Familien, Kinder und Jugendliche fühlen sich wohl in Ammeloe. Das ist das Ergebnis unseres Ortsteil-Checks. Kritik gibt es an der Situation für Senioren und dem Mangel an Parkplätzen.

Ammeloe

, 16.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Familie Nienhaus ist sich einig: In Ammeloe lässt es sich gut leben. „Als Familie muss man sich hier einfach wohl fühlen“, sagt Mutter Kirsten Nienhaus (41) mit Seitenblick auf ihren Mann Ralf (41). Sohn Moritz (10) drückt es etwas anders aus: „Voll cool hier.“ Sein Bruder Jannis (15) stimmt nur mit einem lässigen Schulterzucken und einem angedeuteten Nicken zu. Das ist auch das Ergebnis unseres Orteil-Checks. Neun von zehn Punkten gibt es da in der Kategorie Lebensqualität, acht von zehn sind es bei der Familienfreundlichkeit.

Kirsten Nienhaus ist in dem Kirchdorf aufgewachsen, ihr Mann Ralf kommt aus Ottenstein. „Wir haben uns bei der Familienplanung bewusst für Ammeloe entschieden, weil ich meine gesamte Familie hier in direkter Umgebung habe“, sagt die 41-Jährige. Die Kinder fühlen sich wohl hier, einen wirklichen Bezug zu Vreden haben sie nicht. „Alle meine Freunde wohnen in Ammeloe, hier haben wir auch unsere Hütte“, erzählt Jannis. Die Hütte haben die Jugendlichen selbst gebaut aus Steinen und Platten. Dort treffen sie sich in ihrer Freizeit.

Und welche Angebote gibt es für Jugendliche in Ammeloe? „Nichts“, sagt der 15-Jährige aus einem ersten Reflex heraus. Dann fällt ihm doch noch was ein: der Fußballverein zum Beispiel oder die Landjugend. Da wird Jannis in Kürze aufgenommen. Im Ortsteil-Check gibt es in der Kategorie Jugendliche fünf von zehn Punkten. Ein Urteil, das Jannis so unterschreiben kann. Trotzdem möchte er auch später in Ammeloe bleiben. „Die Luft ist hier besser als in der Stadt und man hat mehr Freiheit“, meint er.

Zur Schule in Vreden kommt der 15-Jährige mit dem Bus. „Dafür muss er morgens um sieben Uhr aus dem Haus. Das finde ich schon ganz schön früh“, meint Kirsten Nienhaus. Doch bald wird es noch komplizierter. Ab dem Sommer muss Jannis zur Berufsschule nach Ahaus oder Borken. Eine direkte Busverbindung von Ammeloe aus gibt es nicht. „Wir müssen uns nochmal überlegen, wie wir das machen“, sagt Kirsten Nienhaus. Dass das Thema Verkehrsanbindung nur vier von zehn Punkten bekommen hat, kann die Familie also gut nachvollziehen.

Das wurde positiv bewertet

Gastronomie: Volle Punktzahl vergeben die Ammeloer in der Kategorie Gastronomie. Dem stimmt auch Familie Nienhaus zu. „Da fehlt hier wirklich nichts“, meint Ralf Nienhaus. Gleich drei Gaststätten gibt es in dem Kirchdorf, jeweils mit Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen. Aber nutzt man die auch, wenn man dort wohnt? „Auf jeden Fall. Gerade im Sommer sitzen wir oft im Dorf im Biergarten“, erzählt Kirsten Nienhaus. Der zehnjährige Moritz hätte aber noch eine Idee, was in Ammeloe gebraucht wird: „Fast Food.“

Ammeloe: Familien und Jugendliche fühlen sich wohl, Senioren sind auf Hilfe angewiesen

Auch Familie Nienhaus sitzt im Sommer gerne im Biergarten im Dorfkern. © Victoria Thünte

Sicherheit: Während die Familie gemütlich in Richtung Dorfkern schlendert, düst Moritz mit dem Fahrrad hin und her. Er fährt vor, lässt sich zurückfallen und überholt dann wieder in einem Affenzahn. Kein Problem für die Eltern. „Hier kann man seine Kinder frei rennen und düsen lassen“, sagt Kirsten Nienhaus. Die Familie fühlt sich in dem kleinen Kirchdorf sicher. „Hier kennt jeder jeden und man hat auch kein Problem, seine Kinder zwei Straßen weiter spielen zu lassen. Hier lässt man die Kinder vielleicht auch schneller ziehen als zum Beispiel in einer Großstadt“, meint die 41-Jährige.

Das wurde negativ bewertet

Nahversorgung: „Bäcker, Fleischer, Bank und Gaststätten sind vor Ort – das ist heute im Dorf nicht mehr selbstverständlich.“ Das schreibt eine Teilnehmerin der Online-Umfrage. Auch Familie Nienhaus ist froh, dass es zumindest eine Grundversorgung in Ammeloe gibt. „Aber manchmal wäre so ein Tante-Emma-Laden, wo man Obst und Gemüse kaufen kann, schon gut“, findet Ralf Nienhaus.

