Briefschreiberin verfasst anonyme Liebeserklärung an die Berkel

dzLeben am Fluss

Eine unbekannte Briefschreiberin erinnert sich an ihre Kindheit mit dem Fluss. Obwohl es nicht immer positive Erinnungen sind, möchte sie die Berkel nicht missen.

Vreden, Stadtlohn

, 01.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil ich das Flüsschen Berkel so liebte und noch liebe, kaufte ich mir vor dreieinhalb Jahren das von Ihnen herausgebrachte Buch ‚Berkel – Mein Leben als Fluss‘. Ich wollte wissen, was Ihnen so bemerkenswert an diesem Flüsschen ist, dass Sie sogar ein Buch darüber schreiben. Je öfter ich das Buch wieder zur Hand nehme, je mehr frühere Begebenheiten drängen sich ins Bewusstsein.“

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Mit diesen Zeilen beginnt ein rührender von Hand geschriebener Brief, den die Coesfelder Autorin des Buches, Doris Röckinghausen, kürzlich mit der Post bekam.

„Leider ist der Brief nur mit einem Vornamen unterschrieben, und auf dem Umschlag fehlt die Absenderangabe“, bedauert die Buchautorin. Die nachfolgenden Zeilen haben sie tief beeindruckt:

Tödliche Unfälle in der Berkel

„Die ersten vier Jahre ihres Lebens verbrachte die Schreiberin des Briefes 80 Meter entfernt von der Berkel, ihr heutiges Zuhause ist vielleicht 300 bis 400 Meter entfernt. Wie viele Kilometer ihr Heimatstädtchen durchfließen, genauer gesagt seitlich, weiß sie nicht. Seichtes Wasser im Sonnenschein, Hochwasser, Überschwemmungen, nicht mehr passierbare Straßen, zugefroren und total ausgetrocknet – so habe sie das Flüsschen erlebt.

Auch ist nicht vergessen, dass zweien meiner Spielkameradinnen ein bekannter Strudel in der Berkel zum Verhängnis wurde, einer weiteren Spielkameradin wurde das Eisschollenspringen zum tödlichen Schicksal. Die Stille, die nach den Unfällen in der Nachbarschaft herrschte, war greifbar (und das Leben ging weiter).

Wollte ich bestimmte Verwandte besuchen – ohne das Überqueren einer Berkelbrücke war das nicht möglich, egal welche Richtung man einschlug.

Zwei Brücken über die Berkel überqueren

Selbst bei einer Fronleichnamsprozession mussten zwei Brücken überquert werden. Eine Brücke bestand aus dicken beweglichen Bohlen, und oft hatte ich das Pech, dass die Prozession aufgrund des Gebetesprechens an einer Station zwanzig Minuten anhielt, während ich auf der Brücke stand. Dazu kam noch, dass die Berkel dahinter stürzte – aufgrund der Energiegewinnung. Wer in meinem Heimatstädtchen Niederdeutsch spricht, sagt nicht Berkel. Er sagt Becke.“

Abschließend stellt die Briefschreiberin fest, dass die Berkel ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist: „Ohne die Berkel wäre es nicht mein Leben. Ihnen ist es gelungen, mit Texten, Fotografien, Malereien und Gedichten darzustellen, wie die Berkel wirklich ist. Nämlich wunderbar. Danke!“

Das Berkelbuch ist in allen Buchhandlungen entlang der Berkel – auch online – erhältlich.

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