Britta Wehr zählt die Autos an der Overbergstraße. Die Nachbarschaft hat sich in Schichten aufgeteilt. Jede Schicht dauert zwei bis drei Stunden. © Markus Gehring
Verkehr in Vreden

Auf eigene Faust: Nachbarschaft Overbergstraße zählt Fahrzeuge

Rund 8.000 Fahrzeuge passieren die Overberg- und Beatrixstraße an einem Tag. Das sagen die Anwohner dieser Straßen. Erneut fordern sie von der Stadt Vreden eine Verkehrsberuhigung.

An einem sonnigen Freitag sitzt Britta Wehr in ihrem Gartenstuhl an der Overbergstraße. Das macht sie aber nicht, um den Frühling zu genießen: Sie zählt die Fahrzeuge, die vorbeifahren. Grund dafür ist die hohe Verkehrsbelastung auf der Overberg- und Beatrixstraße.

Nicht nur sie allein überprüft das Verkehrsaufkommen. Nachbarn aus sechs weiteren Haushalten zählen die passierenden Fahrzeuge. Darunter auch der Vredener Unternehmer Christoph Brüning. „Laut Stadtverwaltung fahren pro Tag 4.000 bis 4.500 Fahrzeuge diese Straßen entlang. Das wollten wir verifizieren“, erklärt er. Ziel der Zählung ist auf lange Sicht ein Tempolimit 30 und die damit verbundenen Kontrollen.

Verkehrsschau soll Klarheit bringen

Bei einem Telefonat erklärt der Vredener Bürgermeister, dass sich die Zahl nicht so leicht erschließen lasse. „Die letzte Verkehrszählung wurde im April 2019 durchgeführt. In einem Zeitraum von zehn Tagen sind knapp 45.000 Fahrzeuge gezählt worden.“ Doch diese Zahl könne nicht einfach durch zehn geteilt werden, so Tom Tenostendarp. Die Zählungen wurden zu verschiedenen Tageszeiten durchgeführt. Demnach war auch das Verkehrsaufkommen zu bestimmten Zeiten höher oder niedriger, macht der Bürgermeister deutlich.

Er verweist auf eine Verkehrsschau mit dem Kreis Borken. Dabei sollen mögliche weitere Schritte besprochen werden. „Zurzeit sind wir im Austausch mit dem Kreis Borken“, sagt er. Wegen der Pandemie wurde sie allerdings verschoben: von Ende April auf Anfang Juni. Wegen dieser Verkehrsschau habe auch die Nachbarschaft der Overberg- und Beatrixstraße mit dem Zählen begonnen, erklärt Christoph Brüning. „Die Zahlen sollen ein Beleg und Argument für den nächsten Planungs- und Bauausschuss sein“, ergänzt er.

Unterstützung aus der ganzen Nachbarschaft

Wie genau setzen die Anwohner das um? „In Zwei- bis Drei-Stunden-Schichten zählen wir, wie viele Fahrzeuge hier entlang fahren. Während der Morgen- und Mittagsschicht zählen die Nachbarn, die in Rente sind, und abends zählen dann die Berufstätigen“, berichtet Christoph Brüning. Dabei sitzt jeweils eine Person auf einem Stuhl am Straßenrand und macht eine Strichliste oder nutzt eine App, erzählt er.

Die eigens initiierte Zählung hat am Freitag, 23. April um vier Uhr morgens begonnen und endete um 18 Uhr abends. „Die Zahlen von der Stadtverwaltung können wir widerlegen“, sagt Brüning. Allein am ersten Tag der Zählung habe die Nachbarschaft rund 8.000 Fahrzeuge gezählt. „Davon hätten knapp 60 Fahrzeuge nicht dort fahren dürfen“, erklärt Christoph Brüning. Es seien Lkw oder Traktoren gewesen, die dort nicht erlaubt sind.

Verkehrsschilder führen zu Missverständnissen

Denn nicht nur die Vielzahl an Fahrzeugen stört die Anwohner. Es sind vor allem die Fahrzeuge, die dort ein Fahrverbot haben. „Die Sache ist, dass auf dem Verbotsschild ein Wagen mit Anhänger zu sehen ist. Das verstehen viele falsch“, sagt Christoph Brüning. Die Durchfahrt der Overbergstraße und der Beatrixstraße ist für alle Fahrzeuge verboten, deren zulässige Gesamtmasse 3,5 Tonnen überschreitet.

Bereits im Februar haben er und sein Nachbar Heinz Wilmes Unterschriften gesammelt. Damit wendeten sie sich mit einem Schreiben an den Bürgermeister Tom Tenostendarp. „Wir haben auch dieses Mal wieder ein Schreiben verfasst.“ Christoph Brüning betont dabei, dass sich bislang nicht viel geändert habe. Das Schreiben hat der Bürgermeister nach eigener Aussage Anfang der Woche erhalten und gelesen. Es werde zur Zeit besprochen, ob eine erneute Verkehrszählung gemacht wird, so Tenostendarp.

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