Aggressives Herpes-Virus alarmiert auch Vredens Pferdebesitzer – Diskussion um Impfungen

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Das Herpes-Virus bei Pferden ist im Umlauf. Immer mehr Fälle tauchen auf, es wird über das Thema Impfungen diskutiert. Kein Grund zur Panik, aber zur Vorsicht, sagen Tierärzte.

Vreden

, 04.01.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Herpes-Virus bei Pferden taucht vermehrt auf. Der Reitverein Vreden wollte für sein Turnier sogar eine Impfung vorschreiben. Die Meldung von 13 Pferden in Kleve, die eingeschläfert werden mussten, von weiteren Verdachtsfällen (angeblich auch im Kreis Borken) machten in den letzten Wochen die Runde.

Pferdebesitzer, -halter und -züchter im Land sind tief verunsichert und befürchten eine Ausbreitung des Virus (Equine Herpes Virus) und damit eine Gefahr für die Tiere.

Landgestüt sagt Veranstaltungen ab

Sogar das Landgestüt Warendorf hat seine für den 20. Dezember geplante Hengstpräsentation kurzfristig abgesagt. Aus Sicherheitsgründen. Wegen möglicher Ansteckungsgefahren für die Pferde mit dem Herpes-Virus durch Besucher.

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Zur möglichen Impfung gibt es allerdings unterschiedliche Positionen der Experten. Die einen bezweifeln deren Erfolg, warnen sogar vor extremen Nebenwirkungen des Impfstoffes, die anderen führen das aktuell verstärkte Auftreten des Virus gerade auf eine gewisse Impfmüdigkeit zurück.

Vorsichtsmaßnahmen beim Turnier

Für das aktuelle Turnier in Vreden (3. bis 5. Januar) hat der Verein die vorab angedachte Impfpflicht inzwischen aufgehoben. Nicht aber, weil man etwa eine entsprechende Wirkung bezweifelt, sondern aus Zeitgründen. Geschäftsführer Jörg Lenhard erklärt warum: „Die Grundimmunisierung ist erst nach 30 Tagen wirksam, das hätte bis zum Turnier nicht gereicht.“

Was die rund 28 Pferde, die im Stall des Vereins stehen, betrifft, hat man aber eine klare Haltung: „Die acht vereinseigenen Schulpferde werden geimpft, für die anderen wird eine Empfehlung ausgesprochen.“

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Jörg Lenhard weiß aber auch, dass es keine gesetzlich vorgeschriebene Impflicht gegen das Herpes-Virus gibt. Die existiert nur gegen Tetanus und Influenza. Andererseits macht aber eine Impfung auch nur Sinn, wenn der gesamte Bestand geimpft wird.

Kein Anlass zur Panik

Es gehe aber auch um Risiko-Abwägung, und da sieht der RV-Geschäftsführer in Vreden und Umgebung aktuell keinen Anlass zur Panik: „Der beste Schutz gegen Krankheiten ist ein gesundes Pferd.“

Für das Turnier hat der Verein gleichwohl eine Reihe an Vorsichtsmaßnahmen, Hygienevorschriften, beschlossen. So dürfen die Pferdeäpfel nur in speziellen Sammelboxen entsorgt werden. Außerdem gibt es Desinfektions-Durchgangsboxen.

Tierarzt Dr. Hartmut Löttken, dem die Turnieraufsicht in Vreden obliegt, bedauert, dass über die sozialen Medien das Thema ziemlich hochgekocht worden sei und auch solche Meldungen von angeblichen Verdachtsfällen im Kreis Borken kursiert seien: „Das stimmt so nicht.“

Das große Problem: Es gibt keine Meldepflicht

Ellen Bulten, Pressesprecherin des Kreises Borken, sagt dazu auf Anfrage: „Für das Equine Herpesvirus besteht keine Meldepflicht, das heißt, wir erfahren nicht unbedingt von den Fällen. Vor Weihnachten hatten wir von praktizierenden Tierärzten erfahren, dass bei drei Pferden in Isselburg das Herpesvirus nachgewiesen wurde. Die Pferde waren bereits auf dem Weg der Besserung. Das ist auch unser aktueller Kenntnisstand – über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel gab es keine neuen Informationen. Todes- oder neue Verdachtsfälle sind uns nicht bekannt.“

Und sie empfiehlt: „Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat auf ihrer Internetseite Informationen zu der Infektionskrankheit zusammengestellt – auf unserer Internetseite verweisen wir auch dorthin.“

Tierarzt rät zur Impfung

Auch Tierarzt Löttken sieht das Problem, dass es für die Erkrankung mit dem Herpes-Virus keine Anzeige- oder gar Meldepflicht gebe. „Man kann daher nur Empfehlungen aussprechen.“ Und er rät dazu zu impfen, dann aber den ganzen Bestand.

Seine Erfahrung ist nämlich die: Vor 10, 15 Jahren wurde ein großer Teil der Pferde geimpft, dann gab es eine Impflücke.

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