Eine Untersuchung der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden hat gezeigt, dass in den 1970er-Jahren die Abkehr von den Tante-Emma-Läden begann. Stattdessen nutzten die Kunden immer häufiger die modernen Supermärkte, die ein größeres Angebot hatten. Die Leute wollten Geld sparen, es trieb sie in die Discounter. „Mit der Folge, dass Tante Emma aus den Dörfern und Stadtteilen verschwand und die Entfernung zum Einkaufen immer größer wurde“, heißt es in dem Bericht.

Ammeloe: Familien und Jugendliche fühlen sich wohl, Senioren sind auf Hilfe angewiesen

Einen Bäcker und einen Metzger gibt es in Ammeloe, andere Einkaufsmöglichkeiten fehlen. © Victoria Thünte

Auch in Ammeloe hat diese Entwicklung stattgefunden. Zum Einkaufen müssen die Dorfbewohner nach Vreden fahren. „Aber wenn mir zum Kochen oder Backen was fehlt, dann kann ich immer auch die Nachbarn fragen. Das funktioniert hier auf dem Dorf auch ganz gut, da wird geholfen“, erzählt Kirsten Nienhaus. Trotzdem vergeben die Ammeloer in der Kategorie Nahversorgung nur sechs von zehn Punkten.

Senioren: „Wir haben uns entschieden, im Alter nach Vreden zu ziehen“, schreibt ein Teilnehmer der Online-Umfrage. Und mit dieser Meinung ist er nicht der einzige. In Ammeloe gibt es weder Ärzte noch Apotheken, kaum Einkaufsmöglichkeiten und die einzige Verbindung nach Vreden ist der Bürgerbus. Darum gibt es in der Kategorie Senioren auch nur sechs von zehn Punkten.

Damit steht Ammeloe nicht alleine da. In allen Kirchdörfern wird die Situation für Senioren aus denselben Gründen schlecht bewertet. In den Einwohnerzahlen schlägt sich das übrigens nicht nieder – im Gegenteil. 16 Prozent der Einwohner in Ammeloe sind über 65 Jahre alt. Der Wert in Lünten, Wennewick, Ellewick und Vreden ist ähnlich. Auffällig ist, dass in Zwillbrock rund 22 Prozent der Einwohner über 65 sind. Dieser Ortsteil hat damit den höchsten Anteil an Senioren, mit vier von zehn Punkten aber auch die schlechteste Bewertung.

Ammeloe: Familien und Jugendliche fühlen sich wohl, Senioren sind auf Hilfe angewiesen

Zahlen und Fakten zu Ammeloe © Verena Hasken

Parkplätze: Das Thema Verkehrsbelastung wird mit acht von zehn Punkten eigentlich sehr gut bewertet, Kritik gibt es allerdings an der Parkplatz-Situation. „An bestimmten Tagen wie sonntags zum Hochamt, bei Beerdigungen oder bei Angebotstagen in den Geschäften gibt es bedeutend zu wenige öffentliche Parkplätze. Hier werden sehr oft Privatgrundstücke, Hauseingänge, Hofausfahrten und Garagentore gnadenlos zugeparkt“, schreibt ein Umfrage-Teilnehmer. Das habe schon dafür gesorgt, dass ein Bus nicht ins Dorf kam und dass Gäste, die in ein Restaurant wollten, wieder gefahren sind, weil sie dachten, es sei auch im Restaurant kein Platz mehr frei.

Bis zum Jahr 2012 gab es in direkter Nähe zum Kring einen öffentlichen Parkplatz. Heute steht auf dem Grundstück ein Kindergarten. Für den Neubau sind die Parkplätze ersatzlos weggefallen. Die Stadtverwaltung hatte damals erklärt, diese Lösung sei vertretbar, weil es im öffentlichen Straßenraum genügend Parkraum gebe.

Stefan Busch vom Ordnungsamt der Stadt Vreden sind keine Beschwerden zur Parkplatzsituation in Ammeloe bekannt. „Wenn es Probleme gibt, können sich die Bürger gerne an uns wenden. Dann schauen wir uns die Situation vor Ort an und suchen wenn nötig natürlich auch Lösungen“, meint er.

Das älteste der fünf Kirchdörfer

Ammeloe: Familien und Jugendliche fühlen sich wohl, Senioren sind auf Hilfe angewiesen

Schenkwirtschaft, Bäckerei, Lebensmittel: Das Haus Noldes im Ammeloer Kring vor dem Zweiten Weltkrieg. © privat

  • Ammeloe ist das älteste der fünf Kirchdörfer. Es wurde im Jahr 1369 gegründet und feiert damit in diesem Jahr 650-jähriges Bestehen.
  • Die historische Kringbebauung mit ringförmig um den ursprünglichen Kapellenplatz angelegten Häusern ist heute noch existent und steht unter Denkmalschutz.
  • Im Jahre 1858 wurde am Standort der vorherigen Kapelle mit dem Neubau einer dreischiffigen Kirche im neogotischen Stil begonnen. Besonders erwähnenswert sind zwei alte Heiligendarstellungen und die wertvollen Glasfenster.
  • Im Haus Noldes am Kring, in dem sich eine Gastwirtschaft, Bäckerei und Laden aus dem 19. Jahrhundert befinden, ist mit Unterstützung des Heimatvereins Ammeloe ein Heimathaus entstanden. Hier finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt.
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