Bergbau-Souvenirs gefragt

Vreden Wer hat wohl einen der seltensten Berufe der Welt? Und wo wohnt er? "Zwanzig Jahre lang war ich weltweit der einzige, der hauptberuflich vom Verkauf von Bergbau-Antiquitäten lebte. Jetzt arbeite ich mit einem Bekannten zusammen", sagt stolz Detlev Seel (45), der zusammen mit seiner Frau einen kleinen Bauernhof in der Bauerschaft Gaxel in Vreden bewohnt.

24.07.2008, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Detlev Seel mit drei Generationen Grubenlampen: Er hat sich nicht nur selbst einer ungewöhnlichen Sammelleidenschaft verschrieben, sondern diese auch zu seinem Beruf machen können. MLZ-Fotos (3): Albersmann</p>

<p>Detlev Seel mit drei Generationen Grubenlampen: Er hat sich nicht nur selbst einer ungewöhnlichen Sammelleidenschaft verschrieben, sondern diese auch zu seinem Beruf machen können. MLZ-Fotos (3): Albersmann</p>

Und wie kommt er zu diesem außergewöhnlichen Berufszweig? Der Antiquitäten-Fan erinnert sich: "Wir wohnten in Castrop-Rauxel. Mein Schwiegervater fuhr häufiger nach Oberschlesien in das dortige Kohlerevier und brachte von dort alte Gruben-Lampen mit, die er sammelte und teilweise verkaufte. Als verheirateter Student mit Kind konnte ich immer Geld gebrauchen und fing auch mit dem Verkauf einiger Lampen und Bergbau-Antiquitäten an. Nach meinem abgeschlossenen Lehramtstudium in Geschichte und Deutsch konnte ich kurzfristig wegen des damaligen Lehrer-Überschusses keine Anstellung als Lehrer bekommen. Da ich aber eine Familie zu ernähren hatte, ein zweites Kind war gerade unterwegs, meldete ich ein Gewerbe an und konzentrierte mich auf den Verkauf der Antiquitäten aus dem Bergbau-Bereich."

Was genau unter Bergbau-Antiquitäten zu verstehen ist, erklärt Sammler Seel: "Es sind überwiegend alte Gruben-Lampen, die im Bergbau eingesetzt wurden. Daneben aber auch Vermessungsgeräte, alte Uniformen, Arbeitskleidung, Werkzeuge, bergmännische Waffen für die damaligen Beamten oder auch bergmännische Kunst und Figuren." Es gibt viele Interessenten für solche ausgefallenen Sachen. "Es sind einmal weltweit viele (Bergbau)-Museen, die noch besondere Exponate suchen. Auch existiert eine große Zahl privater Sammler, die sich dafür interessieren. Und auch Personen, die irgendeinen Bezug zum Bergbau haben oder hatten, möchten noch oft ein Erinnerungsstück für sich zuhause."

Lampen gefragt

Und was wird am häufigsten nachgefragt? "Eindeutig alte Gruben-Lampen. Die ältesten Exemplare, so genannte Froschlampen, stammen etwa aus den Jahren 1870/ 1880. Es waren Dochtlampen, die mit Rüböl betrieben wurden. Aber wegen der Explosionsgefahr mit Methangasen im Kohlebergbau wurden sie durch benzingetriebene Sicherheitslampen ab etwa 1910 ersetzt." Einzelne Exemplare dieser neuen Generation waren noch bis 1980 im Einsatz.

Ab den 1930er Jahren setzten sich immer mehr Elektrolampen mit separater Akku-Versorgung - rund zwei Kilogramm schwer - durch. Die heutigen, etwa nur noch 120 Gramm leichten Sicherheitslampen sind mit Leuchtdioden ausgestattet. Und was kostet so eine antike Bergmanns-Lampe? "In der Regel zwischen vierzig und dreitausend Euro. Ich habe aber auch schon ein besonderes Exemplar im fünfstelligen Euro-Bereich an ein Museum geliefert", erklärt Detlev Seel.

Und die Nachfrage nach diesen außergewöhnlichen Antiquitäten sei weiterhin ungebrochen. "Ich bin weltweit unterwegs und kaufe und verkaufe, besonders natürlich in Europa und Osteuropa. Gerade komme ich aus China zurück." alb

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