Corona-Krise: An der Supermarktkasse wächst der Respekt

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Ärzte und Pflegende stehen in der Corona-Krise an der vordersten Front. Was aber ist mit den Mitarbeitern in den Geschäften, die uns unseren Alltag ermöglichen? Lydia Assen ist eine von ihnen.

Vreden

, 23.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lydia Assen erlebt die Situation, die sich seit der rasanten Verbreitung des Coronavirus und den großen Einschränkungen der Lebensbereiche ergeben hat, aus dem Blickwinkel einer Angestellten beim Aldi-Markt an der Wüllener Straße in Vreden.

Seit acht Jahren arbeitet sie dort im Schichtdienst, mal früh von 6 bis 14.30 Uhr oder spät von 12.50 bis 21.15 Uhr. Sie packt Waren, stellt sie in Regale, sortiert Obst und Gemüse, sitzt an der Kasse. „Eigentlich sind wir alle überall im Einsatz“, sagt sie.

Mehr Kunden im Markt

So sieht das tägliche Standardprogramm aus. Und jetzt? „Es ist schon sehr viel voller.“ Das sei ihr aber nicht unbekannt, schon häufiger hätten sie und ihre Kollegen es mit einer solchen Situation rund um Feiertage zum Beispiel zu tun gehabt.

Und dann beschreibt sie eine Erfahrung, die überrascht: „Die Kunden verhalten sich im Moment anders, mit sehr viel mehr Respekt uns gegenüber.“ Am Freitag habe sie gerade eine Schachtel mit Konfekt geschenkt bekommen, eine Kollegin einen Blumenstrauß. „Es ist toll, dass unsere Arbeit so wertgeschätzt wird, das ist ein schöner Effekt der Krise“, freut sie sich.

Schlechtes Benehmen ist die Ausnahme

Die Bilder von sich ums Toilettenpapier streitenden Kunden, kennt sie die gar nicht? In Vreden sei einfach vieles anders. Man kennt sich. Natürlich aber komme es auch in ihrem Geschäft immer mal zu Ausreißern, zu Kunden, die „aus der Art schlagen“. Heißt, dass auch sie es mit Menschen zu tun hat, die sich nicht an auch sonst übliche Hygieneregeln halten, fordernd oder sogar aggressiv auftreten. Das sei aber wirklich die absolute Ausnahme.

Im Allgemeinen werde zurzeit schon sehr viel Rücksicht genommen. „In Vreden achtet man auf einander“, ist sie überzeugt, dass es hier im ländlichen Bereich trotz der für alle verschärften Situation weniger Probleme gebe.

Familiäre Kontakte eingeschränkt

Ängstlich sei sie, trotz der zahlreichen Kundenbegegnungen nicht, dass sie sich infizieren könne. „Ich achte aber sehr auf Hygiene und vor allem darauf, dass ich nach Feierabend keinen Kontakt zur Familie habe.“ Insbesondere zum Schutz ihres Vaters, der durch eine Herzerkrankung vorbelastet sei. „Meinen Eltern habe ich gesagt, dass ich sie vorerst nicht besuchen werde.“ Aber: „Auch meine Neffen und Nichten vermisse ich schon sehr.“ Der Kontakt laufe dann eben über das Telefon und andere Medien.

Keine Zeit für Angst

Im übrigen habe sie und das Team aber auch gar keine Zeit, um Angst zu haben. Dafür gebe es im Augenblick einfach viel zu viel zu tun. Ihr Ziel sei es, auch in dieser extremen Lage dennoch die Kunden zufrieden zu stellen. Besonders am Herzen liegt ihr, dass das nur gelinge, weil man gerade jetzt als Team noch enger zusammengewachsen sei. Und ganz viel Humor sei auch dabei. „Ich freue mich auch jetzt jeden Tag auf die Arbeit.“

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