19-Jähriger muss Sozialstunden nachholen

Amtsgericht Ahaus

Ein 19-jähriger Stadtlohner soll seine Sozialstunden nicht vollständig abgeleistet haben. Diese seien ihm nicht aufgeschrieben worden, beharrte er. Der Richter gab ihm eine zweite Chance.

von Alex Piccin

Vreden, Stadtlohn

, 14.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Zum wiederholten Male musste ein 19-jähriger Stadtlohner vor Gericht erscheinen. Im Januar 2018 haben er und zwei weitere Personen in einem Beet in Vreden ein Mobiltelefon gefunden. Anstatt es als Fundgut abzugeben, nutzten sie es selbst. Das Verfahren zur Unterschlagung aus dem Vorjahr wurde gegen Auflagen eingestellt, die der junge Mann allerdings nicht erfüllt haben soll.

Dem 19-Jährigen waren 30 Sozialstunden auferlegt worden, wovon er nach dem Stand der Behörden Anfang August lediglich zehn abgeleistet haben soll. „Ich habe 30 Stunden gearbeitet, aber die sind nicht aufgeschrieben worden“, sagte er zu seiner Verteidigung. Der Richter las die ihm vorliegenden Mitteilungen vor, in denen nur zehn Stunden dokumentiert sind.

Sozialstunden auf dem Friedhof

Die Sozialstunden sollten auf einem Vredener Friedhof abgeleistet werden. „Ich habe dort gefragt, ob ich die Stunden auch selbst aufschreiben soll. Man sagte mir, ich solle einfach Bescheid geben, wann ich angefangen habe und wann ich fertig war“, so der Stadtlohner. Er habe sich anschließend nicht mehr „dahintergehangen“. Einem Brief der Stadt Vreden mit dem Hinweis zu den zu wenig abgeleisteten Stunden wollte der Angeklagte nachgehen, hat es dann aber doch nicht getan. Mehrere Freunde könnten seine Version jedoch bestätigen.

So richtig glaubte ihm der Richter nicht: „Wenn Sie mir hier große Scheiße erzählen, schmiere ich sie Ihnen aufs Brot.“ Daraufhin unterbrach er die Sitzung, um telefonische Rücksprache mit dem zuständigen Jugendamt zu halten. Die Sachlage veränderte sich nicht, es gibt nur eine Meldung über zehn geleistete Sozialstunden. Aufgrund von Nachfragen aus vorangegangenen Verhandlungen konnte der Richter bestätigen, dass beim Friedhof die Arbeitszeiten zuverlässig erfasst werden.

Stunden nachholen

Der Staatsanwalt schlug vor, den Angeklagten die übrigen 20 Stunden nachholen zu lassen: „Ob Ihnen die fehlenden Stunden zu Unrecht nicht aufgeschrieben worden sind, können wir heute nicht klären. Sie haben es aber schleifen lassen.“ Einerseits habe der 19-Jährige gemerkt, dass man sich auf Erwachsene nicht immer blind verlassen könne und die Welt nicht so einfach funktioniere. Dazu gab der Staatsanwalt ihm den Rat mit, sich selbst mehr zu kümmern.

Der Stadtlohner blieb bei seiner Aussage: „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich die Stunden gemacht habe. Mehr als das sagen, kann ich nicht.“ Der Richter wies ihn an, dies mit dem Friedhof zu klären. Falls es bei der aktuellen Sachlage bleibt, habe er die restlichen 20 Sozialstunden nachzuholen. Das legte der Richter im Urteil fest. Käme der 19-Jährige dem nicht nach, drohen ihm bis zu vier Wochen Arrest: „Und das möchten sie sicher nicht. So sind sie noch gut bei weggekommen“, so der Staatsanwalt.

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