Andreas Langheim: Vom Chefredakteur der Schülerzeitung zum RTL-Reporter

dzDreh im Zwillbrocker Venn

Die journalistische Karriere von Andreas Langheim hat am Vredener Gymnasium mit einem Schülerzeitungs-Artikel über Prügelstrafe begonnen. Jetzt ist er als Fernseh-Journalist zurückgekehrt.

Vreden

, 24.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Vom Chefredakteur der Schülerzeitung zum Reporter des RTL-Nachtjournals – das ist ganz grob skizziert der Lebensweg von Andreas Langheim. Begonnen hat er seine journalistische Karriere am Gymnasium Georgianum mit der Gründung der Zeitung „Antenne“. Jetzt ist der 59-Jährige für einen Fernseh-Beitrag über das Thema Vogelsterben in die Heimat zurückgekehrt.

Andreas Langheim, der in Südlohn aufgewachsen ist, hat 1978 Abitur am Vredener Gymnasium Georgianum gemacht. Dort gründet er die Schülerzeitung „Antenne“. Seinen ersten Leitartikel schreibt er über das Thema Prügelstrafe. Es geht um Beschwerden von Schülern, die erzählen, dass es trotz Verbotes noch Lehrer gebe, die die Prügelstrafe anwenden oder Schüler bewusst vor der Klasse bloßstellen. Ein heikles Thema, das nicht ohne Reaktion bleibt.

Leitartikel über Prügelstrafe löst große Diskussion aus

„Ich war überrascht von der enormen Wirkung des Artikels. Da habe ich zum ersten Mal mitbekommen, dass man mit Worten Stürme entfachen kann“, meint der 59-Jährige. Der damalige Schulleiter versichert dem Schüler, dass die Veröffentlichung völlig okay sei. Aber die Außenwirkung des Gymnasiums leide darunter. Eine Lehrerkonferenz wird einberufen, Mitglieder des Schülerrates und der Schüler-Mitverwaltung (SMV) überprüfen die Aussagen des Artikels. Mit positivem Ergebnis.

In der nächsten Ausgabe der Schülerzeitung stellt Andreas Langheim klar: „Die Redaktion hatte nicht die Absicht, durch übertriebene Äußerungen die Lehrerschaft zu beleidigen. Vielmehr ging es darum, das Problem allen Schülern und Lehrern bewusst zu machen und eine Diskussion darüber zu provozieren.“ Das hat er erreicht. Auch wenn er danach kurz um seine schulische Zukunft am Gymnasium bangt. „Ich wollte da schließlich noch Abitur machen. Aber da muss ich wirklich sagen: Hut ab vor der Toleranz der Lehrer. Die Pressefreiheit am Gymnasium hat funktioniert“, meint Andreas Langheim. Spätestens mit dieser Erfahrung steht für ihn fest, dass er Journalist werden möchte.

Dreh im Zwillbrocker Venn zum Thema Vogelsterben

Inzwischen arbeitet er seit 25 Jahren für das RTL-Nachjournal und wohnt in Köln. Ein Beitrag zum Thema Vogelsterben hat ihn wieder in die Heimat geführt. Das Zwillbrocker Venn mit dem Vogelschutzgebiet sei ihm aus seiner Schulzeit in Erinnerung geblieben, erzählt er. Deswegen steht er am Dienstagmorgen gemeinsam mit einem Kamera-Team vor einer Weide mit Galloway-Rindern und befragt Dr. Dietmar Ikemeyer, den Leiter der Biologischen Station Zwillbrock.

Andreas Langheim: Vom Chefredakteur der Schülerzeitung zum RTL-Reporter

Andreas Langheim (r.) und Dr. Dietmar Ikemeyer haben intensiv diskutiert. © Victoria Thünte

„Was können denn die Gartenbesitzer zu Hause ganz konkret machen für die Tiere?“, fragt der Journalist. „Ein erster Schritt wäre, den Garten nicht immer so aufzuräumen...“ Weiter kommt der Biologe nicht. Andreas Langheim dreht sich um, rennt aufgeregt hin und her und brüllt beinahe: „Meine Rede! Das sage ich doch seit Jahren.“ Dietmar Ikemeyer bleibt gelassen: „Wenn sich der Fragesteller wieder beruhigt hat, könnte ich den Satz fortsetzen.“

„Eigentlich bin ich ein Dolmetscher“

Doch Andreas Langheim sieht in seiner Rolle als Journalist viel mehr als nur den Fragesteller: „Eigentlich bin ich ein Dolmetscher. Ich möchte komplexe Dinge so aufbereiten, dass sie jeder versteht.“ Das war schon als Chefredakteur der Schülerzeitung sein Ziel. Er hat politische Themen aufgegriffen, auch solche, die mit der Schule eigentlich nichts zu tun hatten. So gibt es zum Beispiel Artikel zum Thema „Ufos – Was ist dran?“, „Chile aktuell“ oder „Das Brennelemente-Zwischenlager – Lösung des Atommüll-Problems?“

Nach dem Abitur studiert Andreas Langheim Psychologie und Kommunikationswissenschaften. „In jedem journalistischen Thema steckt ein psychologisches Problem“, erklärt er diese Fächer-Auswahl. Das wird auch beim Dreh im Zwillbrocker Venn deutlich. Schnell geht es nicht mehr nur um die Vögel, die in dem Schutzgebiet leben. „Da ist man direkt beim Konsumverhalten der Menschen“, meint der Journalist. Dietmar Ikemeyer wird konkreter: „Wenn zum Beispiel alle Leute Fleisch aus der Region kaufen würden, dann wäre schon viel getan.“

Der Beitrag, der im Zwillbrocker Venn entstanden ist, wird in der Nacht zu Donnerstag, 25. April, im RTL-Nachtjournal um 0 Uhr ausgestrahlt.

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