Mit mehreren Faustschlägen wurde der 30-jährige Vredener im vergangenen Januar verletzt. Der Täter, ein 25-jähriger Vredener, hat seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückgezogen. © picture alliance / Karl-Josef Hi
Schwere Gesichtsverletzungen

25-jähriger Vredener zieht Einspruch nach Kneipenschlägerei doch zurück

Nach einer Schlägerei in Vreden trafen sich die Kontrahenten am Freitag vor Gericht wieder. Dem 25-jährigen Angeklagten glaubte der Richter nicht. Als er ihm ins Gewissen redete, gab der nach.

Klar ist, dass es im vergangenen Januar eine wüste Schlägerei in einer Vredener Gaststätte gab. Das Opfer, ein 30-jähriger Vredener wurde übel zugerichtet und trug schwere Gesichtsverletzungen davon, wegen denen er teilweise immer noch in Behandlung sind.

Doch Opfer und Angeklagter hatten am Freitagmorgen vor dem Ahauser Amtsgericht grundverschiedene Versionen der Tat. Der Angeklagte, ein 25-jähriger Mann aus Vreden, hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt. Nur deswegen musste sich der Richter überhaupt noch einmal mit dem Thema beschäftigen.

Späteres Opfer soll zuerst zugeschlagen haben

Aus seiner Sicht spielte sich der Konflikt ungefähr so ab: Er habe an der Theke gestanden, um Getränke zu bestellen. Unvermittelt habe ihm das spätere Opfer dann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dadurch sei er zu Boden gegangen. Auf dem Boden sei er wieder zu sich gekommen. Der 30-Jährige habe auf ihm gesessen. Dadurch sei er in Panik geraten und habe einmal kräftig zugeschlagen, um sich zu befreien. Unmittelbar danach sei er mit einem Bekannten zur Toilette gegangen. Als sie zurückkehrten, sei der andere Vredener verschwunden gewesen.

Er habe sich einige Tage später auf eine Meldung in der Münsterland Zeitung hin bei der Polizei gemeldet. „Ich war ja den ganzen Abend in der Kneipe. Eine andere Auseinandersetzung gab es dort nicht. Deswegen habe ich mich sicherheitshalber bei der Polizei gemeldet“, sagte er. Die Zweifel an diesem Hergang standen dem Richter ins Gesicht geschrieben.

Richter glaubt auch Opfer nicht komplett

Der 30-jährige Vredener stellte die Geschichte komplett anders dar: Demnach habe nicht er, sondern der 25-Jährige zuerst zugeschlagen und zwar mehrfach. „Ich wollte Bier holen und habe dabei mehrere Schläge von ihm ins Gesicht bekommen.“ Dabei sei er zu Boden gegangen und auch für einen Moment bewusstlos gewesen. Der Polizei gegenüber hatte er noch von einer Gruppe gesprochen, die ihn angegriffen hätte. Auch ihm mochte der Richter nicht komplett glauben: „Sie müssen vorsichtig sein, was Sie hier sagen, was Sie definitiv wissen!“ Er habe definitiv nicht als erster zugeschlagen, bekräftigte er.

Unbeteiligter Zeuge beobachtete mehrere Schläge

Ein 27-jähriger Vredener, der ebenfalls dort gefeiert hatte, stützte die Version des 30-Jährigen: Aus wenigen Metern Entfernung habe er beobachten können, dass der Angeklagte zuerst und mehrfach zugeschlagen habe. Er sprach von drei oder vier Faustschlägen ins Gesicht. Danach sei das Opfer zu Boden gegangen. Auch dort soll der Angreifer weiter zugeschlagen haben. Diese Aussage könne er sich nicht erklären, hielt der Angeklagte dagegen. Er habe nicht als erstes zugeschlagen.

Ein weiterer Zeuge, ein Stammtisch-Kollege des 25-Jährigen wollte dessen Version stützen, wurde aber vom Richter nach einiger Zeit unterbrochen: „Bei dem Strafmaß, über das wir hier reden, lohnt es sich wirklich nicht, eine Falschaussage zu riskieren“, sagte ihm der Richter. Das saß. Danach konnte der Zeuge nur noch bestätigen, dass er die beiden Kontrahenten auseinandergezogen habe.

Richter redet Angeklagtem ins Gewissen

Nach der Beweisaufnahme wandte sich der Richter dann eindringlich an den Angeklagten: „Ich kann Ihnen nur raten, den Einspruch zurückzuziehen“, sagte er ihm. Mit dem Strafmaß des Strafbefehls (35 Tagessätze zu je 40 Euro) komme er sehr gut davon. Gehe die Verhandlung weiter, müsse er mit einer härteren Strafe rechnen.

Der 25-Jährige und sein Verteidiger verließen für wenige Minuten den Saal. „Sie haben durchaus überzeugend gewirkt“, erklärte der Verteidiger nach der kurzen Pause, „wir nehmen den Einspruch zurück.“ Ende der Verhandlung nach 75 Minuten. Was genau der Grund für die Schlägerei war, blieb offen.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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