Bayerischer Staatspreis für Broschen von Melanie Isverding aus Vreden

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Goldschmiedin Melanie Isverding, gebürtige Vredenerin, hat für ihre Broschenserie „Nos“ den Bayerischen Staatspreis verliehen bekommen. Gefeiert wird in der Heimat doppelt.

von Alex Piccin

Vreden

, 12.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war wie ein Lichtstrahl im verregneten München. Melanie Isverding hatte die Internationale Handwerksmesse (IHM) in der bayerischen Landeshauptstadt kurzzeitig verlassen, um sich weitere Ausstellungen zum Thema Schmuck anzuschauen, als sie ein Anruf der IHM ereilte. Die Juroren hatten ihr den Bayerischen Staatspreis in der Kategorie Gestaltung zugesprochen.

„Damit habe ich gar nicht gerechnet“, gesteht die gebürtige Vredenerin. 800 Bewerbungen aus verschiedenen Kunstrichtungen sind eingegangen, wovon 60 zum finalen Entscheid zugelassen wurden. Der Bayerische Staatspreis wird seit den 1950er-Jahren vom Bayerischen Wirtschaftsministerium für besondere gestalterische und technische Leistungen im Handwerk verliehen. Für Melanie Isverding ist diese Auszeichnung eine positive wie motivierende Bestätigung ihrer Schmuckkunst: „Das stärkt und stützt mich persönlich. Nach außen schafft dieser Preis Sichtbarkeit, innerlich empfinde ich ihn als eine Wertschätzung meiner Arbeit.“

Berufung gefunden

Die 40-Jährige hat den für sie richtigen Weg schnell gefunden. Mit 16 absolvierte sie ein Praktikum bei der Schmuckmanufaktur Niessing in Vreden. „Ich hatte schon immer ein fundamentales Bedürfnis, mich mit Materialien handwerklich auseinanderzusetzen. Das Sensorische, Taktile und Haptische hat mir große Freude bereitet, so dass ich nach zwei Wochen wusste, diesen Beruf möchte ich ausüben“, erinnert sie sich. Ihre künstlerische Ader habe bis dato im Unterbewusstsein geschlummert.

Melanie Isverding machte eine Ausbildung zur Goldschmiedin bei Niessing und ging dann den akademischen Weg. Heute stellt sie sich zweigleisig auf. Ihren Schmuck sieht sie im künstlerischen Kontext und verkauft ihn beispielsweise an Galerien. Ihre Werke waren bereits in Ausstellungen auf dem halben Globus in gläsernen Schaukästen zu sehen. Das zweite Standbein ist die Lehre. Isverding ist künstlerische Mitarbeiterin an der Burg-Giebichenstein-Kunsthochschule in Halle an der Saale und vermittelt dort die Herangehensweise an die Kunst und die künstlerische Praxis.

Jahrelanger Prozess

Für ihre Broschenserie hat sie das lateinische Wort „Nos“ gewählt: „Das bedeutet wir/uns und impliziert das Miteinander, das Gegenüber, das Tragen und Halten und den Dialog. Eine Begegnung, die das Andere oder den Anderen benötigt.“Aus Glas, Seide und Silber hat sie mit handwerklichem Geschick und künstlerischer Raffinesse Schmuckstücke gestaltet, die bei der Jury in München den größten Anklang erfahren haben.

Bayerischer Staatspreis für Broschen von Melanie Isverding aus Vreden

Staatssekretär Roland Weigert überreicht den mit 5000 Euro dotierten Bayerischen Staatspreis 2019 an die gebürtige Vredenerin Melanie Isverding. © Marcus Biesecke

Von der Idee über Konzeption bis zur Umsetzung und Fertigstellung vergeht in der Regel mindestens ein Jahr. „Das geschieht parallel zu anderen Arbeiten“, sagt Melanie Isverding. Wenn die Pläne und Zeichnungen fertig sind, geht es ans Handwerkliche. Für eine Brosche veranschlagt sie „locker eine Woche“. Die geometrischen Gläser bilden den Rahmen für die per Hand gewebten Seidenmembranen. Diese werden mit Hilfe feiner Silberrahmen zusammengehalten. Keine leichte Aufgabe, wie Melanie Isverding betont: „Die Materialien fordern eine sehr sorgfältige Herstellung, und in der Bearbeitung bedarf es eines aufmerksamen Umgangs.“

Ein besonderes Exemplar

Auf „Heimaturlaub“ in Vreden ist Melanie Isverding regelmäßig, das nächste Mal Ende Mai. Von einem kleinen Familienempfang für die Staatspreisträgerin hat sie noch nichts gehört, aber es steht die Hochzeit ihrer Schwester an. „Dann gibt es viele Sachen zu feiern“, freut sich die Goldschmiedin und kündigt als Hochzeitsgeschenk ein handgefertigtes Unikat an.

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