Bewährungsstrafe: 19-jähriger Vredener stach Bekanntem in die Brust

dzAmtsgericht

Viel Glück hatte ein junger Vredener vor Gericht: Obwohl er einen Bekannten mit einem Messer schwer verletzte und noch dazu über 100 Mal Drogen verkauft hatte, kam er mit Bewährung davon.

Vreden

, 16.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 19-jährige Vredener machte gleich zu Beginn der Verhandlung reinen Tisch: Überwiegend deckte sich sein Geständnis mit den Vorwürfen aus der Anklage.

An einem Morgen im vergangenen Februar war der Streit zwischen ihm und einem Bekannten eskaliert: Der 19-Jährige hatte dem mittlerweile ebenfalls 19-jährigen Opfer erst gegen die Brust getreten und dann mit einem Klappmesser vier Zentimeter tief in den Brustkorb gestochen. „Ich weiß nicht, was da mit mir los war. Ich war wie von Sinnen“, erklärte der Vredener. Ein Satz, den er zig mal während der dreistündigen Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht Ahaus wiederholte. Zusätzlich hatte er bei der Tat unter Drogen gestanden.

Überstürzte Flucht direkt nach dem Stich in die Brust

Er sei direkt nach dem Stich weg gerannt. Ein Umstand, der ihm später noch helfen sollte. Denn nur wegen dieser Flucht hatte die Staatsanwaltschaft den jungen Mann nicht wegen einer versuchten Tötung angeklagt. Dennoch machte der Staatsanwalt eines klar: „Das war hier keine Kirmesschlägerei.“ Der Angreifer habe mit so viel Wucht zugestochen, dass das Opfer eher zufällig nicht schwerer verletzt wurde.

Schwunghafter, monatelanger Drogenhandel

Doch damit nicht genug: Im Zuge der Ermittlungen war dann auch ans Licht gekommen, dass der 19-jährige Vredener etwa ein halbes Jahr zuvor mit einem schwunghaften Schmuggel und Handel von Cannabis begonnen hatte. Selbst nimmt er die Drogen, seit er 14 Jahre alt ist. Schließlich benötigte er rund zwei Gramm Cannabis pro Tag. Um das zu finanzieren, kaufte er regelmäßig in den Niederlanden zwölf Päckchen Drogen. Zehn davon verkaufte weiter, zwei nahm er selbst. Das Gericht summierte das auf 105 Taten. Zwischen 9540 und 10.500 Euro soll der Täter damit erwirtschaftet haben.

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Der Staatsanwalt forderte eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung. „Das ist kein besonders harter Antrag, sondern eher das Mindestmaß“, erklärte er.

Verteidiger bittet um mildes Urteil

Das sah der Verteidiger des jungen Vredeners anders. Auch er räumte ein, dass der 19-Jährige Gott danken könne, dass er nicht noch einmal oder tiefer zugestochen habe sondern geflohen sei. Dennoch habe er im vergangenen halben Jahr eine erfreuliche Entwicklung gemacht: Er hat nicht nur seinen Schulabschluss nachgeholt, sondern sich auch um eine Ausbildungsstelle bemüht. Auch seinen Drogenkonsum habe er deutlich reduziert. „Der ist das Problem“, so der Verteidiger.

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Er bat Richter und Schöffen darum, dem Vredener seinen gerade begonnenen Weg ins Leben nicht kaputt zu machen. „Die Tat hat bei ihm und seiner Familie zu einem Aufwachen geführt“, sagte der Verteidiger. Er bezweifle stark, dass eine Freiheitsstrafe dabei helfe.

Strafe soll Weg in die Zukunft nicht verbauen

Dem schloss sich das Gericht an: Der Richter verurteilte den Vredener zu einem Jahr und acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung. Zusätzlich werden von ihm 10.500 Euro Wertersatz eingezogen: „Das müssen Sie zahlen. Das verjährt auch erst in 30 Jahren.“ Außerdem muss er einen stationären Drogenentzug machen. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht das Geständnis und die Lebensumstände des Vredeners. Auch sei er in der Vergangenheit zwar mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten, aber nur zu einem kurzen Freizeitarrest verurteilt worden.

Konflikt zwischen Opfer und Täter scheint beigelegt

Zusätzlich hatte er sich unmittelbar nach der Tat schon bei seinem Opfer entschuldigt. Diese Entschuldigung wiederholte er vor Gericht. „Das haben wir hier auch nicht immer“, lobte der Richter.

Zwischen Opfer und Täter scheinen die Probleme beseitigt: Das Opfer wandte sich beim Verlassen des Gerichtssaals an den Täter: „Bestell den Jungs Grüße“, rief er ihm zu. Dann wurde er in Handschellen aus dem Saal geführt. Er verbüßt gerade eine Haftstrafe.

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