Ackerland ist heiß begehrt – und teuer. Kommunen und das Land werfen als Kaufinteressenten lange Schatten. © Stefan Grothues
Ackerlandpreise

Ackerlandpreise in Vreden weiter auf Spitzenniveau im Land NRW

Landwirtschaftliche Flächen sind heiß begehrt – und teuer. In Vreden werden derzeit knapp fünf Hektar für über 600.000 Euro verkauft. Landwirte haben im Rennen um die Flächen oft keine Chance.

Ackerflächen sind in Vreden ein rares Gut. Für insgesamt weit über ein halbe Million Euro bietet die Immobilien GmbH der Volksbank Gronau-Ahaus zurzeit zwei Flächen in Vreden an. Eine gute Gelegenheit, in Grund und Boden zu investieren? „Das ist für die Landwirte zurzeit schwierig“, sagt Thomas Siehoff, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Ellewick/Crosewick/Zwillbrock.

Thomas Siehoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Ellewick-Crosewick-Zwillbrock.
Thomas Siehoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Ellewick-Crosewick-Zwillbrock. © Foto: Kai Lübbers © Foto: Kai Lübbers

Eine der beiden angebotenen Flächen liegt im „Zwillbrocker Brook“. Sie ist 2,4 Hektar groß und wird noch vom Eigentümer selbst bewirtschaftet. „Bei einer Ackerzahl von ca. 29 können gute Erträge erzielt werden“, heißt es im Angebot der Volksbank. Geforderter Verkaufspreis: 312.000 Euro

Auf der Vergleichswertskale steht die 29 für einen Wert zwischen sandigen und schweren bis tonigen Lehm. Diesen Wert nennt die Immobiliengesellschaft auch für die zweite Fläche, die knapp 2,3 Hektar groß ist und deren Lage nicht näher benannt wird. Ihr Kaufpreis: rund 296.000 Euro.

Geforderter Quadratmeterpreis liegt bei 13 Euro

Der geforderte Quadratmeterpreis liegt hier wie dort bei 13 Euro. Das sei zwar hoch, sagt Gregor Ahler, Geschäftsführer der Volksbank Gronau-Ahaus Immobilien GmbH aber, so betont der Immobilienexperte, die Kaufpreisforderung sei realistisch und marktgerecht. „Ackerland ist in Vreden wie im gesamten Nordkreis nach wie vor heiß begehrt. Die Preise haben sich seit Jahren nach oben entwickelt“, so Gregor Ahler.

Der aktuelle Grundstücksmarktbericht für den Kreis Borken nennt einen durchschnittlichen Preis für Flächen der Land- und Forstwirtschaft von 10,44 Euro. Diesen Preis hat der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Borken auf der Basis von 181 Verkaufsfällen des Jahres 2019 ermittelt.

Ackerlandpreis in einem Jahrzehnt fast verdreifacht

Im Geodatenatlas des Kreises Borken lässt sich die Entwicklung der Ackerland-Preise in den letzten Jahren gut nachvollziehen. Vor zehn Jahren lag der Preis für Ackerland in Vreden bei 4,30 Euro pro Quadratmeter. Bis zum Jahr 2016 hatte er sich bereits verdoppelt. Jetzt wird er mit 11 Euro angegeben. Nirgendwo im Land Nordrhein-Westfalen sind die Ackerlandpreise so hoch wie im Kreis Borken, sagt Gregor Ahler.

Die Gründe für die Preissteigerung liegen nach Gregor Ahlers Angaben auf der Hand: „Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Die Kommunen erwerben Tauschflächen, um neue Wohn- und Gewerbegebiete ausweisen zu können. Und die Landwirtschaft wird intensiv und erfolgreich betrieben. Es gibt im Westmünsterland eine hohe Stalldichte, eine hohe Tierproduktion und eine relativ große Zahl an Biogasanlagen. Dafür wird viel Fläche benötigt.“

Siehoff: Land NRW treibt als Käufer Preise in die Höhe

Thomas Siehoff, Landwirt und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Ellewick/Crosewick/Zwillbrock, bestreitet nicht das erfolgreiche Wirtschaften der Landwirte. Der exorbitante Preisanstieg für Ackerland habe aber vor allem andere Gründe.

„Wenn ein Landwirt eine Fläche kaufen will, dann schaut er nach der Lage zum Betrieb, nach Verschattung, Bodengüte und Zuschnitt. Andere Kaufinteressenten achten nur auf die Quadratmeterzahl und sind bereit Preise zu zahlen, bei denen kein Landwirt mithalten kann“, sagt Thomas Siehoff. Mit anderen Verkaufsinteressenten meint er die Kommunen, vor allem aber das Land NRW.

Landwirte kommen beim Flächenkauf kaum zum Zuge

„Nach meinen Beobachtungen hat das Land in den letzten Jahren die meisten Flächen erworben, um Tauschflächen für die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete zu haben“, sagt Thomas Siehoff. „Für uns Landwirte ist es dagegen super schwer, Flächen zu erwerben.“ Landwirte würden ihren Flächenbedarf angesichts dieser Preise eher über die Pacht regeln. „Diese Summen hat kein Landwirt mal eben über.“

Immobilienexperte Gregor Ahler prognostiziert, dass die Dynamik der Preissteigerung für Ackerland in den nächsten Jahren nicht mehr so groß sein wird. Aber er ist fest davon überzeugt: „Die Preise bleiben weiterhin auf hohem Niveau.“

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Stefan Grothues

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