen dadurch verloren“, sagte Joachim Hartmann. Dafür soll es Ausgleichsmaßnahmen geben. „Aber die Experten sind sich einig, dass die Leitstrukturen für die Fledermäuse erhalten bleiben.“ Die Stadt verstoße deswegen auch nicht gegen das Naturschutzgesetz.

Nabu sieht Widerspruch in zwei Gutachten

Der Nabu sieht das anders. Kurz vor der Sitzung hatte Chriss Hintermann, Projektleiterin beim Kreisverband Borken, eine Stellungnahme eingereicht. „Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die ökologische Funktion im räumlichen Zusammenhang erhalten bleibt“, heißt es in dem Schreiben.

Chriss Hintemann weist darauf hin, dass es zwei Gutachten gibt, die beide einen klaren Fehler enthalten. Eines beschäftigt sich mit den Planungen zum Projekt Gaxelino und dem Neubaugebiet Pirolstraße. Darin wird davon ausgegangen, dass in direkter Nähe noch weitere Gehölze für die Fledermäuse vorhanden seien – so auch das Wäldchen an der Otto-Hahn-Straße – das aber ja gefällt werden soll. Das Gutachten für die Otto-Hahn-Straße wiederum geht ebenfalls davon aus, dass die Gehölze im Gebiet Pirolstraße erhalten bleiben.

„Sobald eines des betreffenden Vorhaben umgesetzt wird, ist also damit zu rechnen, dass bei dem anderen Vorhaben artenschutzrechtliche Verbotstatbestände ausgelöst werden“, schreibt Chriss Hintemann.

Verwaltung: „Gutachten widersprechen sich nicht“

Dem widersprach Joachim Hartmann. Es sei richtig, dass es zwei unabhängige Gutachten von unterschiedlichen Büros gibt. „Aber beide Gutachten wurden in dem Wissen erstellt, dass im Nachbargebiet etwas entnommen wird. Sie widersprechen sich nicht“, sagte der Fachbereichsleiter. „Die Leitstrukturen für Fledermäuse bleiben trotz der verschiedenen Projekte erhalten.“

Elmar Kampshoff (UWG) fragte noch einmal nach: „Ist diese Position rechtssicher?“ Von Joachim Hartmann gab es dazu ein klares Ja.

Die Maßnahmen befanden sich zum Zeitpunkt der Diskussion im Ausschuss bereits in der Ausschreibung. Einige Tage später kündigte die Stadt an, dass die Gehölzpflege- und Fällarbeiten schon sehr bald durchgeführt werden. Die Otto-Hahn-Straße wird zu diesem Zweck vom 1. bis 4. Februar auf der gesamten Länge von der Ringstraße bis zum Industriegebiet gesperrt. Das gleiche gilt für den Radweg entlang der Straße. Eine Umleitung wird eingerichtet.

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