Anwohner der Norbertstraße über die alte Spinnerei: „Das hässliche Ding muss weg“

dzAlte Spinnerei Huesker

Einen „hässlichen Klotz“ nennen die Anwohner der Norbertstraße die alte Spinnerei Huesker. Sie erklären, warum sie nicht länger auf eine meterhohe Wand schauen wollen.

Vreden

, 19.11.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf der Fensterbank stehen Orchideen, am Rahmen hängen Deko-Objekte in Kugelform, die Scheibe wird eingerahmt von edlen Gardinen. Doch wenn der Blick von der liebevollen Dekoration nach draußen wandert, wird es weniger idyllisch. Familie Leuker schaut vom Wohnzimmer aus direkt auf die alte Spinnerei Huesker.

Anwohner der Norbertstraße über die alte Spinnerei: „Das hässliche Ding muss weg“

Familie Leuker schaut vom Wohnzimmerfenster aus direkt auf die Wand der Spinnerei. © Victoria Garwer

Vier Stockwerke hoch türmt sich das Gebäude auf. Nur wenige Meter vom Wohnhaus entfernt steht die schmutzig gelbe Wand mit roten Streifen. Vom Wohnzimmer aus ist das Dach des Gebäudes nicht einmal zu sehen.

Kein Sonnenstrahl schafft es in den Garten

„Das hässliche Ding muss weg“, sagt Josef Leuker deswegen ganz entschieden. Die Anwohner der Norbertstraße wollen, dass die ehemalige Spinnerei abgerissen wird. Das Anliegen einer Interessengemeinschaft, das alte Gebäude zu erhalten, war für sie ein Schlag ins Gesicht.

Schon immer stört die Nachbarn der Anblick des massiven Gebäudes auf der anderen Straßenseite. „Das nimmt ganz viel Lebensqualität“, sagt Anette Gewering. „Im Winter müssen wir um 13 Uhr das Licht anmachen, weil es sonst zu dunkel ist.“

Anwohner der Norbertstraße über die alte Spinnerei: „Das hässliche Ding muss weg“

Ständig blicken die Anwohner auf die Wand der Spinnerei. © Victoria Garwer

Gerade im Frühjahr und im Herbst, wenn die Sonne nicht ganz so hoch steht, schafft es kein Sonnenstrahl in die Gärten der Anwohner. Denn die Wohnsiedlung liegt auf der Schattenseite der Spinnerei. Auch die Anwohner der angrenzenden Wohnstraßen blicken auf den „hässlichen Klotz“, wie Anette Gewering es nennt.

Spinnerei sei weder schön, noch in einem guten Zustand

Eine Interessengemeinschaft mit Vredener Mitgliedern aber hat Denkmalschutz für die alte Spinnerei beantragt. Das können die Anwohner überhaupt nicht verstehen. „Da ist doch nichts Schönes dran. Keine Verzierungen, kein schöner Verblender“, findet Rainer Gewering. Noch nie habe ein Besucher gesagt: „Ach, ist das ein schönes Gebäude.“

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Außerdem sei das Bauwerk in einem schlechten Zustand. „In meinen 62 Jahren hier habe ich noch nicht erlebt, dass da was saniert wurde. Als in den 80er-Jahren die Fenster zugemauert wird, ist schon der ganze Putz abgebröckelt“, erzählt Margret Leuker.

Keine nostalgischen Erinnerungen an die Spinnerei

Sie ist an der Norbertstraße aufgewachsen, ihr Elternhaus stand schon dort, als die Spinnerei 1926 gebaut wurde. Sie hat die Spinnerei noch in Betrieb erlebt. Nostalgische Gefühle verbindet sie mit dem Gebäude dennoch nicht. „Das war immer ein Störfaktor. Es war ständig laut und staubig“, berichtet Margret Leuker.

Anwohner der Norbertstraße über die alte Spinnerei: „Das hässliche Ding muss weg“

Ein Bild beweist, dass die Wohnhäuser an der Norbertstraße schon standen, bevor die Spinnerei 1926 gebaut wurde. © Privat

Als also vor ein paar Jahren zum ersten Mal Pläne für das Gelände vorgestellt wurden, waren die Nachbarn hochzufrieden. Sie wollten unbedingt erleben, dass die Spinnerei abgerissen wird. Anfang 2019 hat dann das Unternehmen Stroetmann die Pläne konkretisiert. Ein E-Center und Mehrfamilienhäuser sollen dort entstehen.

Anwohner der Norbertstraße über die alte Spinnerei: „Das hässliche Ding muss weg“

Die ehemalige Spinnerei steht nur wenige Meter von der Wohnbebauung entfernt. © Markus Gehring

Während sich andernorts in Vreden Anwohner über Mehrfamilienhäuser in der Nachbarschaft beschweren, haben sich die Anwohner der Norbertstraße gefreut. „Zweieinhalbgeschossige Häuser, das ist noch nichts gegen so eine hohe massive Wand“, findet Rainer Gewering. Auch mit einem Edeka auf dem Gelände könnten sie gut leben. „Lieber ein Edeka als weiter Stillstand“, findet Josef Leuker.

Kein Verständnis für die Ideen der Interessengemeinschaft

Doch dann kam Markus Bußmann mit seiner Idee, die Spinnerei retten zu wollen. Er gründete einen Verein, der inzwischen eine Interessengemeinschaft ist. Einige Vredener engagieren sich dort für das Projekt. „Das geht gar nicht“, meint Josef Leuker. „Die wohnen im Grünen in Vredens besten Wohnlagen und wollen bestimmen, was bei uns vor der Haustür passiert.“

Anwohner der Norbertstraße über die alte Spinnerei: „Das hässliche Ding muss weg“

Nur ein mickeriges Bäumchen steht an der Wand der Spinnerei. Sonst ist sie komplett kahl. © Markus Gehring

Die Anwohner glauben zudem nicht, dass es möglich ist, aus der alten Spinnerei ein schickes Objekt mit Loft-Wohnungen zu machen. „Das ist ein absolutes Luftschloss“, sagt Josef Leuker.

„Neue Spinnerei Vreden“ sei ein unrealistisches Luftschloss

Rainer Gewering ergänzt: „Wer soll das denn bezahlen? Die Mitglieder der Interessengemeinschaft werden sich da ja wohl kaum finanziell einbringen. Diese Idee wird also niemals umgesetzt, selbst wenn das Gebäude stehen bleibt.“ Und Margret Leuker sagt: „Ich bin ja durchaus dafür, Altes zu erhalten, aber nicht für den Preis.“

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Deswegen wehren sich die Nachbarn gegen diese Idee. Sie haben Unterschriften gesammelt – an der Norbertstraße, aber auch am Röringkamp. Die Ausschusssitzungen haben sie besucht, um ihre Gegenwehr deutlich zu machen. Auch in der Ratssitzung am Donnerstag, 21. November, wollen sie wieder Präsenz zeigen. Dann fällt die Entscheidung über den Denkmalschutz für die alte Spinnerei.

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