Aufrunden bitte: Was die Abschaffung von Centmünzen für Händler und Kunden bedeuten würde

dzCentstücke

Die EU-Kommission überlegt, Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. Wir haben nachgefragt, wie Einzelhändler, Kunden und Banken in Vreden dazu stehen.

Stadtlohn

, 30.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Genau 32,99 Euro für den Wocheneinkauf, 41 Cent für das Brötchen vom Bäcker und 99 Cent für die Packung Käse dazu – solche Beträge sind im Einzelhandel Standard. Als Wechselgeld gibt es dann oft Ein- und Zwei-Cent-Stücke. Jetzt will die EU-Kommission prüfen, ob die Abschaffung der kleinsten Centbeträge sinnvoll wäre. Brauchen wir die Ein- und Zwei-Cent-Stücke überhaupt noch?

Christiane Lechtenberg, Inhaberin des Floristikgeschäfts Adele in Vreden, hat darauf eine klare Antwort: „Die Ein- und Zwei-Cent-Stücke sollen ruhig abgeschafft werden! Sogar ohne die Fünf-Cent-Stücke könnte ich.“ Der Einfachheit halber bietet sie hauptsächlich Waren mit glatten Cent-Beträgen an. „Das habe ich schon immer so gemacht.“ Obwohl sie kleinere Centbeträge gerne abschaffen würde, sei ihr aber eines ganz wichtig: „Das Bargeld soll bleiben.“

Transport von Centmünzen kostet viel Geld

Laut Robert Klein, Pressesprecher der Sparkasse Westmünsterland, habe die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Stücken auch nichts mit einem Bargeldausstieg zu tun. „Bei diesem Thema geht es doch vor allem um ökonomische und organisatorische Überlegungen, nicht um die Abschaffung des Bargelds.“ Er erklärt, dass mit der Bearbeitung von Bargeld auch Kosten entstehen, zum Beispiel durch den Transport von Centstücken. Diese könnten mit einer Abschaffung eingespart werden.

Aufrunden bitte: Was die Abschaffung von Centmünzen für Händler und Kunden bedeuten würde

Viele Vredener können sich vorstellen, auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu verzichten. © Madlen Gerick

Auch die Volksbank spricht von einer Vereinfachung für alle Beteiligten und einer Verringerung der Bargeld- und Logistikkosten, wenn weniger Centmünzen im Umlauf sind. Außerdem seien „die Herstellungskosten im Vergleich zum eigentlichen Wert einer Münze deutlich höher“.

Das sieht Bern Rosing (63) aus Vreden auch so: „Die Ein- und Zwei-Cent-Stücke sind ja viel mehr wert als das, was drauf steht. Wenn man die abschafft, können Rohstoffe gespart werden.“

Regeln zum Auf- und Abrunden erforderlich

Aber bevor die Cent-Stücke überhaupt abgeschafft werden könnten, müssten einheitliche Regeln für das Auf- und Abrunden von krummen Preisen festgelegt werden, betont die EU-Kommission. In anderen EU-Ländern wie den Niederlanden und Finnland gibt es solche Regeln schon.

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Das weiß auch Vredenerin Marion Epping (56): „Die Ein- und Zwei-Cent-Stücke können gerne abgeschafft werden, das ist in den Niederlanden ja schon lange so. Die Fünf-Cent-Stücke würde ich aber behalten wollen.“ Wilhelm Brocks (65) würde sich ebenfalls eine Abschaffung der kleinsten Münzen wünschen. „Dann gibt es auch keine Überfüllung im Portemonnaie“, sagt er. Außerdem: „In Summe bei 20 Artikeln fällt ja kaum auf, ob es da durch das Aufrunden einen leichten Verlust gibt.“

Aufrunden bitte: Was die Abschaffung von Centmünzen für Händler und Kunden bedeuten würde

Marion Epping findet das System in den Niederlanden ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen gut. © Madlen Gerick

Beim Auf- und Abrunden der Preise sieht Marianne Rademacher, Inhaberin des Haushaltswarengeschäft Mümken weder Vor- noch Nachteile. „Unterm Strich würde sich das ja die Waage halten, weil bei dem einen Kunden dann aufgerundet und bei dem anderen abgerundet wird.“ Deswegen ist es ihr auch egal, ob die Geldstücke abgeschafft werden oder nicht. „Also ich habe kein Problem damit, wenn die Centstücke bleiben, aber auch kein Problem damit, wenn sie gehen.“

Centbeträge könnten gespendet werden

Etwas anders steht Helga Meyerhoff dazu. Die Verkäuferin im Weltladen Vreden findet: „Es ist schon immer umständlich, mit den Ein- und Zwei-Cent-Stücken zu hantieren.“ Sie denkt, dass durch die Abschaffung mehr Menschen freiwillig aufrunden und somit mehr zahlen würden. „Das wäre hier besonders gut, weil das Geld dann als Spende verwendet wird.“

Oft nutzen Menschen Ein- und Zwei-Cent-Stücke aber nicht, um sie zu spenden, sondern um zu sparen. Das Kleingeld können sie dann bei der Bank auf das Konto einzahlen. Ein Service, der sowohl bei der Sparkasse als auch bei der Volksbank häufig genutzt werde, so die Pressestellen.

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Yvonne Wildenhues findet, dass das Kleingeld eh nur rumfliegt. © Madlen Gerick

Sollten die Ein- und Zwei-Cent-Stücke abgeschafft werden, würden sie aber trotzdem noch weiter von den Banken angenommen. „Es handelt sich dabei immer noch um Geld, welches seine Gültigkeit nicht verliert“, betont Volksbankmitarbeiterin Emma Löhring.

Für die Vredenerin Yonne Wildenhues ist das allerdings keine Option. „Wir müssen bei unserer Bank Gebühren dafür zahlen“, erzählt sie und ergänzt: „Das Kleingeld wird man doch eh nicht los. Die Ein- und Zwei-Cent-Stücke können gerne abgeschafft werden.“

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