Suche nach Automaten: Vredener möchte in Corona-Zeiten nicht schwarzfahren

dzCorona-Krise

Erich Bruns ist auf den Bus angewiesen. Aktuell kann er sein Ticket im S70 aber nicht wie gewohnt beim Fahrer lösen, Alternativen sucht er bisher vergeblich. Den 84-Jährigen plagt das Gewissen.

Vreden

, 14.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich möchte einfach nicht schwarzfahren.“ Erich Bruns aus Vreden ist auf den Bus angewiesen, er kann aber zu Corona-Zeiten aufgrund der Kontaktsperre und der Hygienevorschriften sein Ticket nicht wie gewohnt beim Busfahrer lösen. Der Einstieg ist allein an der hinteren Tür möglich, der vordere Bereich beim Busfahrer abgesperrt.

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Die Regionalverkehr Münsterland (RVM) kann aktuell allein die Optionen anbieten, sich ein Ticket an einem Fahrkartenautomaten, bei einer Dienstelle oder über die BuBim-App zu besorgen. Diese Alternativen sind für den 84-jährigen Vredener aber keine: „Das kann ich alles nicht.“

84-Jähriger ist auf den Bus angewiesen

Er nutzt häufiger – begleitet von seiner Frau – den S70 von Vreden nach Münster, um in Ahaus Arzttermine wahrzunehmen. „Die Busfahrer sind alle sehr freundlich. Einer sagte mir auf Nachfrage, ich solle mir eine Karte in Ahaus besorgen.“ Wo genau, konnte ihm keiner erklären.

Dann habe er die „Schlaue Nummer“ angerufen: „Da sagte man mir, ich solle in Stadtlohn eine Karte kaufen. Aber das schaffe ich ja gar nicht, wir haben auch kein Auto.“ Internet habe er nicht. Und ein Taxi würde hin und zurück 78 Euro kosten – „viel zu viel“.

Busunternehmen kennt Problematik

Dass es sich in diesem Fall in besonderer Zeit um eine „sensibles Thema“ handele, bestätigt Dr. Christoph Hagebeucker, Pressesprecher der RVM: „Es ehrt den Mann sehr, dass er sich Sorgen macht und seiner Pflicht nachkommen will. Wir kennen die Problematik, vor der gerade ältere Mitbürger stehen. Dafür haben wir großes Verständnis. Aktuell finden keine Sanktionen statt, wenn ein Fahrkartenautomat oder eine Dienststelle nicht erreichbar ist oder die App nicht bedient werden kann. Es wird sicher keiner stehengelassen, wenn er begründet die Karte nicht lösen kann.“

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Das ändere aber nichts an dem Umstand, dass man eine Leistung bezieht, für die man zahlen muss. Insgesamt appelliere man an die Fairness und das Gewissen der Kunden – so wie es Erich Bruns umsetzt.

RVM appelliert an Fairness der Kunden

Die RVM arbeite auch an Alternativlösungen – so sei eine Art Plexiglaskabine denkbar, um die Busfahrer zu schützen, dann könnte dort auch wieder der Ticketverkauf stattfinden. „Aber diese Umbauten müssen natürlich sämtlich überlegt und vom TÜV abgenommen werden.“ Aktuell seien die Möglichkeiten einfach eingeschränkt.

„Wann hört es denn wohl auf mit Corona?" Erich Bruns hat bei diesem Gedanken übrigens seine eigene Lösung parat: „In Irland – so habe ich gehört – sitzen die Fahrer immer in Kabinen, man kommt gar nicht an sie heran. So werden sie auch gut geschützt.“ Das Ticket löse man, indem man den Betrag in eine Art Tresor werfe.

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