Corona: Stressige Zeiten für Vredener Arztpraxen – auch vor Grippewelle

dzCoronavirus in Vreden

Viele Telefonate, Diagnosen, Beratungsgespräche, Patienten, die bei Regen vor der Tür warten müssen: In Coronazeiten geht es stressig zu in Hausarztpraxen. Wie gehen Vredener Praxen damit um?

Vreden

, 09.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Corona, Erkältungszeit und Influenza – wie sieht es unter diesen Vorzeichen in Vredener Hausarztpraxen aus? Es ist stressig vor allem wegen Corona. Von einer Influenzawelle ist aktuell noch nichts zu merken. Aber wenn es so kommt, müssen sich die Praxen darauf vorbereiten, wie sie ihre wartenden Patienten am besten koordinieren – vieles wird sich draußen abspielen, bei Wind und Wetter.

Dr. Stephan Guttermann sieht es „noch relativ ruhig aktuell“ in seiner Praxis. Aber: „Nächste Woche wird sich etwas tun, dann können wir hier Anti-Gen Tests machen“, kündigt er an. Die Nachfrage danach sei auf jeden Fall vorhanden, betont er im Gespräch mit der Redaktion.

Viel mehr Telefonate als sonst seien zu führen: „Wir müssen unheimlich viel erklären“. Es gehe ja auch darum, die Symptome genau abzuklären. Bei Erkältungen schreibt Stephan Guttermann die Patienten für eine Woche krank und kann diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung um eine Woche verlängern. Wenn die Symptomatik auffällig sei, könnten Angehörige einen Abstrich holen, der dann in einem Labor auf Coronaviren untersucht werde.

Stressige Zeiten für Hausarztpraxen – auch ohne Grippewelle

Was die Influenza angeht – 700 Grippeschutzimfungen hat er durchgeführt. Bislang seien noch keine Fälle aufgetreten. Das bestätigt die Vredener Ärztin Dr. Hiltrud Ahrends. „Mit einer Influenzawelle müssen wir eher im Januar rechnen.“

Wie viele Kollegen stellt auch Dr. Ulf Lütkemeier viel Verunsicherung fest rund um die Frage, in welchem Fall Kontaktpersonen von Corona-Infizierten besser zuhause bleiben sollten.

Oft werde zum Beispiel die Frage gestellt: „Mein Kollege ist Corona-positiv, bleibe ich besser zuhause?“. Dann müsse man als Arzt schon in einer Art Grauzone arbeiten, denn eigentlich legt das Gesundheitsamt fest, welche Personen getestet und in Quarantäne müssen.

„Es geht nicht anders“

Aber es herrsche dort aktuell schon eine Überlastung, „selbst bei positiven Tests dauert es, bis sich das Gesundheitsamt meldet, da ist es schon gut, wenn der infizierte Patient selbst bei uns Bescheid sagt“. Lütkemeier will das nicht als Vorwurf verstanden wissen, aber aktuell sei es schon so, dass viel durch die Hausärzte gemacht werden muss, was nicht eigentlich ihre Aufgabe ist. „Aber es geht nicht anders.“

Wer Kontaktperson sei und keine spezifischen Corona-Symptome habe, solle sich ohne Test in Quarantäne begeben, rät aktuell Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dann liege es an den Hausärzten: „Wir schreiben großzügig krank, um es zu unterbrechen“, erläutert Ulf Lütkemeier mit Blick auf etwaige Infektionsketten.

Ein schmaler Grat, dessen ist er sich bewusst. Dass Arbeitgeber anrufen, wie im Frühjahr schon geschehen, und auf die Systemrelevanz der krank geschriebenen Mitarbeiter hinweisen: „Das wird wieder kommen“, ist der Vredener Mediziner sicher.

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„Ich halte es nicht für sinnvoll, nach einem Telefonat zu sagen: ‚Bleibe zuhause‘“, sagt Dr. Hiltrud Ahrends. Sie mache sich nach wie vor lieber ein persönliches Bild von ihrem Patienten, „und ich werde auch großzügig testen“, so die Medizinerin.

Sie sei froh, so Hiltrud Ahrends, dass ihre Praxisräume so groß sind, so dass sie ein „Infektsprechzimmer“ einrichten konnte. Ins Wartezimmer, wo sich auch ein Drittel der Patienten weniger aufhalten darf als vor Corona, dürfen infektiöse Patienten derzeit nicht: Diese müssen vor der Tür warten.

Windschutz wird vor der Praxis montiert

Das wird in der Praxis Guttermann nicht anders gehalten: Vor dem Eingang zu seiner Praxis können sich die Patienten unter den Bögen unterstellen. „Und für den Windschutz stellen wir noch etwas auf“, so der Stephan Guttermann mit Blick auf die kommenden Monate. Dr. Ulf Lütkemeier sieht der Wartezeit im Winter ungern entgegen: „Das wird schwierig“. Aber das wird überall gelten: „Jeder, der Symptome hat, muss vor der Praxis warten.

Dr. Ulf Lütkemeier und das Praxisteam haben Infektsprechstunden eingerichtet. Im Praxisalltag wird aktuell noch mehr telefoniert als sonst.

Dr. Ulf Lütkemeier und das Praxisteam haben Infektsprechstunden eingerichtet. Im Praxisalltag wird aktuell noch mehr telefoniert als sonst. © Hubert Stroetmann

In der Gemeinschaftspraxis mit Lütkemeier-Windmeier werden Infekt-Sprechstunden angeboten. Das habe sich bewährt, bilanziert Ulf Lütkemeier. Dabei fielen auch nicht viele Wartezeiten an: Die körperliche Untersuchung, die Krankschreibung und die Entscheidung, ob ein Corona-Test fällig ist oder nicht, stünde dann an. Wie seine Kollegen auch, nennt er das Motto: „Schnell rein, schnell raus“ bei Patienten, die an Infektionen leiden. So schnell, wie es eben geht.

Appell: Chronisch Kranke sollen Kontrolltermine wahrnehmen

Zeit für Patienten wollen sich die Mediziner trotzdem nehmen. Sie appellieren auch, dass Termine wahrgenommen werden, regelmäßige Kontrolltermine für chronisch Erkrankte zum Beispiel. Diese Patienten kämen „deutlichst weniger“, so Hiltrud Ahrends’ Beobachtung. Davon rät sie ab: Die Schutzmaßnahmen in den Praxen seien so gut, wie es gehe. Und den persönlichen Kontakt möchte sie nicht missen: „Wir sehen es dem Patient an, ob es ihm gut geht oder schlecht.“

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Mit Blick auf die derzeitige Situation und die Wintermonate wünscht sich Dr. Ulf Lütkemeier, dass „manches ein bisschen differenzierter gesehen“ werden sollte. „Kaum noch Sport machen ist medizinisch nicht so sinnvoll“, betont er. Dass Physiotherapie weitergehen kann im Teil-Lockdown, findet er gut. Aber Rehasport sei auch wichtig für viele Patienten.

An die Regeln halten und etwas vorsichtiger sein

Dr. Hiltrud Ahrends sei hier und da schon irritiert über immer neue Verordnungen, wie sie sagt: „Da fragt man sich schon, ob man alles richtig macht.“ Aber: Im Gegensatz zum Frühjahr sei man jetzt doch etwas routinierter. Stressig sei es trotzdem. Deswegen ihr Rat: An die Regeln halten und in allem etwas vorsichtiger sein.

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