Ein Kirmeskind berichtet: Jetzt zeigt sich, wie viel die Kirmes bewegt

dzKolumne

Die Vredener Kirmes muss in diesem Jahr ausfallen. Unserer Redakteurin, ein waschechtes Kirmeskind, schreibt in einer Kolumne über das blutende Kirmes-Herz und einen Hoffnungsschimmer.

Vreden

, 05.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich bin ein waschechtes Kirmeskind. Ich liebe das Durcheinander von Musik, Karussellansagen und tausenden Stimmen. Ich kann nicht genug bekommen von Champignons mit Knoblauchsoße, Twister-Pommes, frittiertem Brokkoli und Crepes. Ich genieße es, Leute zu treffen, die man nur auf der Kirmes trifft – und zwar immer an derselben Stelle.

Ich liebe das Gedränge, die völlig euphorischen Kinder, den Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, die verrückten Ideen, die komischerweise immer am Autoscooter aufkommen, die Reizüberflutung, das Tanzen auf der Straße – zur Not auch im Regen. Und beim Feuerwerk zum Abschluss kommt immer ein bisschen Wehmut auf.

Diskussionen über Becher und Öffnungszeiten fehlen

Diese Wehmut spüre ich in diesem Jahr schon seit Wochen. Denn die Kirmes kann nicht stattfinden. Das ist angesichts der immer noch andauernden Pandemie vernünftig, keine Frage. Aber das Kirmes-Herz blutet.

Normalerweise hätte ich in dieser Woche über kaum ein anderes Thema berichtet. Ich hätte das Programm vorgestellt und auf Karten gezeigt, wo welches Karussell steht. Ich hätte mit Schaustellern gesprochen, Kindergärten bei ihrem traditionellen Aufbau-Rundgang durch die Innenstadt begleitet oder die mitreisenden Helfer interviewt.

Vielleicht hätte es auch wieder eine Diskussion um die Art der Becher gegeben. Oder um die Öffnungszeiten, die für die einen viel zu kurz und für die anderen viel zu lang sind.

Über all das brauchen wir uns in diesem Jahr keine Gedanken machen. Schade eigentlich. Denn egal, was man von diesen Diskussionen halten möchte: Sie zeigen, dass uns Vredener die Kirmes bewegt.

Kirmes bewegt, obwohl sie gar nicht stattfindet

Übrigens auch in dem Jahr, in dem sie gar nicht stattfindet. Die Vredener Gastronomen sind so kreativ geworden. Es gibt Konzerte, Büffets und Musik-Livestreams. Wir wünschen uns in dieser Woche gegenseitig schöne Kirmes-Tage, das kann auch die Pandemie nicht verhindern. Vereine und Nachbarschaften organisieren eigene Kirmes-Veranstaltungen zu Hause.

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Auch ich habe am vergangenen Wochenende schon Dosenwerfen und Entenangeln zu Hause im Garten veranstaltet. Und auch ich werde am Kirmessamstag unterwegs sein und das Volksfest so gut es eben geht feiern.

Vorsicht geboten: Die Pandemie ist noch nicht vorbei

Doch bei all der Kirmes-Liebe sollten wir eines nicht vergessen: Die Pandemie ist noch immer nicht zu Ende. Es ist schön, dass wir an diesem außergewöhnlichen Wochenende etwas unternehmen können.

Aber wir müssen aufpassen, dass danach nicht die Infektionszahlen plötzlich wieder steigen, nur weil wir uns drei Tage mit zahlreichen Leuten treffen, feiern und alle Vorsicht vergessen. Denn schließlich wollen wir uns die Hoffnung auf eine Kirmes 2021 nicht selbst zerstören, oder?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Kirmes-Tage!

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