2018 hat der damalige Pächter Uwe Kuchnia seine Gäste letztmalig aufs Glatteis geführt. Und noch immer sieht es nicht nach einer baldigen Wiederaufnahme des Eissports in Unna aus. © Udo Hennes
Eissporthalle

Vorbild aus Ajka: Ist eine neue Eishalle günstiger als die Sanierung?

Die Millionenprognose für Sanierung und Betrieb der Eishalle überschreitet bisherige Annahmen deutlich. Ob ein Neubau vielleicht die bessere Lösung ist, will die FLU jetzt offiziell prüfen lassen.

Der Gedanke, dass eine gänzlich neue Eishalle für Unna günstiger werden könnte als die mindestens 12,5 Millionen Euro teure Sanierung war schon kurz nach der Vorstellung der aktuellen Kostenprognose in der vergangenen Woche geäußert worden. CDU-Fraktionschef Rudolph Fröhlich warf ihn auf, erklärte aber zugleich, dass die Idee einer entsprechenden Prüfung seiner persönlichen Auffassung entspreche und noch nicht mit Fraktion oder Partei abgestimmt sei.

Nun allerdings spielt Klaus Göldner von der Freien Liste den Gedankengang weiter: Die FLU beantragt offiziell, die nun vorliegenden Sanierungsvarianten durch ein Neubauszenario zu ergänzen.

Der Ursprung der Idee ist bei Göldner und Fröhlich identisch: Beide waren 2019 mit einer Delegation von Politikern in Unnas Partnerstadt Ajka zu Gast. Dort war gerade erst eine neue Eissporthalle in Betrieb gegangen – etwas kleiner dimensioniert als der Eispalast in Unna, aber immer noch tauglich für Eishockeyspiele vor 1500 Zuschauern. Kosten der Anlage: 4,5 Millionen Euro. „Ungarn ist Mitgliedsstaat der Europäischen Union und verfolgt von daher sicherlich vergleichbare Standards“, merkt Klaus Göldner nun an. Selbst bei höheren Kosten in Deutschland erscheine ihm eine Prüfung sinnvoll. 12,5 Millionen Euro oder noch mehr für die Sanierung einer fast 50 Jahre alten Halle zu zahlen, hält der FLU-Fraktionschef dagegen für unverhältnismäßig.

Dass ein Neubau als Alternative zur Sanierung der alten Halle prüfenswert sei, hat die FLU bereits vor dem Bürgerentscheid vor zwei Jahren betont, sollte der Wunsch des Bürgers nach einer kostengünstigen Reparatur und Inbetriebnahme der Halle nicht realisierbar sein. Jetzt ruft die FLU mit ihrem Antrag auch die anderen Fraktionen im Rat dazu auf, der Stadtverwaltung einen entsprechenden Prüfauftrag zu erteilen. Er dürfte schneller umzusetzen sein als die Prüfung der Sanierungsvarianten für den Altbau.

Rathaus-Varianten ab 1,3 Millionen Euro pro Jahr

Aktuell empfiehlt die Stadtverwaltung den Ratsmitgliedern zwei Varianten zur näheren Beratung. Beide gehen von einem reinen Saisonbetrieb in den Monaten September bis April aus. Die sogenannte Variante 4 beinhaltet auch die kleine Nebenbahn für Curling, Kinder und Anfänger, die Variante 5 lässt diese Fläche abgetaut. Kreditverträge über 30 Jahre und entstehende Betriebskosten sollen für die Variante mit Curling Jahresdefizite von 1,4 Millionen Euro verursachen, ohne die Nebenfläche wären es 1,3 Millionen. Wichtig: Dies sind Nettobeträge, auf die je nach Betreibermodell noch Steueraufschläge von 19 Prozent kommen können. Insgesamt rechnet die Stadt für den 30-jährigen Zeitraum Kosten von 42,1 beziehungsweise 39,5 Millionen Euro vor – wieder netto.

Für den Fall, dass sich ein Neubau als Alternative anbietet, könnte diese Halle entweder als Ersatz am heutigen Standort am Bergenkamp entstehen oder an einer anderen zentralen Stelle, regt die Freie Liste an. In anderen Fraktionen scheint aber auch schon über eine Nutzung des ehemaligen Freizeitbadgeländes in Massen gesprochen worden zu sein.

Unklar ist, welche Entscheidungsmöglichkeiten die Stadt überhaupt hat. Der Wortlaut des Bürgerentscheides gibt tatsächlich eine Sanierung der alten Eissporthalle vor. Eine Alternative, die aber auch im Sinne des Eissportes wäre, könnte vom Rat als Ratsbürgerentscheid den wahlberechtigten Unnaern zur Abstimmung vorgelegt werden. Göldner geht davon aus, dass zwei Jahren nach dem ersten Bürgerentscheid ein einfacher Ratsbeschluss ausreichen würde. Die Gesetzeslage dazu scheint uneindeutig zu sein.

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Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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